Von Riesen und Zwergen in Wrocław (Breslau)

Wroclaw (Breslau) St. Elisabeth Kirche. Foto: Polen.pl

Wroclaw (Breslau) St. Elisabeth Kirche. Foto: Polen.pl

(Köln, MST) Wer nur für die EM 2012 Wrocław (Breslau) besucht, sollte zumindest eine der vielen Möglichkeiten, sich einen atemberaubenden Überblick über die Stadt an der Oder zu verschaffen, nutzen. Gleichzeitig gilt es bei manchen Dingen genau hinzusehen. Denn immer mehr Zwerge tummeln sich mal versteckt, mal offensichtlich im Stadtbild. Woher die wohl kommen?

Hohe Riesen …

Wer gleich zu Beginn den höchsten Aussichtspunkt erklimmen möchte, besucht am besten die Basilika der Heiligen Elisabeth von Ungarn (in der Nähe der Fan-Zone während der EM 2012). In einer Höhe von 90 Metern lassen sich bei gutem Wetter besonders schöne Erinnerungsfotos vom Panorama machen.

Ebenfalls eine gute Sicht von oben hat man vom Übergang aus zwischen den zwei Kirchtürmen der Heiligen Maria Magdalena Kirche. Diese Brücke wird auch “die Brücke der Büßerinnen” genannt. Einer Legende zufolge sollen sich dort bei Dämmerung büßende Seelen treffen. Eine andere Variante berichtet, dass sich dort die Seelen der eitlen Mädchen versammeln. Denn wer lieber mit Männern flirtet, statt Kinder zu erziehen und den Haushalt zu führen, dem ist ein ruhiger Tod nicht vergönnt. Mir einer Höhe von 45 Metern ist dieser Aussichtspunkt nur halb so hoch wie die Basilika der Heiligen Elisabeth.

Wer keine engen Wendeltreppen mag oder gar ein wenig an Höhenangst leidet, kann alternativ die Aussichtsterrasse der Universität in Wrocław (Breslau) besuchen. Ursprünglich beherbergte der sogenannte “Mathematische Turm” (42 Meter hoch) eine Sternwarte. Inzwischen befindet sich in den Räumlichkeiten eine Sammlung an unterschiedlichen Ausstellungsstücken, der über 300-jährigen Universität.

Treppenstufen umgehen lassen sich außerdem am besten, besucht man den Turm des Doms des Heiligen Johannes dem Täufer. Der Aussichtspunkt in einer Höhe von 97 Metern kann bequem mit einem Lift erreicht werden.

… und kleine Zwerge im Stadtbild Wrocławs (Breslau)

Macht man einen Spaziergang durch Wrocław (Breslau) fallen sie einem unweigerlich nach kurz oder lang ins Auge. Die inzwischen insgesamt 200 Zwerge bevölkern Gassen, Marktplätze, Rasenflächen, Parks und Einkaufzentren. Die drolligen Figuren sind sogar so beliebt, dass sie zunehmend als Wahrzeichen Wrocławs (Breslau) gelten.

Ihre Herkunft, wie das bei Märchengestalten so ist, bleibt umstritten. Eine Variante beschreibt die Zwerge als Symbol der “Orangenen Alternative” Anfang der 1980er Jahre. Die Bewegung, angeführt von Waldemar Frydrych, machte mit gewaltfreien Happenings auf die Unrechtmäßigkeit des Sozialismus aufmerksam. Dort, wo Polizisten antikommunistische Parolen mit Farbe übermalten, wurden zur Erinnerung an den einstigen Slogan Zwerge gezeichnet. Schnell wurden so die “krasnoludik” beziehungsweise “krasnale”, wie sie im Polnischen heißen, zu Symbolen der Bewegung.

Eine andere Legende berichtet von den Zwergen als einstige Stadtväter Wrocławs (Breslaus). Sie siedelten sich auf dem heutigen Gebiet bereits vor den Menschen an und halfen im verborgenen bei der Stadtentstehung. Zuletzt wird erzählt, dass die Menschen die Zwerge einst um Hilfe baten, da ihnen der Oderkobold keine Ruhe ließ. Die gewitzten kleinen Wichte überlisteten ihn und warfen den Übeltäter in einen Kerker im naheliegenden Eulengebirge. Zum Dank luden die Menschen die Zwerge ein mit ihnen in Wrocław (Breslau) zu leben.

Wie bereits die sieben Zwerge bei Schneewittchen steht auch hier jede Figur für eine Eigenschaft oder Tätigkeit. Da gibt es den Langschläfer, den Gefängniswärter, den Sisyphus und viele mehr. Neue Zwerge, Namen und Geschichten kommen jährlich hinzu. Die erste Figur wurde im Jahr 2001 aufgestellt und vier Jahre später kamen fünf weitere Wichte hinzu.

Wer mehr über die Zwerge wissen möchte, hat dazu während des “Zwergenfestivals” im Oktober die Möglichkeit. Für alle, die sich auf die Suche nach den Mitbewohnern der Menschen in Wrocław (Breslau) machen wollen, gibt es hier eine Karte.

Quellen:
Newsletter der Stadt Wrocław (Breslau), Nr. 3.
Newsletter der Stadt Wrocław (Breslau), Nr. 7.
Infos zum „Mathematischen Turm“.

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  1. Stephan

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