Weiß der polnische Investor, was er kauft?

Sitz der Wertpapierbörse in Warschau. Photo: Polen.pl (BD), 2012

Sitz der Wertpapierbörse in Warschau. Photo: Polen.pl (BD), 2012

(Warszawa, BD) Die Kommission für Finanzaufsicht (PL: KNF) gab heute die Entscheidung bekannt, den Handel mit den Anteilscheinen der Gesellschaft Atlantis an der Warschauer Wertpapierbörse GPW erneut vorübergehend zu verbieten. Dem Bericht der wyborcza.biz zufolge, wird dem Hauptinvestor Mariusz Patrowicz vorgeworfen, illegalen Handel mit eigenen Aktien der Gesellschaften innerhalb einer Holding betrieben und somit deren Aktienkurse in eigener Regie manipuliert zu haben.

Die KNF gab sich einen Monat Zeit, weitere Einzelheiten zu untersuchen, um besser zu beurteilen und mit der Absicht, die Investoren zu schützen.

 

Lohnt sich finanzieller Betrug?

Noch vor einigen Wochen war die (fehlende) Aktivität der KNF  im Falle der Firma AMBERGOLD (siehe unser Bericht) Gegenstand der Diskussion sogar im polnischen Parlament.

Die Abgeordneten der Opposition warfen der KNF und der Staatsanwaltschaft vor, zu wenig getan zu haben, um ‚ahnungslose‘ Bürger vor den betrügerischen Aktivitäten der Firma Ambergold zu schützen.

Schutz per Gesetz greift selten

Interessant ist dabei, dass die ‚EU-Richtlinie über Märkte für Finanzinstrumente‘ (eng: MiFID), die zur Aufgabe hat, Investoren zu schützen,  in der polnischen Gesetzgebung bereits voll implementiert ist.

Die Einführung der MiFID Richtlinie fand zwar später als im restlichen Europa statt. Der Hauptschwachpunkt liegt aber anderswo:  MiFID beschränkt sich auf derivative Produkte, die erweiterte Aufklärungsflichten über mögliche Risiken gelten weder bei ‚einfachen‘ Geldanlagen noch bei Versicherungen.

Der Schutz des Garantiefonds für Bankanlagen war im Falle Ambergold ebenfalls ausgeschlossen: Die Firma Ambergold war laut Handelsregister eine GmbH und keine Bank AG.

KNF immer gefragter

Die Anzahl der Vorfälle, wo die KNF aktiv werden muss, scheint über die ganze Breite der Finanzprodukte (Aktien, Invest. Fonds, Geldanlagen, Versicherungen) kontinuierlich zu steigen. Mit der wachsenden Marktreife scheint die Aufgabe, die Anleger zu schützen, immer komplexer.

Die Finanzaufseher müssen sich somit nicht nur um die Sicherheit und Stabilität der Finanzinstitute, sondern auch um die derer Kunden immer aktiver kümmern.

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