Wanderungen – Berliner Fotoausstellung zur Grenzmark Posen-Westpreussen 1925

Die Grenzmark Posen-Westpreussen in Fotografien

Die Grenzmark Posen-Westpreussen in Fotografien

(Berlin, HF) In den Zwanziger Jahren wanderte der junge Berliner Lehrer Bruno Stephan (1886 – 1983) mit zwei Gleichgesinnten durch Landschaft und Dörfer der damaligen Grenzmark Posen-Westpreussen, der heutigen polnischen Wojewodschaft Lebuser Land. Auf ihrer Reise durch landschaftlich reizvolle Gebiete machte er von Ortschaften, ihren Bewohnern, der Natur und Baudenkmälern fotografische Aufnahmen, die eine hohe atmosphärischer Dichte besitzen. Diese Aufnahmen sind noch bis zum 31. August 2013 im Berliner „Mitte Museum“ zu sehen.

Auf der Wanderung durch die Grenzmark

Drei Berliner Amateurfotografen erkunden im Frühjahr 1925 eine Region, deren Namen heute kaum noch einer kennt: die Grenzmark Posen-Westpreussen, eine administrative Einheit, der keine lange Existenz beschieden sein wird. Die Fotos, die auf dieser Wanderung entstehen, zeigen eine Kulturlandschaft, deren sichtbaren Zeugnisse bis ins Mittelalter zurückgehen; sie geben Landschaften und ihre Bewohner wider, Baudenkmäler, Friedhöfe und die Natur.

Der Verwaltungsbezirk Posen-Westpreussen

Die historische Region Posen-Westpreussen war als preussischer Verwaltungsbezirk das Ergebnis des Vertrags von Versailles. Sie wurde 1922 aus den verbliebenen Zipfeln der Provinzen Posen und Westpreussen gebildet, die das Deutsche Reich an den wieder gegründeten Polnischen Staat abtreten musste. 1938 kam das Grenzland in Teilen zu Pommern, Schlesien und zur Neumark Brandenburgs.

Tradition als Argument

Von deutscher Seite wurde damals die Zugehörigkeit zum deutschen Kulturraum betont; die über Jahrhunderte gewachsene Tradition galt als Argument. Seit dem Mittelalter hatten deutsche Einflüsse die Region östlich der Oder geprägt. Zunächst Ziel von Handelsleuten und christlichen Orden, folgten im 13. Jahrhundert Zuwanderer aus dem Westen. Städte wie Meseritz (Międzyrzecz) oder Schwerin an der Warthe (Skwierzyna) wurden an wichtigen Handelsstrassen nahe slawischer Orte gegründet. Familien unterschiedlicher Konfessionen – Katholiken, Juden, Protestanten – lebten im westlichen Grosspolen nebeneinander. Ab der Zweiten Teilung Polens 1793 unterstand das Gebiet preussischer Hoheit. Um 1920 war ein Grossteil der Bevölkerung deutsch.

Eine tickende Zeitbombe

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Ausstellung im Mitte Museum

Der deutschen Sicht setzt Piotr Piotrokowski die skeptische polnische Sicht auf diesen deutschen Verwaltungsbezirk entgegen, der in Polen als Teil des deutschen „Drangs nach Osten“ interpretiert wurde. Hingegen wird er gegenüber den Bildern milder, denn aus den Bildern „schaut die Idylle, in der alles an seinen richtigen Platz ist: Die Lebenden arbeiten und erholen sich und die Toten ruhen in ihren Gräbern, uralte teilweise mit Patina bedeckte Denkmäler prunken, aus winterlichem Schlaf erwacht die Natur.“ Aber er spürt in den Bildern auch das drohende Unheil, wenn er schreibt, ob nicht genau hier eine „tickende Zeitbombe vergraben liegt“.

Kabinettausstellung mit Zeitkapseln

Die im Rahmen des 5. Europäischen Monats der Fotografie Berlin von Claudia Berger, Sigrid Schulze und Claudia Wasow-Kania konzipierte Kabinettausstellung mit Fotografien, Buchtexten und Landkarten ermöglichen es dem Betrachter – wie Piotr Piotrokowski in einem Begleittext schreibt – durch „lange vergessene Kollodiumzeitkapseln“, dem „Wunsch der Bilder dieser Wanderung zu folgen, dass man den Spuren ihrer Autoren folgen möge, um zu zeigen, was schon längst nicht mehr existiert, um (erneut) von der deutsch-polnischen „Heimat“ zu erzählen – denen, die zuhören möchten…“

Dem ist nichts hinzuzufügen.

Die Ausstellung ist noch bis zum 31. August 2013 zu sehen.

Mitte Museum

Regionalgeschichtliches Museum für Mitte, Tiergarten, Wedding in Berlin

Pankstrasse 47

13357 Berlin

Nähe U-Bhf. Pankstrasse, S 1, S 2, S 25, S 41, S 42 Gesundbrunnen, Bus M 27

So-Mi 10-17 Uhr und Do 10-20 Uhr

Begleitprogramm zu erfragen unter 030 46 06 01 90

Eintritt frei

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