Wetter- und Gemüsediskussionen prägen Wahltag

Nebel und Sonne über der polnischen Ostsee. Foto: Polen.pl (JW)

Frühnebel am Wahltag in Polen?

(Berlin, JW) Über das Wahlergebnis berichteten wir bereits. Ein anderer Aspekt ist bei der Wahl in Polen allerdings aus unserer Sicht ebenfalls erwähnenswert: Die Art der Berichterstattung am Wahltag. Warum? Es gibt in Polen ein Gesetz, das Berichte und Prognosen über die Wahl am Wahltag verbietet. Die so genannte ‚cisza wyborcza‘ (Wahlruhe) regelt, dass 24 Stunden vor der Wahl, ab Mitternacht des Vortags, keine Berichte über die Wahl oder gar Prognosen erlaubt sind. Davon sind nicht nur Wahlforschungsinstitute und Zeitungen betroffen, sondern auch ‚private Medien‘. Dies führt zu teilweise abstrusen Diskussionen etwa in ’sozialen Medien‘ wie Twitter oder Facebook.

Gemüse und Wetter

Wer also am Wahltag einmal auswerten würde, welche Themen in Polen am meisten online diskutiert werden, wird sich wundern: Gemüsepreise oder Wetteraussichten stehen plötzlich ganz oben. Das liegt nicht daran, dass alle mit einem plötzlichen Wetterumschwung rechnen oder Sorge um einen drastischen Preisanstieg bei Karotten haben, sondern es sind ‚Ausweichmanöver‘. Mancher gibt so seine Auffassung zur Wahl-Lage oder seine persönliche Prognose zum Besten, ohne tatsächlich über diese zu schreiben.

Die Intention des Gesetzes ist sicherlich lobenswert: Man möchte vermeiden, dass kurzfristige Themen die Wahl stark beeinflussen, oder das Themen noch am Wahltag platziert werden. Auch soll der ‚Selbstverstärkung‘ von Trends entgegengewirkt werden. Die Theorie, dass Menschen eher so wählen wie die Mehrheit, könnte diesem Ansinnen zugrundeliegen.

Die Menschen, die die sozialen Medien nutzen, möchten offenbar ungern auf die Diskussion solch wichtiger Themen wie Wahlen verzichten. Auch ist vielleicht gerade durch das Verbot der Mitteilungsdrang größer als sonst. Darüber hinaus kennt ’social media‘ keine Nationalgrenzen, weshalb es unlogisch scheint, dass Teile der Welt online darüber diskutieren dürfen, andere aber wieder nicht. So oder so: Wer zukünftig bei Wahlen in Polen davon liest, dass ‚ein Tiefdruckgebiet aufzuziehen droht‘, weiß dies nun – möglicherweise – auch vielfältiger zu interpretieren. Es kann aber natürlich auch sein, dass es in der darauf folgenden Woche tatsächlich regnet. Wer weiß?

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