Vorerst kein neugebautes Museum für Moderne Kunst in Warschau

Blick auf Warschau vom Kulturpalast. Foto: Polen.pl (JW)

Blick auf Warschau vom Kulturpalast

(Pforzheim, JW) Ganz Europa schaut im Moment auf die Warschauer Fanmeile direkt vor dem Kulturpalast, dem mit 230 Metern Höhe größten Überbleibsel des sozialistischen Realismus. Auf der riesigen Freifläche vor dem Gebäude werden im Moment die Spiele der Fußball-EM gezeigt. Doch was geschieht eigentlich in Zukunft mit dem Gebiet mitten im Zentrum der polnischen Hauptstadt? Seit kurzem ist zumindest klar, was es nicht geben wird: Das seit mehreren Jahren geplante Museum für Moderne Kunst wird nicht gebaut.

Verschiedene Ideen für den Platz

In Warschau diskutiert man seit zwei Jahrzehnten, was aus dem Kulturpalast und seiner unmittelbaren Umgebung werden soll. Der Palast selbst, ein auf Geheiß Stalins im Zuckerbäckerstil erbautes Hochhaus, steht seit 2007 unter Denkmalschutz. Im Südwesten schließen sich das neue Einkaufszentrum Złote Tarasy und der Zentralbahnhof an, im Nordosten herrscht im Moment aber gähnende Leere. Die dort nach 1989 entstandenen provisorisch wirkenden Markthallen und der Supermarkt sind schon vor einigen Jahren beseitigt worden. Für die Fußball-EM ist das ein Glücksfall – schließlich bietet die strefa kibica (Fanmeile) über 100000 Fans Platz. Doch auch nach der EM wird die Fläche noch für unbestimmte Zeit leer bleiben.

Ein neues Museum für Moderne Kunst war geplant

Ein zentrales Element der Neugestaltung des Warschauer Zentrums hätte das Gebäude des 2005 gegründeten Muzeum Sztuki Nowoczesnej (Museum für Moderne Kunst) werden sollen. Im Jahr 2007 gewann der Schweizer Architekt Christian Kerez den von der Warschauer Stadtverwaltung ausgeschriebenen Wettbewerb mit einem Entwurf für ein schlichtes L-förmiges Gebäude mit einer 4000 qm großen Ausstellungsfläche.

Mit dem Bau wollte man 2009 beginnen, doch gab es immer wieder Verzögerungen. Zunächst entschied sich die Stadtverwaltung, im Museumsbau auch das Teatr Rozmaitosci (Theater der Vielfalt) anzusiedeln, weshalb mit dem Architekten ein neuer Vertrag unterschrieben werden musste. Zu finanziellen Schwierigkeiten kam hinzu, dass die sich gerade im Bau befindliche zweite Metrolinie unter dem Gelände hindurchführt, außerdem stellte sich heraus, dass die Stadt Warschau nicht Eigentümerin des gesamten für das Museum vorgesehenen Baugrunds ist.

Anfang 2012 verdichteten sich dann die Hinweise auf ein endgültiges Scheitern des Projekts. Zunächst kündigte Kerez an, von dem Auftrag zurücktreten zu wollen, die Stadt Warschau kam ihm jedoch zuvor, indem sie Mitte Mai den Vertrag einseitig auflöste und ankündigte, den Architekten auf Schadenersatz verklagen zu wollen.

Unrühmliches Ende der Planungen

Während sich Stadtverwaltung und Architekt gegenseitig die Schuld am unrühmlichen Ende des Projekts geben, haben zehn der Jurymitglieder, die sich 2007 für Kerez´ Projekt ausgesprochen haben und zahlreiche Warschauer Kunstinstitutionen gegen die Entscheidung der Stadt protestiert. In einem offenen Brief, der am 15. Mai in mehreren Zeitungen veröffentlicht wurde, werfen sie der Verwaltung vor, den Bau des Museums nicht mehr gewollt zu haben und dem Architekten deshalb unmöglich zu realisierende Aufgaben gestellt zu haben.

Auch die lokalen Medien kritisieren die Stadtverwaltung scharf. Kein ausländischer Architekt traue sich nun mehr, an einem Wettbewerb in Polen teilzunehmen, kommentierte am 11. Mai die Gazeta Stołeczna, der Warschauer Lokalteil der Gazeta Wyborcza.

Die Gründungsdirektorin des Museums Joanna Mytkowska äußert offiziell noch die Hoffnung auf eine Realisierung des Baus am geplanten Ort. Zunächst einmal hat die Stadtverwaltung aber nur angekündigt, die Ausstellungsfläche am provisorischen Sitz des Museums zu vergrößern.

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