Warme Worte und vage Versprechen – Barack Obama’s Besuch in Polen

Obama war zu Gast in Warschau

(Bremen, JE) Dem mächtigsten Mann der Welt wollten alle polnischen Politiker, die etwas auf sich halten, gerne die Hand schütteln. Präsident Bronisław Komorowski hatte am vergangenen Samstag zum politischen Austausch mit Barack Obama eingeladen – und alle waren gekommen. Selbst Erzfeind Jarosław Kaczyński. Wirklich alle?

Nicht ganz: Ex-Präsident und Solidarność-Anführer Lech Wałesa weilte dieses Wochenende in Italien auf einem ‚Bibel-Festival‘, berichtet gazeta.pl. An dem Treffen mit dem amerikanischen Präsidenten war Wałesa nicht interessiert, es gebe keine konkreten Themen, über die man zu reden habe. Hübsche Fotos mit wichtigen Personen habe er schon genügend zu hause. Auch wenn das zunächst etwas arrogant klang: Nach zwei Tagen Obama-Visite in Warschau ist man fast gewillt zu sagen, dass Wałesa wohl alles richtig gemacht hat.

Shopping-Visa

Viel Konkretes gab es in der Tat nicht. Die Top-Meldung des Wochenendes war Obama’s Versprechen, sich für die Abschaffung der Visapflicht für polnische Touristen einzusetzen. Polen ist neben Rumänien und Bulgarien heute das einzige EU-Land, dessen Staatsbürger noch Visa benötigen, um in den Vereinigten Staaten ihren Urlaub zu verbringen. Obama sprach sich in Warschau für einen Gesetzesentwurf zweier amerikanischer Abgeordneter aus, die für Polen eine entscheidende bürokratische Hürde auf dem Weg zur Visafreiheit außer Kraft setzen wollen. Diese wird nämlich bisher nur Ländern gewährt, aus denen nicht mehr als drei Prozent der Anträge auf ein Touristenvisum für die USA abgelehnt werden. Für Polen sind es deutlich mehr, laut Gazeta Wyborcza etwa jeder zehnte Antrag. Ohne diese Auflage – einziges Kriterium soll laut Entwurf die Quote ‚eigenmächtiger Visumsverlängerungen‘ (max. drei Prozent) sein – könnte Polen von der Visapflicht befreit werden und polnische Urlauber könnten auf der 5th Avenue in New York shoppen gehen, wie Obama frohlockte. Allerdings, ob das Projekt im amerikanischen Kongress so wirklich verabschiedet wird, ist heute völlig unklar. Dementsprechend wenig beeindruckt von Obama’s Aussage zeigte sich Premier Donald Tusk, der es sich nicht nehmen ließ, darauf hinzuweisen, dass es „noch viele andere Orte auf der Welt gibt, wo man Einkaufen und Geld ausgeben kann“.

Obama ein Pole?

Weitere wichtige Themen der Konsultationen waren beispielsweise die militärische Zusammenarbeit der USA und Polen sowie die außenpolitische Haltung zu Russland beziehungsweise Belarus. Viel mehr als Absichtserklärungen kam dabei nicht heraus. Dafür betonte Obama, was für ein außergewöhnliches Land Polen sei, versprach 2013 mit Ehefrau und den beiden Töchtern wiederzukommen und erklärte den Journalisten, dass auch er auf gewisse Weise Teil Polens ist. Schließlich stammt er aus Chicago, der Hauptstadt polnischer Migranten in den Vereinigten Staaten. Dort müsse  eigentlich jeder ein bisschen zum Polen werden, es sei denn, mit ihm sei etwas ’nicht ganz richtig‘. Warme Worte, die sicherlich gut gemeint waren, und trotzdem eher nach platter Anbiederung klangen als nach echter emotionaler Verbundenheit.

Nichtsdestotrotz, die Tatsache, dass Obama zwei Tage in Warschau verbrachte, hat viele Polen gefreut. Zu größeren Protesten gegen den US-Präsidenten kam es nicht. Und ganz nebenbei sollen sich in Anwesenheit von Obama sogar Komorowski und Kaczyński die Hand gegeben haben. Hat die Aura des Friedensnobelpreisträgers die beiden Streithähne zusammengeführt? Osama Bin Laden hin oder her – so viel Polemik muss erlaubt sein – Barack Obama scheint den Titel doch verdient zu haben.

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  1. Juergen
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