Wen interessiert es, was die anderen über einen denken? – Ein Kommentar.

Deutsch-polnische Freundschaft (AK)

Die deutsch-polnische Freundschaft braucht gegenseitiges Interesse.

(Hamburg, JE) Heutzutage lassen wir uns gerne einreden, dass wir nicht so sehr auf das achten sollen, was andere über uns denken. Wichtig sei vielmehr, dass wir selber mit uns zufrieden seien. Selbstbewusst den eigenen Weg gehen, so lautet die Maxime.

Was auf individueller Ebene ein guter Leitsatz sein mag, kann jedoch auf gesellschaftlicher und politischer Ebene zum Problem werden. Ein Beispiel: Während die deutsche Regierung sich im eigenen Land als rigorose und erfolgreiche Euro-Krisenmanagerin feiern lässt, wachsen die Feindbilder gegen Deutschland in Staaten, die unter der vorgeschriebenen Sparpolitik massiv zu leiden haben. Doch geht man hierzulande darauf ein, macht man sich Sorgen, dass sich das Ansehen Deutschlands in Europa gerade rapide verschlechtert?

Eher nicht. Es paart sich Desinteresse an den betroffenen Gesellschaften mit einer ‚Selber-Schuld-Mentalität‘ – sollen sie doch die Suppe auslöffeln, die sich sich selber eingebrockt haben. Im übrigen machen wir es ja vor, wie es gehen kann und sollen die ‚Krisenstaaten‘ doch aufhören zu jammern und sich an deutscher Politik ein Vorbild nehmen. Empathie Fehlanzeige, dafür weit verbreitete Überheblichkeit.

Eine Ignoranz, die wir auch in Bezug auf unser Nachbarland Polen immer wieder feststellen. Während in polnischen Medien jede noch so kleine Meldung eines deutschen Mediums über das Land östlich der Oder aufgegriffen wird, interessiert man sich in Deutschland für das was in Polen über uns geschrieben wird gleich null. Und dass, obwohl in Polen vielmehr über Deutschland geschrieben wird als umgekehrt.

Und dabei geht es nicht um Meldungen a la „Deutsche Presse über Polen: so schlimm war es lange nicht“ (auf www.wprost.pl – gemeint war hier die wirtschaftliche Situation Polens), wie sie häufig in den polnischen Medien erscheinen. Nicht jeder mittelmäßige Artikel, der irgendwie mit dem Nachbarland zu tun hat, muss im jeweils anderen Land zur Kenntnis genommen werden. Doch ein bisschen mehr echtes Interesse würde man sich wünschen.

Das beste Beispiel lieferte vor kurzem ein Artikel aus der Gazeta Wyborcza, der für jede Menge Kommentare unter den polnischen Lesern sorgte. Der polnische Soziologie-Professor Andrzej Sakson bescheinigte darin den Deutschen eine immer noch weit verbreite Abneigung gegenüber seinen Landsleuten. Im Titel fragte die Zeitung: „Warum mögen sie uns nicht?“ Reaktion aus Deutschland: keine. Der Artikel, der uns eigentlich zu denken geben sollte, wurde schlicht nicht zur Kenntnis genommen. Wenn die Polen denken, wir mögen sie nicht, ist das ja schließlich nicht unser Problem…

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Comments
  1. perspektywa
  2. Jochen
  3. DerFelek
  4. Jens Hansel
  5. DerFelek
  6. Jens Hansel
  7. DerFelek
  8. Jens Hansel
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  10. Pole
  11. Jochen
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  15. Pole
  16. Jens Hansel

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