Warschau, am Achten Mai

Denkmal des Warschauer Aufstandes in Warschau, Foto: Polen.pl (AS).

Denkmal des Warschauer Aufstandes in Warschau, Foto: Polen.pl (AS).

Warschau, am Achten Mai

Unter Deinem Asphalt,
Warschau
Da liegt das Zementgemisch der Knochen
Der Toten
Tataren
Russen, gottesfromme Schweden
Blutbesoffene Deutsche
Brandschatzten durch Deine Straßen
In einem wollüstigen Wahn
Nach den Gesetzen einer
mörderischen Logik
Deine Dächer zertrümmerte glühendes
Eisen
aus einem Feuerhimmel.

Am 08.05.1945 feierten sie,
davongekommen,
Auf den Straßen in Paris
Oder Amsterdam oder London
Doch in Deinen verschütteten Straßen
Gab es niemanden mehr
Der noch eine Erinnerung davon hatte
Wie eine Feier gefeiert werden sollte.

Du bist gebaut auf den Skeletten
Deiner verlorenen Helden, die aufstanden
Und nicht mehr aufstanden
Hingemetzelt von den Metzgern im schwarzen Rock.

Die Platten Deiner Häuser
Sind verfugt mit dem Schweiß
Deiner Arbeiter aus Marmor

Und jetzt glitzerst Du, Stadt Warschau,
wieder,
Doch Deine Glaspaläste
Funkeln nicht in trüben Weichselwellen
So wenig blieb von Deinem Gesicht
Gespiegelte Schöne der Felder
Polens.

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Der Lyriker Peter Reik ist im diplomatischen Dienst tätig und engagiert sich beruflich sowie privat für die deutsch-polnischen Beziehungen.

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