Was wussten die USA über das Massaker von Katyń?

Landkarte, auf der Katyn eingezeichnet ist: Der Ort, an dem 1940 Soldaten der Roten Armee polnische Soldaten, Polizisten, Priester und Grenzschutzfunktionäre erschossen

Katyn: Der Ort, an dem 1940 Soldaten der Roten Armee polnische Soldaten, Polizisten, Priester und Grenzschutzfunktionäre erschossen wurden

(WB, Mainz) Laut der meistzitierten polnischen Tageszeitung Rzeczpospolita besteht kein Zweifel darüber, dass sich der ehemalige amerikanische Präsident Franklin Delano Roosevelt und seine Regierungsmitglieder im Klaren waren, wer wirklich in Katyń auf den Abzug drückte. Die Verfechter Roosevelts behaupten bis heute, dass er im Recht war, den Deutschen nicht zu glauben – die als erste die Welt über das sowjetische Massaker an fast 22.000 polnischen Offizieren und Intellektuellen informierten. Und er war fest davon überzeugt, dass die Polen der Gestapo zum Opfer gefallen waren. Am Montag den 10. September 2012 wurde der Zugang zu den betreffenden Dokumenten im amerikanischen Nationalarchiv freigegeben. Die daraus zu ersehende Wahrheit ist: Washington wusste bereits im April 1943, dass der russische Geheimdienst NKWD hinter dem Mord steht.

Polnische Offiziere und Mandschurei

Anfang Dezember 1941 fand ein Gespräch zwischen Josef Stalin und zwei polnischen Generälen, Wladyslaw Sikorski und Wladyslaw Anders, statt, nachdem die Informationen über die polnischen Kriegsgefangenen und deren Aufenthaltsort ausblieben. Über dieses Treffen berichtet Jozef Mackiewicz in seinem Buch „Katyń – ungesühntes Verbrechen“. Auf die Frage von Sikorski an Stalin, ob er ihm die Antwort auf das Schicksal der polnischen Kriegsgefangenen geben kann, weil keiner von ihnen bis jetzt aus der Sowjetunion nach Hause zurückgekommen war, empörte sich Stalin: „Es ist unmöglich! Sie sind geflüchtet“. Auf die Frage des zweiten Generals nach dem angeblichen Zufluchtsort war die Antwort Stalins mehr als dreist: „Naja, zum Beispiel nach Mandschurei…“. Seit diesem Massaker sind 72 Jahre vergangen, die Sowjetunion existiert längst nicht mehr und ihr Erbe Russland mogelt weiterhin bei Fragen um Katyń. Die Mehrheit der Dokumente in russischen FSB-Archiven wird wahrscheinlich nie das Tageslicht sehen.

Lügen haben lange Beine

Man muss jedoch auch zugeben, dass die Lügen zum tragischen Tod der polnischen Offiziere nicht nur Moskau, sondern auch polnische Verbündete wie Großbritannien und die USA verbreiteten. Bereits zwei Tage nach der Enthüllung der eigentlichen Wahrheit über das Massaker stellte am 15. April 1943 der britische Premierminister Churchill im Gespräch mit Sikorski fest: „Es gibt Sachen, die zwar wahr sind, aber über die man nicht öffentlich reden darf“.  Einen noch entschlosseneren Standpunkt vertrat jedoch der US-Präsident Roosevelt, für den die Tatsachen von Katyń reine deutsche Kriegs-Propaganda waren. Laut Rzeczpospolita sagte Roosevelt seinem engen Freund George Earl, dass er fest davon überzeugt sei, dass die Russen das nicht gemacht hatten – und zwar nachdem dieser ihm alle nötigen Geheimprotokolle darüber auf den Tisch legte, wer in Katyń auf den Abzug gedrückt hatte. Die Geheimprotokolle landeten im Müll – und Georg Earl auf einer der Samoa-Inseln im Pazifik.

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  1. Jochen

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