Warschau – Neues Fahrradverleihsystem Veturilo ist ein großer Erfolg

Fahrradstation „Veturilo“ am Kopernikus-Denkmal in Warschau

(Warszawa, HF) Am 1. August wurde in Warschau das neue öffentliche Fahrradverleihsystem „Veturilo“ in Betrieb genommen. Es ist das größte Mittelosteuropas und soll das Wachstum des motorisierten Straßenverkehrs zwischen Wohnorten und Arbeitsplätzen etwas mindern. Die Ausleihstationen befinden sich daher in den Außenbezirken und gehäuft in der Innenstadt. Es wird gemäß Tarifstruktur davon ausgegangen, dass die meisten Fahrten bis 20 Minuten dauern werden. In den ersten sechs Tagen des Betriebs wurden die gegenwärtig rund 1.000 Fahrräder bereits 14.000 Mal ausgeliehen, davon die Hälfte am Wochenende. Nach Wroclaw (Breslau), Poznań (Posen), Opole (Oppeln) und dem benachbarten Bemowo ist Warschau die fünfte polnische Stadt, in der Fahrräder nach diesem System ausgeliehen werden können.

Veturilo ist Esperanto

Der in einem Wettbewerb der Stadtverkehrsverwaltung ZTM siegreiche Name „Veturilo“ stammt aus dem Esperanto und bedeutet Fahrzeug oder Verkehrsmittel. Die Fahrräder von Veturilo stehen angeschlossen in speziellen Ständern und können über die Dateneingabe an einer Tafel für die Fahrt „befreit“ werden. Die Zweiräder können an einer Station ausgeliehen und an einer anderen der 68 Stationen wieder zurückgegeben werden.

Ein Veturilo-Fahrrad in Warschau

Aussergewöhnliche Fahrräder

Die Fahrräder sind sehr stabil und bequem, besitzen eine Rücktritts- und Vorderbremse sowie eine Dreigangschaltung. Am Lenker ist ein Korb für die Einkäufe oder die Aktentasche montiert. Auch Licht und Klingel sowie ein stabiler Gepäckträger sind dabei. Der Sattel ist leicht verstellbar (was mir leider erst nach der Fahrt auffiel). Die Fahrräder sind so konstruiert, dass wohl keiner ein Teil abmontieren wird, da es sicher nicht bei anderen Rädern passt.

Großes Potential in der Bevölkerung

In einer Umfrage der Zeitung Gazeta Wyborcza sprachen sich fast 60 Prozent der an der Befragung teilnehmenden dafür aus, dass sie das Fahrradsystem sicher nutzen werden, da es die Mobilität in der Stadt erleichtert.

Einführung in Etappen

Das System Veturilo wird in zwei Etappen eingeführt. In der jetzigen ersten gibt es 55 Ausleihstellen: 31 im Stadtzentrum, 13 im Stadtteil Ursynów und 11 im Stadtteil Bielany. Im Rahmen dieser Etappe werden bis 15. August ebenfalls zwei Stationen im südlichen Stadtbezirk Wilanów (für 24 Fahrräder) in Betrieb genommen. Weitere 70 Stationen folgen dann im März kommenden Jahres. Zusätzliche Stationen werden in Stadtzentrum und im Stadtteil Praga eingerichtet. Insgesamt sollen im Jahr 2013 auf dem Gebiet Warschaus mindestens 127 Fahrradstationen in Betrieb sein, an denen 2124 Fahrräder stehen.

Deutsch-polnisches Konsortium erhielt den Zuschlag

Betreiberin des Systems ist das Konsortium der Firmen Nextbike Polska Sp. Z o.o., Nextbike GmbH und Mifa Mitteldeutsche Fahrradwerke AG. Die Betreiberin wurde aufgrund einer öffentlichen Ausschreibung durch die Warschauer Stadtverkehrsverwaltung (ZTM) ausgewählt und der Vertrag im Mai 2012 unterzeichnet. Das Konsortium wird das System bis November 2016 betreiben und erhält dafür insgesamt ca. 4,7 Mio. Euro.

Wie Veturilo funktioniert

Die Nutzung des Systems ist sehr einfach, so wie Fahrradfahren. Jede der Stationen, die aus einem oder mehreren Fahrradständern bestehen, ist mit einer Tafel ausgerüstet, die über Tastatur, Lesegerät und Anzeige verfügt. Mit der Hilfe der Tafel kann man die Fahrräder ausleihen und zurückgeben sowie sich im System registrieren. Alle Anweisungen sind in den vier Sprachen Polnisch, Englisch, Deutsch und Russisch verfügbar.

Zuerst muss man aber auf die mehrsprachige Internetseite www.veturilo.waw.pl gehen und alle notwendigen Daten eingeben: darunter die Telefonnummer und den sechsziffrigen PIN, das Reglement ist zu akzeptieren und es ist eine geringe Anfangssumme von 10 Złoty (rund 2,50 Euro) einzuzahlen. Nach Erhalt der Bestätigung über die angegebene Emailadresse kann man das System bereits nutzen.

Das System erkennt den Kunden mit der Telefonnummer und dem PIN-Code. Ein Fahrrad kann man auch mit der persönlichen Warschauer Stadtkarte oder mit dem elektronischen Studentenausweis ausleihen.

Um ein Fahrrad auszuleihen, ist nach dem Drücken der Option „Ausleihen“ den Angaben an der Tafel zu folgen oder bei Schwierigkeiten die Info-Hotline 22 382 13 12 anzurufen. Nun wird das Fahrrad automatisch vom Elekroschloss frei gegeben beziehungsweise man erhält den vierziffrigen Code für ein Zahlenschloss. Ähnlich ist das Vorgehen bei Rückgabe des Fahrrads. Fahrrad in den Ständer stellen, „Rückgabe“ an der Tafel drücken und gemäß den Anweisungen auf dem Bildschirm vorgehen.

Erste zwanzig Minuten gratis Fahrrad fahren

Die ersten zwanzig Minuten auf dem Fahrrad sind gratis. Ab der 21. Minute bis zu einer Stunde zahlt man einen Złoty. Die zweite Stunde kostet 3 Zł, die dritte 5 Zł und dann jede weitere 7 Zł.

Änderung im Verkehrsablauf mit neuen Fahrradfahrern

In der Innenstadt fehlt noch eine größere Anzahl separater Fahrradwege. Auch sind die Autofahrer in der Hauptstadt Polens in ihrer Fahrweise nicht sehr auf Fahrradfahrer eingestellt. Andererseits fahren daher die meisten mit den Fahrrädern auf dem Bürgersteig, was mit den Passanten Konflikte hervorruft. Wenn nun in größerer Anzahl erstmalig Fahrradfahrer mit Mieträdern die Straßen bevölkern, ist besondere Rücksichtnahme von Nöten. Wollen wir hoffen, dass sich alle drei mobilen Gruppen schnell und unfallfrei an einander gewöhnen.

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  1. Jochen
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