Wie Fotografen Geschichte erzählen

Lucy, Tadeusz Rolke. Foto: Tadeuz Rolke

Lucy, Tadeusz Rolke. Foto/Copyright: Tadeuz Rolke

Tadeusz Rolke und Chris Niedenthal erzählen Geschichte. Beide Männer, gefeierte Fotografen, dokumentierten die letzten 50 Jahre des vergangenen Jahrhunderts in Polen. Krieg, Ruinen, das Leben im Sozialismus sowie Mode, Kunst und Künstler bis hin zu Papst Johannes Paul II, dem Kriegszustand, dann Solidarność. Und schließlich dem Fall der Mauer. Sie fotografierten leidenschaftlich den Puls der Zeit. Dabei waren die zwei Fotografen manchmal selbst keine Beobachter sondern Teilnehmer am Verlauf der Geschichte. Zum Gespräch mit beiden Künstlern lädt die Buchhandlung ‚buch-bund‘ in Berlin am Montag, den 19.12.2011 um 19.oo Uhr ein.

 „Ich werde fotografieren“

Tadeusz Rolke, geboren 1929 in Warschau, begann mit der Fotografie in den 50er Jahren. Trotz seiner Deportation nach Deutschland als Zwangsarbeiter in die Nähe Berlins und seiner Haft im Jahr 1951 blieb der junge Mann stets davon überzeugt, irgendwann von der Fotografie zu leben. Eine seiner Anekdoten im Interview mit fototapeta unterstreicht den Willen des inzwischen erfolgreichen Fotografen. So kam es, dass er während seiner Zwangsarbeit in Deutschland gefragt wurde, wie er denn seinen Lebensunterhalt verdienen wolle, wenn er doch so faul und schwächlich sei. Entschlossen antwortete er damals: „Ich werde durch die Welt reisen und fotografieren“. Rolke hatte mit diesen Worten, wohl eher ungeahnt, seine Zukunft besiegelt. Mit dem Beginn seiner Tätigkeit als Fotograf arbeitet er für Zeitschriften im Bereich Tagesgeschehen, Mode und Kunst, wie „Stolica“, „Polska“, „Przekroj“ und „Ty i ja“. 1970 verließ er Polen im Zuge der Wirren um das Jahr 1968. Er ließ sich für zehn Jahre in Hamburg nieder und arbeitet unter anderem für den Stern. Gleichzeitig fotografierte er in dieser Zeit die Serie „Fischmarkt“. Gelobt von der Kritik, liegt in den Szenen der Mittelpunkt auf dem Spiel zwischen Händler und Käufer: nicht die kalte Marktwirtschaft, sondern das Leben miteinander. Heute arbeitet Rolke unter anderem für die bekannte Tageszeitung „Gazeta Wyborcza“.

 „Apokalypse now“

Chris Niedenthal, wurde im Jahr 1950 in London geboren. Unabhängig voneinander waren seine Eltern zu Beginn des Zweiten Weltkriegs nach Großbritannien ausgewandert. Mit elf erhielt er seine erste Kamera. Erfasst von der Leidenschaft, absolvierte er ein Studium der Fotografie am ‚London College of Printing‘. 1963 besucht er das erste Mal mit seiner Familie das Heimatland seiner Eltern. Zehn Jahre später beschloss er in Polen zu bleiben und sich dort niederzulassen. Niedenthal machte Bilder für Größen, wie ‚Newsweek‘, ‚Time‘ oder den ‚Spiegel‘. Er erhielt trotz des autoritären Überwachungsstaats den Status eines Auslandskorrespondenten für eine Agentur in Frankreich. Eine Legitimation, im Land hinter dem Eisernen Vorhang zu fotografieren. Eines seiner bekanntesten Motiven nahm er auf während des Kriegszustand 1981. Ein Panzer auf dem Vorplatz des Kinos ‚Moskwa‘ in Warschau. Im Hintergrund ein Kinoplakat mit der Ankündigung für den Film ‚Apokalypse now‘ von Francis Ford Coppola. Die Schwierigkeit bestand dabei weniger im schießen der Bilder, wie Niedenthal in einem Interview erzählt. Um den Film im Westen veröffentlichen zu können, suchte er am Bahnhof in Warschau nach Reisenden. Der Auftrag lautet: Mitnehmen und in Deutschland an die Agentur Niedenthals senden.

Die Fotografien überzeugen. vor allem aber auch die Fotografen. Die Geschichten, die Sie erzählen untermalen Sie mit Ihren Motiven. Die Interviews mit beiden Männern sind lesenswert und amüsant. Für Personen, die kein polnisch verstehen, bleibt ein Besuch der Buchhandlung ‚buch-bund‘ am Montag, den 19.12.2011 um 19.00 Uhr unumgänglich.

Quellen: Chris Niedenthal: Interview  auf Youtube.  Kleine Biografie. Interview fototapeta. Tadeusz Rolke: Biografie, Interview auf fototapeta. Organisation: Polnische Buchhandlung in Berlin „bund-bund„.

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