Tourismustrends Polen

Das Badehaus im Warschauer Lazienki-Park. Foto: Polen.pl (JW)

Städtetrip statt Heimattourismus: Ein Trend?

(Berlin, JW) 6,3 Prozent Übernachtungsplus im ersten Quartal 2011 – und die Urlauber aus Deutschland sind nach wie vor auf Platz eins. Das ist eine positive Entwicklung für den Tourismus in Polen, wenn auch möglicherweise – wir kennen die Zahlen noch nicht – der ungemütliche Sommer der Sommer-Feriensaison die Bilanz verhagelt haben könnte. Wie die Allgemeine Hotel- und Gastronomiezeitung berichtet, geht das Polnische Fremdenverkehrsamt davon aus, dass der Fokus der Reisenden nach Polen auf der Erholung liegt. Städte- und Kulturreisen konnten demnach zwar ein wenig zulegen, seien aber doch noch eher ein kleiner Teil des Gesamtreisevolumens.

Gründe gefunden 

Als Ursache für die Tatsache, dass die Deutschen mit rund 35 Prozent die wichtigste Urlaubernation in Polen sind, wird nicht nur das generell hohe Reiseaufkommen aus Deutschland gesehen. Auch die Motivation, auf den Spuren der eigenen Familie zu reisen, die Städtepartnerschaften und das Preis-Leistungsverhältnis werden als Ursachen angeführt. Als touristisches Ziel, so wird dargelegt, sei Polen von Deutschen aber nach wie vor noch zu entdecken. Dass so viele Deutsche nach Polen reisen, wie aus allen anderen EU-Ländern zusammen, klingt zunächst nicht überraschend. Dass aber, so wird Klaus Klöppel zitiert, der Sprecher des Polnischen Fremdenverkehrsamtes, nach einer aktuellen Studie das sechstwichtigste Auslands-Reiseziel sei, überrascht dann doch. Damit wären Frankreich und Polen gleichermaßen beliebt bei deutschen Touristen.

Nicht alle genannten Gründe scheinen auf den ersten Blick einleuchtend. So wird der Wandel der Reisenden beschrieben: Früher seien eher Heimatreisende ältere Menschen nach Polen gefahren, während nun eher Aktivurlaub- und Erholungsaspekte etwa im Rahmen von Kanu-, Fahrrad- oder Segeltouren in der Altersgruppe 50 plus im Vordergrund stünden. Beliebt seien bei dieser Reisegruppe besonders die Wellness- und Schlosshotels, die sich in Ermland-Masuren und an der Ostseeküste befinden. Junge Leute würden aufgrund der Studenten- und Nightlife-Angebote Warszawa (Warschau) oder Wroclaw (Breslau) vorziehen. Während Letzteres aufgrund der offenbar nach wie vor Polen zugeordneten ‚Exotik‘ nach unseren Beobachtungen eher für einen kleinen Teil der Jugendlichen zutrifft, die ohnehin eine Affinität zu Osteuropa mitbringen, dürfte der Motivationswandel in der älteren Generation Polenreisender durchaus auch an Zahlen ablesbar sein.

Als Differenzierung zu anderen Reiseländern wird der Unterschied in Hotellerie und Gastronomie genannt: In Polen gäbe es nach wie vor sehr wenige Hotelketten und Restaurantfilialisten, sondern die Mehrzahl der Hotels, Restaurants und Bars sei – im Gegensatz zu westlich geprägten Ländern – in privater Inhaberschaft. Fraglich bleibt, ob sich Polen hier ‚anpasst‘, wie in vielen Bereichen geschehen und tendenziell durch Neubauten von Hotels großer internationaler Ketten erkennbar, oder ob dieser Sachverhalt gerade im Zusammenhang mit der vielzitierten ‚polnischen Gastfreundschaft‘ als Unterscheidungsmerkmal gezielt weiterentwickelt wird. Weiterhin läge der Schwerpunkt auch bei aktuellen Hotelbauvorhaben auf preisgünstigen Unterkünften; nur vergleichsweise wenige Luxus-Hotels werden errichtet. Dies prägt natürlich auch zukünftig das Image eines preisorientierten Urlaubslandes.

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