Veranstaltungen und Publikationen zur polnischen EU-Ratspräsidentschaft

Jahrhunderthalle in Wroclaw (Breslau). Foto: Polen.pl (JW)

Veranstaltungen auch in der Breslauer Jahrhunderthalle

(Berlin, JW) Während es das zwanzigjährige Jubiläum des deutsch-polnischen Nachbarschaftsvertrags nur kurzzeitig in die deutsch- und polnischsprachigen Gazetten geschafft hat und eher dem Fachpublikum detailliert serviert wurde, informiert besonders die deutsche Medienlandschaft sehr viel ausgiebiger über den Übergang der europäischen Ratspräsidentschaft an Polen (Beitrag von gestern). Der Tenor schallt einseitig aus Fernsehen, Radio, Internet und Zeitungen: Die Sorge, dass der wichtige Euro-Job – wenn auch nur vorübergehend – an die Polen geht, sei ziemlich unbegründet. Polen sei eher ein gar nicht mal ungeeigneter Kandidat für diese europäische Spitzenposition, vor allem aufgrund der erstaunlich positiven Wirtschafts- und Gesellschaftsentwicklung im Lande.

Wenig tiefe Auseinandersetzung

So jedenfalls erinnert die Medienberichterstattung daran, dass offenbar auch viele Journalisten Polen im Alltag abseits von Kaczynski-Debatten und Autodiebstahls-Berichten gern ‚links liegenlassen‘ und nun, bei näherer Betrachtung verwundert sind, dass es dort doch schon ‚Licht und fließendes Wasser‘ gibt. Klischees von Rückständigkeit, Traditionalismus und gesellschaftlichen Vorurteilen prägen viele der erschienen Artikel zur Übernahme der Ratspräsidentschaft in Europa. Oder man regt sich über Geschmacksfragen auf, zum Beispiel zum Imagefilm zur EU-Ratspräsidentschaft: Ob man den nun gut findet, oder nicht so gut (wie etwa die Online-Ausgabe des ‚Focus‘), ist definitiv Ansichtssache (wir finden ihn übrigens nett gemacht, wenn auch keinen Riesenwurf). Man kann sagen, es ist gut, dass der Film polarisiert – leider lenkt das aus unserer Sicht von anderen Dingen ab.

Was schade ist: Denn viel interessanter als die Auseinandersetzung mit der Frage, ob Polen nun ‚erwachsen genug‘ für die Ratspräsidentschaft ist – was zweifellos bejaht werden kann – ist die Frage nach den konkreten Inhalten. Und die Frage, was in der polnischen Gesellschaft kulturell zurzeit en vogue ist.

Um so spannender sind nun verschiedene Veranstaltungen und Veröffentlichungen, die anlässlich dieses Themas ins Leben gerufen werden. Eine kleine Auswahl derer haben wir hier zusammengestellt. Wer sich also tiefer mit einem Thema der Schwerpunkte der polnischen Ratspräsidentschaft auseinandersetzen möchte oder Interesse an der polnischen Kultur hat, sollte weiterlesen.

Schwerpunktthema in einer deutsch-polnischen Zeitschrift

Die Universität Potsdam gibt die deutsch-polnische Zeitschrift ‚WeltTrends‘ heraus. Deren aktuelles Hauptthema ist die Übernahme der EU-Ratspräsidentschaft durch Polen. Die Prioritäten der Ratspräsidentschaft werden dort betrachtet, die Chancen der Ostpartnerschaft und mögliche Szenerien der polnischen Handschrift in der EU.

Das Inhaltsverzeichnis der Zeitschrift ist unter http://www.welttrends.de/wp-content/uploads/2011/05/wt78_editorial-und-ihv.pdf abrufbar. Das Abonnement der Zeitschrift gibt es zum Beispiel bei Amazon unter Welttrends.

Sommerschule: Energetische Sicherheit als Thema der EU-Ratspräsidentschaft

Ein komplexes Thema, daher liegt eine etwas sperrige Überschrift des zweiteiligen Seminars nicht fern: ‚EU Ratspräsidentschaft. Energetische Sicherheit als Herausforderung für die europäische Wirtschaft‘ heißt eine Veranstaltung, die den Namen ‚Sommerschule‘ trotz September-Termin trägt. Nun, Sommer ist dann natürlich noch, viel wichtiger sind die Themen und die Standorte: Vom 15. bis 17. September findet der erste Teil in Opole (Oppeln) in Polen statt, vom 18. bis zum 20. September sind die Teilnehmer dann im französischen Strasbourg (Straßburg)untergebracht.

Der Veranstalter, die ‚Stiftung für die Entwicklung Schlesiens und Förderung Lokaler Initiativen in Oppeln‘ betonen, dass die Sommerschule eine ausgewogene Mischung aus Workshops und Vorträgen beinhaltet. Die Zielgruppe sind Studierende und Absolventen aus ganz Europa, die zwischen 19 und 30 Jahre alt sein sollten. Die Seminarsprachen sind Englisch und Deutsch. Hochschuldozenten übernehmen die Leitung und inhaltliche Durchführung der Vorträge. Eine Facebook-Gruppe zum Seminar gibt es schon heute unter http://www.facebook.com/pages/International-Summer-School/189353834434810

