Unterhaltungsbranche Politik

Werbeschild der Supermarktkette Biedronka. Foto: Polen.pl (JW)

Kaczynski mag Biedronka nicht. Tusk schon. Foto: Polen.pl (JW)

(Bremen, JE) Ist das nun Wahlkampf oder ganz normaler politischer Alltag? Der Schlagabtausch zwischen Premier Donald Tusk (PO) und Oppositionsführer Jarosław Kaczyński (PiS) geht ein gutes halbes Jahr vor den Parlamentswahlen in Polen in die nächste Runde. Die Kandidaten greifen dabei schon jetzt tief in die Trickkiste. Höchste Zeit für eine kurze Zusammenfassung der letzten Wochen.

Zunächst war es Tusk, der nach wochenlanger Schelte für seine Zurückhaltung in der Causa ‚russischer Untersuchungsbericht zum Absturz von Smolensk‘ in die publizistische Offensive ging. Im ersten Teil seiner öffentlichen Stellungnahme in der Gazeta Wyborcza antwortete Tusk auf die Kritik an seiner Person, der Regierung und ausgebliebenen Reformen, um schließlich im zweiten Abschnitt seinen „Plan für Polen“ vorzustellen. Kaczyński hatte für das „Werk“ Tusks nur Spott und Häme übrig, verlieh dem Premier kurzerhand die Goldene Himbeere für miserables Schauspielern. Offenbar inspiriert von so viel Hollywood startete der PiS-Vorsitzende eine wohl inszenierte Shoppingtour und kaufte im Tante-Emma-Laden um die Ecke Produkte für 55,60 Złoty. Seiner journalistischen Begleitung wollte er so demonstrieren, wie sehr die Preise seit Tusk’s Amtsantritt gestiegen sind. Auf deren Einwand, in einem der größeren Supermärkte könne man die selben Produkte für etwa 20 Złoty weniger kaufen, ließ Kaczyński verlauten, Biedronka sei schließlich nur „für die Ärmsten“. Das wiederum rief Premier Tusk auf den Plan. Ohne zu zögern verkündete er, dass seine Familie auch bei Biedronka einkaufe und bewies damit Bodenständigkeit. Ganz nebenbei wurde er so zum Werbeträger eines Konzerns, der in letzter Zeit vor allem durch schlechte Behandlung seiner Angestellten auffiel.

Was war noch? Ach ja, Kaczyński warf den nach mehr Autonomie strebenden Schlesiern vor, verkappte Deutsche zu sein und wurde daraufhin von Tusk als der wahre Spalter Polens ausgemacht. Einkaufstüten im Blitzlichtgewitter und Politik als Unterhaltung – eines ist sicher: Fortsetzung folgt auf jeden Fall.

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