Verlagsdirektorin entschuldigt sich für ‚Goldene Ernte‘ von Jan Tomasz Gross

Gedenkstätte Auschwitz. Foto: Polen.pl (MH)

Gedenkstätte Auschwitz. Foto: Polen.pl (MH)

(Krakau, HZ) Im Verlag ‚Znak‘ (Deutsch: Zeichen) wurde am Dienstag in Krakau die aktualisierte Fassung des bislang noch gar nicht erschienenen Buches  ‚Goldene Ernte‘  (‚Złote żniwa‘) von Jan Tomasz Gross vorgestellt. Verlagsdirektorin Danuta Skóra entschuldigte sich dabei bei allen Verfassern von E-Mails und Briefen, die dem Verlag seit mehreren Wochen ihre Empörung über die Entscheidung, das Buch im Verlag ‚Znak‘ zu veröffentlichen, geschrieben hatten: ‚Bei allen Menschen, die sich durch das Buch berührt, betroffen oder verletzt fühlen, möchte ich mich dafür entschuldigen.‘ Sie äußerte, dass in ihren Augen die einzig angemessene Antwort auf Gross‘ Buch ‚ein anderes, besseres Buch‘ sei, auf dessen Verfassen und Erscheinen sie hoffe.

In seinem neuesten Buch beschreibt der Historiker Jan Tomasz Gross zusammen mit seiner Frau Irena Grudzińskia-Gross, wie Polen auf dem Gelände deutscher Vernichtungslager nach dem Krieg nach Wertsachen jüdischer Opfer suchten. Ausgangspunkt bildet für die Autoren dafür ein Foto, das grabende Menschen nach dem Abzug der SS am Ort des früheren Vernichtungslagers Treblinka zeigt (Polen.pl berichtete).

‚Herausforderung für die Erinnerung‘

Der Vorstandsvorsitzende des Verlages verteidigte hingegen den Autor und sein Werk. ‚Goldene Ernte‘  (‚Złote żniwa‘)sei ‚eine Herausforderung für unsere kollektive Erinnerung, unseren Wunsch zu vergessen‘, so Henryk Woźniakowski, es fordere Gerechtigkeit für diejenigen, die die ersten und größten Opfer der Vernichtung gewesen seien. ‚Anspruch des Buches ist der Eingang der schrecklichen, häufig schwierigen Fakten in das öffentliche Bewusstsein, die Übernahme der Forschung der Historiker.‘ Dies sei der Hauptgrund für das Erscheinen des Buches im Verlag, so der  ‚Znak‘-Vorstandsvorsitzende. Woźniakowski erklärte, dass der Gewinn aus dem Verkauf des Buches für wohltätige Zwecke verwendet werden solle. Außerdem wolle ‚Znak‘ die wichtigsten Beiträge und Gegenstimmen in der Debatte um Gross‘ Buch sammeln und veröffentlichen.

Heftige Diskussion

In Polen wird das neueste Werk von Jan Tomasz Gross seit der Ankündigung des Erscheinens im Dezember vergangenen Jahres heftig von zahlreichen Wissenschaftlern und Publizisten öffentlich diskutiert. Zahlreiche Kritiker sehen Gross‘ Vorwurf des Antisemitismus als stereotyp an, einige halten das Buch gar für antipolnisch. ‚Goldene Ernte‘ erscheint in Polen am 10. März mit einer geplanten Auflage von 50.000 Exemplaren. Ob eine deutsche Übersetzung des nur wenig mehr als 100 Seiten starken Bändchen erscheint, ist noch nicht bekannt.

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  1. Jens

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