Sprechen Sie Polnisch? – Lektion 1 Sprachkurs finden

Wo bitte geht's denn hier zum Polnischkurs? Eine verzweifelte Suche. Foto: pixelio.de/Tim Reckmann

Manche Suche bringt einen fast zum Verzweifeln, Foto: pixelio.de (Tim Reckmann).

(FM, Chemnitz) Willkommen zu einem kleinen unterhaltsamen Exkurs im Fach Polnisch! Sprachen lernen ist wichtig, praktisch und auch lobenswert – sagt man zumindest. Nun ist es so, dass mir Sprachen an sich leicht fallen. Zumindest in der Schule bereiteten sie mir kaum Probleme. Wenn ich häufiger in einem Land bin, bemühe ich mich, wenigstens die grundsätzlichen Dinge in der Landessprache zu beherrschen. Das hat bislang in Polen leider überhaupt nicht funktioniert. Die Konsonantenhäufung in den Wörtern trieb mich schier zur Verzweiflung. Allein die fehlerfreie Aussprache des eigentlich einfachen und äußerst nützlichen Wörtchens „przepraszam“ – zu Deutsch: Entschuldigung – hat mich eine Woche hartes Training gekostet. Das sollte dieses Jahr anders werden: Ich will Polnisch lernen.

Die erste Schwierigkeit aber bestand darin, überhaupt einen Sprachkurs zu finden. Freunde und Familie waren über mein Vorhaben irritiert. Die Frage „Polnisch? Warum um Himmels Willen denn das? Lern doch lieber Spanisch oder Französisch!“ habe ich mehr als einmal gehört. Aber ich war nicht von meinem Entschluss abzubringen.  Hochmotiviert studierte ich das Vorlesungsverzeichnis der örtlichen Volkshochschule. Das war wohl nichts…Isländisch, Türkisch, Ungarisch, alles, nur kein Polnisch! Als ich nachfragte, warum denn kein Polnischkurs angeboten würde, erhielt ich die folgende Antwort: „ Also zum Einen haben wir niemanden, der in der Lage ist, diese Sprache zu unterrichten. Zum Anderen sind Sie die Erste, die je danach gefragt hat.“ Ahja…spannend! Dabei hätte man in Sachsen unweit der polnischen Grenze meinen müssen, dass ein Interesse an Polen schon historisch bedingt vorhanden sein müsste. Aus dem nicht weit entfernten Schlesien ließen sich nach dem Zweiten Weltkrieg viele Flüchtlinge in Westsachsen nieder. Einige meiner Freunde haben Großeltern, die einst zu jenen Vertriebenen gehörten. Doch selbst sie haben wenig übrig für die Sprache ihrer Vorfahren. Eine Freundin erzählte mir, dass ihre Oma immer noch Polnisch spricht und mit ehemaligen Schulfreunden auf Polnisch Briefkontakt hält. Als ich fragte, ob Sie denn nicht den Sprachkurs mit mir gemeinsam beginnen wolle, sagte sie nur: „Ach nee, was soll ich denn damit?“

Meine nächste Station war das Sprachenzentrum an der Universität. Und siehe da: Polnisch im Angebot, juhu! Ich rief an und hatte eine nette Dame am anderen Ende der Leitung. Ich schilderte ihr begeistert mein Anliegen. Doch ihre Erwiderung war genauso ernüchternd, wie die Resultate meiner Bemühungen zuvor: „Sie sind also nicht eingeschrieben?“ – „Nein.“ – „Tja, das ist schade, die Kurse sind nur für Universitätsangehörige.“ Ok, dann eben nicht! Schade eigentlich, dachte ich mir.

Ich nahm Kontakt zu einem deutsch-polnischen Verein auf. Einen Polnischkurs gab es hier aber nicht. Man erklärte mir stattdessen, dass die meisten Mitglieder ja der polnischen Sprache mächtig seien. Jene, die es nicht sind, würden „so nebenbei“ einen Einblick erhalten. Der Verein böte aber jeden Dienstag und Donnerstag Unterricht in polnischen Folkloretänzen an. Das könnte man mir sehr empfehlen. Ich bedankte mich freundlich und erklärte, dass ich es mir überlegen würde. Ich verstand die Sache nicht ganz: Eigentlich wollte ich nur einen Kurs finden, der mir die Grundzüge der polnischen Sprache näher bringen sollte – ok, ich gebe zu, nicht unbedingt einer Weltsprache.  Aber wenn man überall Türkisch lernen konnte, warum dann nicht auch Polnisch?

Ich hatte es schon fast aufgegeben, als Hilfe aus einer völlig unerwarteten Richtung nahte – von der Deutschen Bahn. Eigentlich in der Hauptsache für verärgerte Reisende nach  Zugausfällen wegen Oberleitungsschäden, Lokführerstreik usw. verantwortlich, entpuppte sie sich nun als clevere Kommunikationsplattform zur Netzwerkerweiterung. Grund dafür war auch dieses Mal die völlige Abwesenheit des Schienenverkehrs am Montagmorgen zur Hauptpendlerzeit. Eine Weichenstörung sorgte dafür, dass kein einziger Zug in den Chemnitzer Hauptbahnhof einfahren konnte. Nun ist es so, dass sich morgens immer die selben Leute am Gleis sammeln. Man kennt sich. Und so hatte ich schnell drei Leidensgenossen gefunden, die das gleiche Ziel hatten. Wir beratschlagten kurz.  Dann bot ein Herr in der Runde an, alle in seinem Auto in das knapp 40 Kilometer entfernte Zwickau mitzunehmen. Auf der Fahrt kamen wir rasch ins Gespräch. So erfuhr ich, dass ich mit zwei Bankangestellten und einer Lehrerin von einer Sprachschule unterwegs war. Die Sprachlehrerin unterrichtet Deutsch als Fremdsprache. Sie erzählte von ihren Schülern, unter denen die einzigen Europäerinnen zwei Polinnen sind. Mein Herz machte einen Sprung. Ich erzählte ihr, dass ich unbedingt Polnisch lernen wolle, nur leider nirgendwo ein Kurs angeboten würde. Sie überlegte und sagte dann: „Ich kann mir gut vorstellen, dass die beiden Dir das beibringen könnten. Ich frage sie und dann sehen wir weiter.“ Endlich hatte sich meine jahrelange Treue zum größten Anbieter im deutschen Schienenverkehr einmal bezahlt gemacht – wenn auch auf einem völlig anderen Gebiet! Die Deutsche Bahn ist doch gar nicht so schlecht, wie immer behauptet wird.

Und so kam es, dass sie mir zwei Tage später die Adresse und die Telefonnummer von Dorota mitbrachte…

Der Kurs beginnt mit der nächsten Lektion!

Bis bald – na razie!

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Comments
  1. Walter Wunderlich
    • Franziska Markowitz
  2. Karla
    • Franziska Markowitz
  3. Jan
    • Franziska Markowitz

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