Welche Sportarten mögen die Polen: Eine subjektive Studie

Fahrrad fahren in Polen (Warschau). Photo: Polen.pl (BD)

Immer mehr Polen radeln gerne, wenn auch Fahrradwege oft noch fehlen.

(Warschau, BD) Wie sportlich sind die Polen, was treiben sie denn eigentlich gerne in ihrer Freizeit? Wir erlauben uns einen subjektiven Blick in die polnische Sportwelt, die natürlich auch recht vielfältig ist. Schaut man in die polnische Tagespresse oder die polnische Internet-Landschaft, sieht man schnell die schon zu erwartenden Favoriten: Natürlich, Fußball ist an erster Stelle. Genauer: Männer-Fussball. Aber es gibt auch mehr.

Auf den ersten Blick: Eher Monotonie

Eines der größten Sportportale in Polen heißt sport.pl – dort kann der geneigte Leser über (fast) alle Ligen der Welt lesen: Die spanische Liga, Bundeliga, italienische Liga und viele mehr. Versucht man aber, nur eine klitzekleine Spalte über Frauenfußball zu finden, heißt es: Fehlanzeige. Gleiches gilt für Sportarten wie Fechten oder Badminton.

Ausbleibende Erfolge polnischer Sportler auf internationaler Bühne könnten ein Grund für diese Ausrichtung sein. Eine Vermutung: Die polnischen Fans lieben es ersatzweise, die Erfolge der 70er-Jahre ins Gedächtnis zurückzurufen – und besonders lieben sie es, von Erfolgen während der anstehenden EM 2012 zu träumen.

Schaut man sich weiter um, so stellt man fest, dass auch Volleyball gerne gesehen und beschrieben wird: Eine ausführliche Berichterstattung jederzeit und überall. Allerdings ist zu erwähnen, dass diese Berichterstattung auch von guten Leistungen der Sportler aus Polen auf internationaler Ebene begleitet wird. Erstaunlich daher: Selbst ein Trainerwechsel bei der Nationalmannschaft wird zum Medienspektakel. Und das unabhängig davon, ob es sich um die Frauen- oder Herrenmannschaft handelt.

Natürlich bedeutet eine breite Berichterstattung nicht zwangweise, dass die eine oder andere Sportart auch aktiv betrieben wird. Als eine erste Indikation für das Interesse der Gesellschaft an diesen Sportarten darf man es trotzdem akzeptieren. Das finde ich jedenfalls.

Hype um Tennis und Formel 1

Verfolgt man diese Spur weiter, so scheinen Tennis und die Formel Eins im Kommen zu sein. Auch wenn die Polen nur sehr selten teuren Ferraris oder Automobile aus dem Hause Porsche fahren, so sind die Erfolge von Robert Kubica, einige gute Platzierungen polnischer Motorradpiloten bei der Rallye Dakar, Erfolge polnischer Fahrer beim Speedway und nicht zuletzt die regelmäßigen Formel-1-Berichte des privaten Senders Polsat Sport die vermutlich wichtigsten Gründe der steigenden Popularität der ‚Motor-Sportarten‘. Auch wenn man darüber streiten kann, ob das noch Sport im klassischen Sinne ist.

Beim Tennis sind als neue ‚Sterne‘ Łukasz Kubot und die Radwanska-Schwestern zu erwähnen. Mit ihren Erfolgen ergibt sich: Man spielt und schaut wieder Tennis, kommentiert oft vom alten Hasen Wojciech Fibak. Es könnte fast wie in Deutschland zu Zeiten Steffi Grafs und Boris Beckers zu sein; heute muss für TV-Tennisvergnügen in Polen allerdings schon in Bezahlfernsehen (Pay-TV) investiert werden.

Ja, wo laufen Sie denn?

Auch Laufen und Radfahren erfreuen sich steigender Beliebtheit. Zumindest, wenn man die Medien betrachtet. Für zahlreiche Aktivierungskampagnen für ‚Jedermann‘ hat sich unter anderem die Tageszeitung Gazeta Wyborcza engagiert. Die Muttergesellschaft AGORA S.A. betreibt sogar zwei Sonderportale zu diesem Thema im Internet: ‚Polska Biega‚ (‚Polen läuft‘) und ‚Polska na rowery‚ (‚Polen auf die Fahrräder‘).

Bewertet man nach der Anzahl der Events, bei denen man mitlaufen oder mitradeln darf, so scheinen immer mehr Polen die eigene Kondition und Gesundheit als wichtige Lebensqualitätsmerkmale einzustufen. Ergänzt man diese Beobachtung mit der steigenden Anzahl der Sportgeschäfte, bestätigt sich diese Annahme.

‚Dicke Kinder‘ auch in Polen

Die schon lange andauernde Diskussion um Studien, die zunehmend übergewichtige Kinder konstatieren, findet auch in Polen statt. Auch hier ist es offenbar statistische Tatsache: Immer mehr Schulkinder in Polen leiden an Übergewicht. Aber das ist wieder ein ganz anderes Thema. Als Fazit vorerst: Sport beginnt, sich durch die Gesellschaft zu ziehen – und das ist auch gut so.

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