Tipps zur EM: Kostenfallen beim Bezahlen in Polen

Geldautomat in Polen. Foto: Polen.pl (AS)

Teurer Service: Auszahlung in Euro (DCC)

(Tantow, ASC) Nicht ganz so einfach ist es, sich rund um eventuelle Kostenfallen beim Umgang mit gängigen Zahlungsmitteln im Ausland zu bewegen. Das ist in Polen, nicht anders, wie wir schon im März zum Thema ‚Kreditkarten in Polen‚ feststellen mussten. Da in den kommenden Wochen viele Menschen erstmals nach Polen reisen werden, und sich einige neue Aspekte in Bezug auf die Kreditkarten- und Girocard/Maestro-Nutzung in Polen ergeben haben, informieren wir in diesem Beitrag rund um das Thema. Wie Sie manche Kostenfalle umschiffen, den besten Kurs finden und dabei möglichst nicht in Stress kommen, das lesen Sie hier. Sprich: So sparen Sie bares Geld!

Abheben am Geldautomaten: Lieber zwei Mal ‚Nein‘ klicken

Geradezu hartnäckig versuchen viele Geldautomaten in Polen, dem Geldabhebenden die Funktion ‚Auszahlung mit garantierter Umrechnung‘ aufzudrücken: An manchen Automaten muss man zwei Mal bestätigen, dass man die auch als DCC (Dynamic Currency Conversion) bekannte Funktion nicht nutzen möchte. Das aber sollte man öfter tun: Nutzt man die DCC-Funktion, erhält man noch vor der Auszahlung angezeigt, wieviel man in Euro abhebt. Im anderen Fall sieht man nur die abzuhebende Zloty-Summe. Das ist eigentlich eine gute Angelegenheit. Der Haken an der Sache: In der Regel ist der Kurs mit Euro-Umrechnung der erheblich ungünstigere. Bei Stichproben haben wir oftmals einen um über zehn Prozent schlechteren Kurs erlebt. Das ist bares Geld, das man hier ‚am Geldautomaten lässt‘, wenn man den Service der Umrechnung nutzt. Mal ehrlich: Die Umrechnung im Kopf oder im Taschenrechner selbst durchzuführen, ist ja auch kein Hexenwerk.

Bei der Deutschen Bank haben wir einmal angefragt, warum man die DCC-Funktion den Geldautomaten-Nutzern wie saures Bier andienen möchte. Die Antwort von Christian Hotz, Pressesprecher bei der Deutschen Bank: „Seit April 2011 werden die ehemaligen Geldautomaten der Deutsche Bank PBC S.A. in Polen durch die Firma Euronet betrieben“. Soll heißen: Die Deutsche Bank hat keinen Einfluss darauf, was auf den Displays und im Hintergrund der Automaten geschieht. Das kann man als schlechtes Verhandlungsergebnis zwischen der Deutschen Bank und dem Betreiber Euronet sehen. Euronet ist eine mächtige Geldautomaten-Instanz in Polen: Gemäß der App ‚Bankomaty‘ ist Euronet mit rund 2.349 Automaten in Polen einer der drei großen Betreiber. Zwar, so betont die Deutsche Bank, sei die Nutzung der Automaten auch nach dem Übergang an Euronet durch Deutsche Bank-Kunden kostenfrei; offenbar ist es der Bank aber gleichgültig, ob die Kunden beim Umrechnungskurs übervorteilt werden. Daran verdient das amerikanische Unternehmen Euronet mit Sitz in Kansas, das eine Vertretung in Deutschland in der teuren Berliner Friedrichstraße unterhält.

Unbedingt Kurs prüfen

Selbst die Deutsche Bank ist sich nicht ganz sicher, ob man die DCC-Funktion ‚Auszahlung in Euro‘ empfehlen sollte – zumindest kann man die Antwort des Geldhauses so interpretieren. Christian Hotz von der Deutschen Bank jedenfalls schrieb uns: „Um zukünftig eventuell ungünstige Umrechnungskurse zu vermeiden, raten wir den angezeigten Kurs zu prüfen und, falls dieser nicht zusagt, die ursprüngliche Verfügungsvariante zu wählen.“ Oder übersetzt: Am Geldautomaten nicht blind auf ‚Euro‘ klicken, sondern lieber vorher überlegen, wieviel Zloty man bei aktuellem Kurs benötigt – und die Zloty-Menge eintippen. Zack: Über zehn Prozent gespart – oft zumindest.

