Warschau ist um eine Attraktion reicher: Im Stadtteil Wola wurde das schmalste Haus der Welt eröffnet.

Designed by Jakub Szczęsny. Alle Rechte: centrala.net.pl, J. Szczęsny

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(Pforzheim, JW) 1,33 Meter an der breitesten Stelle und knapp 15 Quadratmeter Wohnfläche – die Nachfrage nach Wohnungen ist groß in Warschau, so dass sogar kleinste Ecken bebaut werden. Doch das am 20. Oktober eröffnete schmalste Haus der Welt ist nicht nur Wohnung –es ist vor allem Kunstobjekt. Dem Architekten Jakub Szczęsny fiel die Lücke zwischen dem Vorkriegsbau in der ul. Chłodna und dem Nachkriegsplattenbau in der ul. Żelazna im Stadtteil Wola ins Auge – und er beschloss, diese zu nutzen. Auf drei Ebenen befinden sich jetzt ein kleines Arbeitszimmer, Toilette und Dusche, eine kleine Küchenecke sowie – nur über eine Leiter erreichbar – das Schlafzimmer, in das gerade so eine Matratze passt.
Der Bau soll dem israelischen Schriftsteller Etgar Keret als Wohn- und Arbeitsstätte dienen, dessen Eltern dem Holocaust knapp entkommen konnten. Keret vereint polnische und jüdische Geschichte in sich, erzählt Szczęsny der Gazeta Wyborcza und Keret selbst ergänzt, dass seine Familie aus Warschau stamme und dies seine symbolische Rückkehr sei.
Die ul. Chłodna galt in der Vorkriegszeit als Prestigestraße, die aufgrund ihrer imposanten Bebauung oft mit der bekanntesten Warschauer Straße, der Nowy Świat verglichen wurde. Von ihrer einstigen Bedeutung zeugen noch heute die im holprigen Kopfsteinpflaster sichtbaren Straßenbahnschienen. Während der deutschen Besatzung durchschnitt die ul. Chłodna das von den Besatzern eingerichtete Ghetto für die jüdische Bevölkerung – und nur weniger Meter vor dem schmalsten Haus der Welt befand sich jene Holzbrücke, über die die im Ghetto Eingepferchten vom kleinen ins große Ghetto gelangen konnten.
Aufgrund dieser Vergangenheit entschied sich Szczęsny, den israelischen Schriftsteller Keret in das Haus einzuladen und es nach ihm zu benennen. Doch in Zukunft soll das Dom Kereta (Kerets Haus) auch anderen Künstlern als Wohnstätte dienen. Eine Jury unter dem Vorsitz von Keret lädt zum einen bekannte Künstler aus aller Welt in das Haus ein. Zum anderen sollen sich auch Nachwuchskünstler um einen Aufenthalt bewerben können, um sich durch das Warschauer Kulturleben zu neuen Projekten inspirieren zu lassen.

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  1. Ślunzok

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