Warschauer EM-Film ist umstritten

Platz in der Altstadt von Warszawa (Warschau). Foto: Polen.pl (JW)

Warschaus EM-Imagefilm polarisiert

(Berlin, JW) Warschau, Stadt der Stalker und der Sextouristen? So lautet die häufigste Negativ-Interpretation eines neuen EM-Werbefilms des Austragungsortes Warschau. Die polnische Hauptstadt hat den Film produzieren lassen, um auf die Attraktivität, Gastfreundschaft und Vielfältigkeit des Standortes hinzuweisen. Doch die landesinternen Reaktionen, zum Beispiel in Online-Foren, sind oft negativ: Warschau würde als Möglichkeit für Sextourismus dargestellt, weil der Film sich nicht komplett von selbst erkläre. Besonders, wenn man ihn nicht bis zum Ende schaue.

Mann verfolgt hübsche Frau

Die Story des Films ist schnell erzählt: Man sieht eine attraktive junge blonde Frau beim Joggen durch Warschau. Als sie an einem Hotel vorbeiläuft, erblickt ein Mann sie. Und beginnt, hinter ihr herzulaufen. Etwa im gleichen Tempo laufen die beiden hintereinander her, und es wirkt ein bisschen wie eine Verfolgungsjagd. Dabei kommen die beiden an den schönsten und interessantesten Stellen der Stadt vorbei, vollbringen beeindruckende Sprünge und waghalsige Laufmanöver. Zwar wirkt die Frau dabei ziemlich entspannt, doch bei jedem Umblicken und Erkennen des hinterherlaufenden Mannes gibt sie noch einmal Gas. Am Ende treffen sich die beiden im Fußballstadion. Und nach einer Blende sieht man, wie sich Frau und Mann in Business-Atmosphäre in Business-Kleidung zu einem formalen Termin wieder treffen.

Gewollt und gemacht

Was sich der Regisseur dabei gedacht, ist eine Sache. Was darin gesehen wird, eine andere. So soll die Geschichte erzählen, wie ein ausländischer Besucher in Warschau noch etwas ratlos ob einer geeigneten Joggingstrecke sucht. Als er die junge Dame erblickt, denkt er sich, dass er durch das Folgen bestimmt eine schöne Strecke fände. Was durchaus realistisch erscheint, so mache ich das bei einem Lauf in einer fremden Stadt auch: Man sucht sich eben die Wege, die andere schon für gut befunden haben. Wenn auch vielleicht nicht so aufdringlich, wie in dem Film dargestellt. Auf dieser Jogging-Route zeigt sich Warschau natürlich von seiner schönsten Seite.

Viele Zuschauer hingegen sehen eine Art Stalker in dem Mann, der die Frau wohl sicher vergewaltigen will. Und diese Interpretation hatte ich nach den ersten Sekunden des Filmchens auch. Wenn ich auch fand, dass sich das Ganze am Ende auflöst, so kann man durchaus diese kritische Interpretation haben. Was ich allerdings auch finde: Diesen Werbefilm als Werbefilm für Sextourismus zu interpretieren, ist dann wohl doch etwas übers Ziel hinausgeschossen.

 

Imagefilm zur EM (Warschau) bei YouTube

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Comments
  1. arne
  2. Linus

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