Tanzende Schatten über Grenzen hinweg

 

Maria Louise Kaempffe (1892 - 1963) Originalscherenschnitt „Jesus bei Maria und Martha“  aus dem Zyklus „Die Heilandsgeschichte“, 1922

Maria Louise Kaempffe (1892 - 1963) Originalscherenschnitt „Jesus bei Maria und Martha“ aus dem Zyklus „Die Heilandsgeschichte“, 1922

(Köln, MST) Die Gerisch-Stifung zeigt seit dem ersten Advent und noch bis zum 12. Februar 2012 in Neumünster eindrucksvolle Motive von tanzenden, schwarzen Schatten auf Buchseiten und Postkarten. Die Ausstellung unter dem Titel ‚Maria Louise Kaempffe – eine schlesische Scherenschnittkünstlerin‘ setzt die insgesamt 100 Motive ins rechte Licht und hebt zugleich die Stellung der Schlesierin als verbindendes Glied zwischen Deutschland und Polen heraus. Gezeigt werden Szenen aus Märchen, Porträts und die Umsetzung von Tänzen.

Zeichenlehrerexamen in Breslau

Maria Louise Kaempffe wurde 1892 auf dem Gut Mückendorf bei Strehlen in Schlesien geboren. Ihre Begabung für das Zeichnen und Malen wurde früh entdeckt und entsprechend von ihrer Familie gefördert. Nach bestandenem Zeichenlehrerexamen 1912 an der renommierten Breslauer Kunstakademie verließ sie ihre Heimat, zunächst für Studienaufenthalte in München, Kassel und Wien bis Maria Louise Kaempffe 1924 den mutigen Schritt wagte und alleine nach China reiste.

Inspiration im Fernen Osten

Im Fernen Osten verbrachte die Schlesierin fast drei Jahre und besuchte Japan, Korea, die Philippinen und Ceylon. Maria Louise Kaempffe profitierte von den zahlreichen neuen Einflüssen konnte zugleich aber auch ihre eigenen Arbeiten in der Heimat des Scherenschnitts ausstellen. In der Zeit ihrer Abwesenheit publiziert 1925 der Verlag Ferdinand Hirth in Wrocław (Breslau) die bekannten Märchen ‚Rübezahl‘ und ‚Taugenichts‘ mit von ihr gefertigten Illustrationen.

Ein Neuanfang in Deutschland

Maria Louise Kaempffe (1892 - 1963) Originalscherenschnitt „Märchenerzählerin“ 1931

Maria Louise Kaempffe (1892 - 1963) Originalscherenschnitt „Märchenerzählerin“ 1931

Nach der Rückkehr Maria Louise Kaempffes unternahm sie zuletzt noch eine längere Reise 1927 nach Skandinavien, bevor das Zeitgeschehen sie einholte. Bald sah sich die Schlesierin gezwungen eine Stelle als Zeichenlehrerin in Waldenburg (Schlesien) anzunehmen, da die Weltwirtschaftskrise ihr Vermögen getilgt hatte. Fast zwanzig Jahre verbrachte sie an diesem Ort bis sie 1946 im Zuge der Vertreibung der Deutschen aus dem nun polnischen Gebiet fliehen musste. Ein Neuanfang gelang ihr 1957 dann als Studienrätin am Mädchengymnasiums in Castrop-Rauxel (Ruhrgebiet). Ihren Lebensabend verbrachte sie in Alsbach an der Bergstraße, wo sie 1963 nach schwerer Krankheit verstarb.

Tanzende Schatten zwischen Polen und Deutschland

Wie die stets reisende Künstlerin selbst, sind auch ihre Werke noch immer in Bewegung. Während im Laufe ihres Lebens zahlreiche Ausstellungen unter anderem in Wrocław (Breslau), Bielefeld, Paderborn, Legnica (Liegnitz), Wahlstadt, Berlin und Stralsund gezeigt wurden, sind auch heute die Scherenschnitte der Schlesierin in diesem Raum auf Wanderschaft. Einzig liegt der Unterschied darin, dass die institutionalisierten Grenzen inzwischen anders liegen als noch vor über hundert Jahren. Im 21. Jahrhundert wechselte die Leihgabe des “Museums Europäischer Kulturen – Staatliche Museen zu Berlin, Preußischer Kulturbesitz” bereits einige Male die Seiten zwischen Deutschland und Polen, obwohl die Werke Maria Louise Kaempffe stets im selben Landstrich geblieben sind.

Quellen: Die Biographie der Künstlerin findet man hier. Und hier die offizielle Seite der Gerisch-Stiftung. Bisherige Ausstellungsorte auf beiden Seiten.

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