Teure Kleinlaster- und Wohnmobilfahrten in Polen

Straße in Polen. Foto: Polen.pl (BD)

Mautpflicht auf polnischen Autobahnen sorgt für Verstimmung bei Reisenden

(Berlin, JW) Hinter sich hört man eine Sirene, der Blick in den Rückspiegel des Kleintransporters zeigt Blaulicht. Das Signal zum ‚rechts heranfahren‘ ist unmissverständlich. Und dann wird es teuer: Bis zu 800 Euro werden fällig, wenn man vergessen hat, sich auf die Mautpflicht auf vielen polnischen Autobahnen und autobahnähnlichen Straßen vorzubereiten. Immer mehr Menschen haben uns angeschrieben und entsetzt schon ‚Abzocke‘ vermutet.

Doch es hat seine Richtigkeit: Wer mit einem Wohnmobil, einem Kleintransporter ab 3,5 Tonnen zulässigem Gesamtgewicht oder einem Bus in Polen unterwegs sein möchte, sollte vorher genau schauen, ob er nicht mautpflichtige Strecken benutzen wird.

Drum prüfe, wer ein größeres Gefährt benutzt

Wir berichteten bereits mehrfach über die Maut, die seit Juli mit einem elektronischen System abgerechnet wird. (etwa im Maut-Special am 28. April und zu Erfahrungen mit dem System). Dieses System hat ein österreichischer Anbieter in Polen installiert, und es hat in der Praxis seine Bewährungsprobe offenbar bestanden.

Daher sollte man sich das Zitat, das ganz prominent auf der Internetseite des Mautanbieters Viatoll prangt, zu Herzen nehmen:

‚Ab dem 1. Juli 2011 wird jeder Fahrer eines Fahrzeuges mit über 3,5 Tonnen zulässigem Gesamtgewicht oder eines Busses mit mehr als 9 Sitzen verpflichtet sein, auf dem benannten gebührenpflichtigen Straßennetz das viaTOLL System zu nutzen.‘

Nun sollte aus dem ‚Ab‘ ein ‚Seit‘ werden, aber auf jeden Fall ist es damit Pflicht, sich als Fahrer eines Fahrzeugs über dreieinhalb Tonnen möglichen Gesamtgewichts oder eines Busses um die ‚Viabox‘ zu kümmern. Denn: Wer ohne eine solche Box auf mautpflichtigen Straßen unterwegs ist, fährt ohne Abrechnung. Und das ist strafbar, weil die Gebühren damit umgangen werden. Wie hoch die Gebühren genau sind, errechnet die ‚Viabox‘ automatisch auf Basis der Strecke, der Fahrzeugklasse und der Emissionsklasse. Die Tarife sind im Internet abrufbar, die ‚Viabox‘ ist kostenlos. Allerdings ist eine Kaution zu hinterlegen, und die Box ist fahrzeuggebunden. Die Kaution gibt es natürlich bei der Rückgabe zurück; die Rückgabe kann – wie auch die Abholung – an einer der zahlreichen Vertriebs- oder Servicestellen erfolgen. Das ist vergleichbar dem System bei den ‚Toll Collect‘-Vertriebsstellen in Deutschland.

Eigentlich ist das Verfahren also recht gut handhabbar, zumal eine Registrierung für die Box sogar schon online möglich ist. Die Bezahlung kann auf vielen verschiedenen Wegen erfolgen, vorher, nachher, per Kreditkarte oder auch per vorheriger Aufladung. Selbst Barzahlungen sind möglich. Um im Vorfeld Überblick über die Kosten zu erhalten, gibt es online einen Gebührenrechner des Anbieters. 

Strafen drastisch

Da auch Strecken direkt hinter der Grenze, etwa ab Görlitz/Zgorzelec (hier bis zum Verkehrsknoten Bielany Wrocławskie), von der Mautpflicht betroffen sind, sind offenbar schon einige Kleinlastwagenfahrer oder Buslenker unvorbereitet ohne ‚Viabox‘ erwischt worden. Da in solchen Fällen häufig noch Verständigungsprobleme aufgrund der Sprachbarriere hinzukommen, empfinden viele die dann geforderte Summe von 3.000 Zloty als ‚Abzocke‘.

Doch: Diese Strafhöhe ist auch im Vergleich zu anderen Mautsystemen nicht so ungewöhnlich. Auch in Österreich können durchaus erhebliche Strafsummen zusammenkommen. Und: Das ‚Gestopptwerden‘ ist ebenfalls berechtigt. Bei ausländischen Fahrzeugen darf sogar, wenn die Strafe nicht bezahlt wird, das Fahrzeug beschlagnahmt werden. Zumindest so lange, bis die Strafe bezahlt wird. Dass solche drastischen Maßnahmen unvorbereitete Fahrzeuglenker überraschend hart vorkommen, ist sicher kein Wunder.

Wer also auf einer mautpflichtigen Straße ohne ‚Viabox‘ erwischt wird, muss damit rechnen, die Strafe in Höhe von bis zu 3.000 Zloty (umgerechnet rund 750 Euro) umgehend zahlen zu müssen. Weiterhin ist die Verkehrsinspektion verpflichtet, einen Prüfbericht zu erstellen. Dieser wird auf Polnisch verfasst, und muss unterzeichnet werden. Darüber hinaus wird von der Inspektion auch geprüft, ob ein Verfahren für eine verwaltungsrechtliche Sanktion erforderlich ist.

In der Praxis sieht das oft so aus, dass angehaltene Fahrer ob der Nichtverständlichkeit des Prüfberichts unsicher sind, ob sie diesen unterzeichnen können. Hinzu kommt die sofortige Zahlbarkeit der Strafe. Dies führt natürlich zum unangenehmen Gefühl, den Kontrolleuren ausgeliefert zu sein – oder vielleicht sogar Betrügern aufzusitzen.

Um dem zu entgehen, ist die beste Lösung: Vorher auf der auch deutschsprachigen Viatoll-Internetseite informieren und die Box – sofern erforderlich – installieren. Oder: Keine mautpflichtigen Strecken nutzen.

Mautpflichtige Strecken: http://www.viatoll.pl/de/lkv/karte

Rechner für die Gebühren: Gebührenrechner

Anmeldung und weitere Informationen, auch auf Deutsch: www.viatoll.pl/de

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  1. Kalle Fiege
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