Auch in Geschäften und an Tankstellen

Das Geldumtausch-Verteuerungssystem DCC funktioniert aber nicht nur an Geldautomaten: Auch an Tankstellen wurden wir – insbesondere im grenznahen Bereich – schon öfter gefragt, ob wir nicht in Euro per Maestro-Karte oder Girocard (früher EC-Karte) zahlen wollte. Natürlich: In der Tankstellenwarteschlange vor der Kasse wird niemand nach den Kursunterschieden fragen. Naheliegend auch hier: Der Umrechnungskursnachteil geht zu Lasten des Tankenden und in die Kasse der Betreiber. Wenn Sie also gefragt werden, ob Sie in Euro zahlen möchten, lehnen Sie am besten dankend ab. Oder noch besser: Fragen Sie nach den jeweiligen Kursen und entscheiden Sie dann.

Erstattung möglich

Dass ‚Vertrauen der Anfang von allem‘ sei, wird nicht nur in der Werbung des öfteren wiederholt. Wohl auch ein Grund, dass sich einzelne Betreiber von Geldautomaten darin versuchen, für Vertrauen in DCC zu werben. Allen voran gehen Anbieter wie eService, die garantieren möchten, dass der DCC-Kurs gut sei. Und deshalb bieten sie an, im Falle eines schlechteren Kurses die Differenz – teilweise sogar doppelt – zu erstatten. (siehe: www.eservice.com.pl) Eine schöne Idee, aber leider auch mit einem Haken: Zum einen muss man dazu den Beleg des Geldabhebens mit Kurs aufbewahren, was über die Quittungsfunktion noch recht einfach geht. Außerdem muss man nachweisen, dass man mit der gleichen Karte am gleichen Tag anders einen besseren Kurs an einem Automaten erhalten hätte. Das wird schon schwieriger – wie genau soll man das anstellen? Selbst mit Zeugen, Foto vom Geldautomaten-Bildschirm oder einer zweiten Quittung  eines anderen Automaten ist man noch nicht am Ziel: Man muss noch ein Formular ausfüllen und einsenden. Die Hürden für – in der Regel ein paar Euro – sind schon hoch, wenn man dann noch erforderliche Zeit, Portogebühren und so weiter hinzurechnet.

Auf die Bequemlichkeit der Nutzer der Karten setzt ebenfalls das amerikanische Unternehmen First Data aus Georgia, dem unter anderem Polcard und auch die deutsche TeleCash gehören, möglicherweise, wenn sie vor der EM noch einen Werbefeldzug bei polnischen Unternehmen für den Einsatz von DCC starteten. (siehe www.polcard.pl). Soweit ist das nicht verwerflich, nur sollte man darüber wissen.

Wechselstuben (Kantoren) auch mit schwarzen Schafen

Auch unter den allgegenwärtigen Wechselstuben (‚Kantor‘) gibt es schwarze Schafe: Besonders Kantoren auf Bahnhöfen bieten oft sehr schlechte Wechselkurse. Nicht immer zwar sind diese schlechter als anderswo, aber besonders oft im grenznahen Raum. In jedem Fall sollte man die angeschlagenen Wechselkurse und eventuelle Gebühren vorher prüfen; vorher die zu erwartende Summe im Taschenrechner ausrechnen und bei gröberen Abweichungen nachfragen.

Auch in Cafés und Geschäften erhält man oft schlechte Wechselkurse, was aber weniger überraschend ist: Die Betreiber müssen sich dann selbst um den Umtausch auch von Münzen und kleinen Scheinen kümmern, was durchaus hohen Aufwand bedeutet. Deswegen: Möglichst vor dem Café-Besuch mit Zloty eindecken, das spart Geld. Und wenn man dann lieber ein übliches zehnprozentiges Trinkgeld gibt, haben alle am Ende etwas davon.

In Deutschland Euro in Zloty zu wechseln, ist oftmals ebenfalls keine gute Idee: Viele Banken haben gar keine Zlotys vorrätig oder nehmen beim Umtausch recht hohe Gebühren. Unsere Empfehlung ist: Bei der Reise nach Polen am besten Euro zum Wechseln bei einem Kantor mit fairen Kursen mitnehmen, beim Einsatz der Maestro/Girocard-Karte auf die Auszahlung in Zloty (zum in der Regel günstigeren Kurs) achten und wenn man Kreditkarten mitnimmt, am besten zwei Varianten: Wer beispielsweise nur eine American Express sein eigen nennt, wird ebenso in manchen Geschäften vor verschlossenen Kartenterminals stehen wie Besitzer einer ‚V-Pay- Card‘ (ähnlich der EC-Karte), welche in Deutschland unter anderem die Postbank oder die Targobank ausgeben. Denn: Noch nicht alle Kartenlesegeräte können auf die dort eingesetzte Chiptechnologie zugreifen (Interessanter Bericht bei der ARD unter www.tagesschau.de oder beim Abendblatt www.abendblatt.de).

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  1. WiliKowalski
  2. Jens
  3. Lutz
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