Staus in Polen auf dem Navigationsgerät

Screenshot des Tomtom-Dienstes HD Traffic. Quelle: Tomtom

Bildschirmfoto des Tomtom-Dienstes HD-Traffic. Quelle: Tomtom

(Berlin, JW) Vielleicht erinnert sich der eine oder andere noch an ‚ARI‚, die ‚Autofahrer-Rundfunk-Information‘? Während, sagen wir,  Gigi d’Agostino aus dem Radio trötete, ertönte plötzlich eine bekannte Tonfolge (für Kenner: der Hinz-Triller) – und das damals noch als Autoradio bezeichnete mobile Soundsystem ließ eine Leuchte zur Kennzeichnung des ‚Verkehrsfunks‘ aufleuchten. Damals moderne Geräte schalteten dann gleich ein bisschen lauter, bei anderen musste der Fahrer Hand an das Lautstärke-Potentiometer legen. Dann folgten vom Radiosprecher angesagte Informationen zu Staus und stockenden Verkehren.

So umständlich ist es heute nicht mehr, mit dem Automobil rechtzeitig auf Staus und Verkehrsbehinderungen zu reagieren. Dank moderner Informationstechnologie ist es heute auch im Ausland nicht mehr notwendig, die Landessprache der Radiosprecher  bei den Verkehrsdurchsagen zu dechiffrieren. Navigationsgeräte können einem diese Arbeit abnehmen. Und: Den ‚Hinz-Triller‘ gibt es seit 2008 deswegen auch nicht mehr.

Mit dem ‚Navi‘ komfortabel durch Polen

Wer es sich nicht nehmen lässt, mit dem Auto durch Polen zu reisen – was insbesondere für ländlichere Ziele nach wie vor beinahe alternativlos los ist -, findet auf dem Markt schon ein reichhaltiges Angebot an Navigationsgeräten auch für Straßen in Polen. Für Radfahrer sieht es da noch etwas schlechter aus. Aber bleiben wir bei den Autokarten: War es früher noch erforderlich, ein eigenes ‚Navi‘ für Polen einzusetzen, können heute – mit den richtigen Karten bestückt – fast alle am Markt erhältlichen Geräte den Autofahrer-Weg weisen.

Damit weiß man zwar, wohin man muss. Ob dort ein Stau im Weg ist, oder eine spontane Baustelle, bleibt dagegen eine Überraschung. Die ersten Anbieter im heiß umkämpften Marktsegment mobiler Navigationsmaschinen bieten nun auch einen Verkehrsservice in Echtzeit auf den Geräten an; und das auch für Polen. So hat beispielsweise das zu den Großen der Branche zählende niederländische Unternehmen Tomtom ein System namens ‚High Definition Traffic‘ vorgestellt, bei dem bereits auf dem Navigationsgerät die staugefährdeten Strecken erscheinen und auch in der Routenplanung berücksichtigt werden können. Nach Herstellerangaben sollen auch kurze Teilabschnitte quasi metergenau auf den Karten markiert werden können, so dass dem Autofahrer, der so ein Gerät nutzt, auch beispielsweise gesperrte Abfahrten nicht entgehen. Die Bezeichnung des Services erinnert wohl nicht von ungefähr an die Kennung für hochauflösende Fernsehbildschirme: Man wirbt mit einer hohen Genauigkeit in Sachen Problemangabe im Straßenverkehr, Verzögerungen und Alternativstrecken.

Alle zwei Minuten schaut so ein Gerät also nun auch für polnische Strecken nach, wo es hakt. Und zeigt dies dem hoffentlich damit weniger staugestressten Autofahrer an. Wer schon einmal Stunden auf einer unfallbedingt gesperrten Landstraße in Polen verbracht hat – wie der Autor dieses Artikels – erahnt den Alltagsvorteil der Technik schon.

Auch im Markt: Google

Auch der mit einer Internetsuchmaschine und Werbung darin groß gewordene Anbieter Google offeriert seit kurzem diese Echtzeit-Verkehrsinformationen – auch für Polen – in seinem Produkt ‚Google Maps‘. Dieses Produkt lässt sich auch mobil verwenden, und zwar nicht nur mit den Google-eigenen Handys mit dem ‚Android‘-Betriebssystem. Voraussetzung ist natürlich der Datenempfang auch im Ausland – also speziell in Polen. Die Kosten dafür sind beim etwas höherpreisigen Tomtom-Angebot (dort sind auch weitere so genannte ‚Live-Dienste‘ enthalten) in den Abonnementpreis eingerechnet. Bei ‚Google Maps‘ benötigt der Nutzer einen entsprechenden Mobilfunktarif mit bezahlbarem Datentransfer auch in Polen – sonst kann es teuer werden.

Die Kartendarstellung ist ähnlich, wohin man auch schaut: Kritische Stellen sind farblich markiert, ein Ampelsystem bildet meist die Grundlage.

‚Schwarmauslagerung‘ für aktuelle Daten

Die Dienste der Anbieter machen sich das so genannte ‚Crowdsourcing‘ (Schwarmauslagerung) zu nutze, um aktuelle Daten zu sammeln. Das funktioniert vereinfacht dargestellt so, dass jedes unterwegs eingeschaltete Gerät des Anbieters anonymisiert, so verspricht es jeder Anbieter  mit Blick auf Privatsphäre-Diskussionen, Bewegungsprofile zurückmeldet. Daraus, in Kombination mit anderen Daten, kann errechnet werden, wo es im Straßenverkehr gerade gut läuft – und wo weniger gut.

Kritisiert wurde solch ein Dienst schon einmal, als hiermit gemeldete Geschwindigkeitsverstöße (wenn auch anonymisiert) an die Polizei weitergegeben wurden, die daraufhin an typischen ‚Raserschwerpunkten‘ mit Radaranlagen auf Kontrollgang ging.

Wie dem auch sei: Auch der Nutzen für den Autofahrer ist erkennbar, weil er auch vom Im-Stau-stehen anderer durch die umgehende Informationsweitergabe profitieren kann. Dazu kommt ein sicherlich möglicher Aspekt der Einsparung von Benzin oder Diesel, zumindest legen einige Studien dies nahe. Und: Selbst, wenn damit nur erreicht wird, dass die Autofahrer weniger gestresst sind, wäre schon einiges erreicht.

Fazit: Wer also ein paar Euro zusätzlich investiert – entweder in den entsprechenden Dienst des Navigationssystem-Anbieters, oder in einen Datentarif für das Mobiltelefon im Ausland -, hat damit schon einen echten Vorteil beim Autofahren in Polen. Ohne geht es auch, dann aber mit mehr Staurisiko; es sei denn, man spielt selbst ‚ARI‘ und versteht die polnischen Verkehrsmeldungen im Radio.

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