Wann: 15. bis 20.9.2011

Wo: Opole und Strasbourg

Bewerbung: Bis zum 15.7.2011 (Auswahlverfahren) an die Fundacja Rozwoju Slaska oraz Wspierania Inicjatyw Lokalnych, ul. Slowackiego 10, PL 45-364 Opole (Telefon: 0048 77 423 28 88 Telefax: 0048 77 454 56 10, E-Mail: domeuropejski@fundacja.opole.pl, Internet www.domeuropejski.pl )

Kulturkongress in der Breslauer Jahrhunderthalle

Im Rahmen des polnischen Kulturprogramms zur Ratspräsidentschaft findet vom 8. bis 11. September in Wrocław (Breslau) der ‚Europäische Kulturkongress‘ statt. Vier Tage lang wird in der Jahrhunderthalle, die auch als UNESCO-Welterbe eingetragen ist, ein anspruchsvolles Programm stattfinden. Debatten, Vorträge, Aufführungen und künstlerische Angebote sind geplant, mehr als 300 Künstler, Wissenschaftler, Philosophen und Aktivisten aus Europa werden erwartet. Unter anderem Umberto Eco, Vaclav Havel und Krzystof Penderecki werden dort sein.

Weitere Informationen: www.culturecongress.eu

Polenforschung in Mainz

Ganz sicher wird es auch auf der zweiten Tagung der ‚Deutschen Polenforschung‘ im September 2011 um die Ratspräsidentschaft gehen, wenn auch nicht ausschließlich.  Die Überschrift ‚Kommunikation, Konstruktion, Kooperation‘ deutet die thematische Vielfalt des Kongresses an, der sich an Wissenschaftler richtet, die sich mit Polen beschäftigen. Auch als Kontaktbörse und Projekt-Ideengeber versteht sich die Veranstaltung.

Wann: 22. bis 24.9.2011

Wo: Mainz, Universitätscampus

Informationen und Anmeldung: www.polenforschung.de

Kunst, Projekte und Events

Polen präsentiert sich in den kommenden Monaten als kulturell vielfältiges Land. Und das nicht wie sonst in alltäglicher Weise, sondern auch ein wenig extrovertierter: Viele Veranstaltungen binden auch die Bevölkerung und Gäste aktiv mit ein.

Vom 3. Juli bis zum 31. Juli 2011 soll der Ostseebadeort Sopot (Zoppot) ein offener Kulturort sein. Viele Künstler finden sich dort ein und stellen ihre Werke überall in der Stadt aus. Eine Buslinie – die 187 – wird zur Kunst-Busline, die von einer Location zur anderen fährt. Dazu gehört ein Festival der Weltkulturen mit dem Namen ‚Trans Borders‘, Kunst im öffentlichen Raum unter ‚Urban Tales‘ und Theater für alle mit dem Titel ‚Out de Bicz!‘. Die ganze Aktion steht im Kontext der EU-Ratspräsidentschaft, sieht sich aber eher als künstlerischen Zugang.

Auch in Ostpolen, in Białystok, gibt es Kunst: Am 5. August geht es los, am 30. September endet die Veranstaltung. In der städtischen Galerie Arsenał im Park des Branicki-Schlosses findet dann die künstlerische ‚Reise nach Osten‘ statt. Zeitgenössische Kunst aus der östlichen Partnerschaft der EU steht im Mittelpunkt.

Vom 29. Juli bis 2. September findet auch in Katowice (Kattowitz) eine Kunstaktion statt. Diese heißt ‚Temporäre Kunst Aktion – TAK! Katowice‘ und präsentiert in verschiedenen Kunstaktionen schlesischer und internationaler Künstler Sehenswertes. Musik, Comics – aber auch Elemente zur Verschönerung der Stadt sind dabei.

Kraków (Krakau) kann natürlich nicht außen vor bleiben: Vom 6. bis 9. Oktober findet hier die Tagung des ‚International Network for Contemporary Arts‘ statt. Selbstverständlich gibt es auch hier die entsprechende Kunst zum Ansehen.

In Poznań (Posen) steht vom 4. bis 27. November das internationale Projekt ‚Old Music – New Dance‘ auf dem Programm, in dem Interpreten Alter Musik auf modernes Tanztheater treffen. Auch interessant und auch im Rahmen der EU-Ratspräsidentschaft: Das Festival Poznań Baroque (Barockfestival Posen), zu dem vom Ensembles für Alte Musik aus mehreren Kontinenten kommen. www.nina.gov.pl/prezydencja

Im EU-Ausland präsentiert sich Polen darüber hinaus während der Präsidentschaftsphase ebenfalls kulturell: Verschiedene Ensembles werden unter anderem das Werk des polnischen Komponisten Karol Szymanowski in zehn europäischen Hauptstädten vorstellen. Zu den hunderten Veranstaltungen gehören auch Präsentationen mehrerer Dokumentarfilme über Polen. Den genauen Terminplan der Veranstaltungen gibt es unter www.culture.pl

Bisher erschienene Beiträge bei Polen.pl zur polnischen EU-Ratspräsidentschaft:

Prioritäten der Ratspräsidentschaft im Vorfeld derselben, 5.1.2011

Polinnen wollen verändern, 8.3.2011

Konferenz der Konrad-Adenauer-Stiftung zum Thema, 11.5.2011

Kunstausstellung naiver Kunst anlässlich der EU-Ratspräsidentschaft, 18.6.2011

Polen übernimmt EU-Ratspräsidentschaft, 2.7.2011

 

 

Übergang der Ratspräsidentschaft und Herausforderungen,

 

...sind diese Artikel auch interessant für Sie?

Comments
  1. Jens

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*