Traumjob in Kraków (Krakau)?

Die Adalbertkirche am Krakauer Marktplatz. Foto: Polen.pl (BD)

Die Adalbertkirche am Krakauer Marktplatz. Foto: Polen.pl (BD)

(Warszawa, BD) Bisher war es immer Wrocław (Breslau), die Hauptstadt Niederschlesiens, die mit neuen Investoren ‚angeben‘ konnte. ‚Centre of Innovation‘ von Google oder ‚IBM Delivery Centre Poland‘, beide in Wrocław (Breslau), machten andere polnische Städte auf den Erfolg der Breslauer neidisch. Das Wettrennen um investierende Unternehmen ist nun in eine neue Runde gegangen, und diesmal scheint es fast so, als habe Wrocław das Nachsehen gegenüber Krakow (Krakau). Zumindest gibt es erste Anzeichen.

Kraków (Krakau) will mitziehen

Die Hauptstadt von Kleinpolen (Polnisch: Małopolska) möchte es nun auch nach ganz oben auf die Investoren-Ranglisten schaffen. Kraków (Krakau) ist zwar seit langem Kulturzentrum und Touristenmagnet ohnegleichen; bekannt unter anderem für seine wunderschöne Altstadt , die Königsburg Wawel und das jüdische Stadtviertel Kazimierz . Doch neben hübschem Schein sollen nun auch harte Währung nach in den Südosten kommen: Kraków nahm nun den Kampf um die grossen Investoren-Namen auf.

Top-Hochschulen vor Ort

Nicht jeder weiß, dass auch die Krakauer Hochschulen hochqualifizierte Absolventen auf den Arbeitsmarkt bringen. Davon sogar 50.000 pro Jahr.  Dies machen sich immer mehr ausländische Firmen zunutze und bauen vor Ort ihre ‚Bearbeitungszenten‘. Anziehend auf die Branchenriesen wirkt auch das Lohnniveau, weit unter dem aus Warschau liegend. Zusammenfassend: Investoren treffen in Krakau auf gut ausgebildete Menschen auf einem eher arbeitgeberfreundlichen Arbeitsmarkt mit geringen Lohnkosten.

Anfangsgehalt von unter 800 Euro keine Seltenheit

Die jungen Mitarbeiter starten oft mit einem Gehalt von unter  800 Euro brutto. Die lokale Zeitung Gazeta Krakowska berichtete im Dezember 2011, dass immer mehr bekannte Namen, darunter die Unternehmensberatung Capgemini (seit 2004) oder die Wirtschaftsberatung Capita (seit 2011) bereits in Krakaut ätig sind. Auch die Schweizer Bank UBS oder der britisch-niederländische Riese aus der Ölverarbeitungsindustrie siedelten in Krakau  ihre ‚Business Service Center‘ an.

Die Mittwoch-Ausgabe der wyborcza.biz publizierte ein Interview mit Martin Haering, dem Vize Chef von Akamai EMEA. Neben Ingenieuren und Spezialisten für Finanzprozesse will Akamai jetzt auch Juristen anstellen, die sich im europäischen Recht gut bewegen können, sagt M. Haering. Auch für polnische Spezialisten aus dem Ausland, die an eine Rückkehr denken, will Akamai eine attraktive Alternative darstellen. Eine positive Rolle bei der Wahl des Ortes für ein Business Center spielen neben dem Arbeitsmarkt auch die Infrastruktur und die Verkehrsanbindung. Krakau kann hier mit einer guten Fluganbindung werben – und es bietet den Mitarbeitern eine hohe Lebensqualität. Die politische Stabilität der lokalen Behörden und Verständnis für Sonderwünsche der Investoren werden von Investoren im oder nach dem Entscheidungsprozess für einen Standort ebenfalls gelobt.

Ein Traumjob?

Natürlich ist der Job für viele junge Jobstarter noch kein Traumjob. Die ersten Erfahrungen in einer internationalen Firma werden von der meisten aber hochgeschätzt. Ein interner Aufstieg ist ebenfalls möglich. Bekannte Firmennamen ’sehen auch gut aus im Lebenslauf‘, besonders falls ein eventueller Jobwechsel später ansteht. Aus diesem Blickwinkel ist der aktuell in Krakau vor sich gehende Transformationsprozess hin zu einem Business-Standort attraktiv für beide Seiten. Da Investoren auch Investoren anziehen, kommt es zu einer sich selbst verstärkenden Wirkung. Unternehmen aus Deutschland, die sich für den Standort interessieren, finden auch bereits auf den Markteintritt spezialisierte Beratungsunternehmen. Auch die Organisation von Markterkundungsreisen oder Event-Reisen sind bereits zu haben (wir berichteten). Das Fazit könnte lauten: Polens östlicher Teil ist im Kommen?

 

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