Wie man einen Schatz hebt: GFPS sucht Unterstützung für Deutsch-Polnische Bibliothek

Die Trauerhalle im Lilienkulturgarten (Foto: R. Sternberg)

Die Trauerhalle im Lilienkulturgarten (Foto: R. Sternberg)

(Berlin, FS) Wer in Deutschland studiert und sich für Polen interessiert, kommt an der GFPS nicht vorbei. Die „Gemeinschaft für studentischen Austausch in Mittel- und Osteuropa“, wie sie mit vollem Namen heißt, ist in zahlreichen Universitätsstädten mit osteuropäischem Bezug vertreten. Sie vergibt Stipendien an Studierende, die einen Teil ihres Studiums im jeweiligen Nachbarland verbringen wollen und wenn ich im Bekanntenkreis nachzähle, haben diejenigen, die die polnische Sprache am besten beherrschen, sie auf dem GFPS-Tandemkurs gelernt.

Vom Friedhof zur interkulturellen Begegnungsstätte

Die Berliner Stadtgruppe der GFPS ist seit einiger Zeit daran beteiligt, den Lilienkulturgarten in Berlin-Neukölln wiederzubeleben und ein multikulturelles Begegnungszentrum aus ihm zu machen. Aus dem Engagement ist die Idee erwachsen, auf dem Gelände eine deutsch-polnische Bibliothek der GFPS einzurichten, die der Öffentlichkeit zugänglich sein soll. Dafür bedarf es zunächst einiger Umbauten, zu deren Finanzierung die GFPS eine Crowdfunding-Kampagne ins Leben gerufen hat. Viele Unterstützerinnen und Unterstützer können dem Projekt mit einer kleinen Spende auf betterplace.org zum Erfolg verhelfen.

Wie die Idee entstand zur Bibliothek entstand, erklärte uns René Sternberg im Interview:

Wie kam es dazu, dass die GFPS auf dem ehemaligen Friedhof an der Lilienthalstraße aktiv wurde?

Das war Zufall. Über eine GFPS-Veranstaltung vor gut zwei Jahren kannten wir Lucyna Jachymiak Królikowska, die Präsidentin des polnischen Unternehmerinnenverbandes NIKE e.V. ist. Mit ihr saßen vor circa einem Jahr ein paar GFPSler zusammen und redeten über potenzielle gemeinsame Projekte. Dabei kamen 1 und 1 zusammen.

Einerseits erzählte sie uns von dem Lilienkulturgarten am Südstern in Berlin-Neuköln, den sie umgestalten darf. Andererseits schwelt in der GFPS schon seit längerem der Wunsch nach einer deutsch-polnischen Bibliothek, die es vor über 10 Jahren schon einmal in Freiburg gab. Wegen eines Brandes in dieser Bibliothek verstaubten die rund 1000 Bücher nun schon viele Jahre. Diesen ungenutzten Schatz wollen wir nun im Lilienkulturgarten wieder nutzbar machen.

Wie wird diese Bibliothek aussehen und was plant Ihr außerdem auf dem Gelände?

Der Lilienkulturgarten ist ein ehemaliger Soldatenfriedhof. Dieser soll in ein kulturelles Zentrum verwandelt werden. Herzstück ist eine von den Nationalsozialisten erbaute riesige Trauerhalle. Ein beklemmendes Gebäude, welches in seinen braunen Farbtönen im Inneren noch immer den Geist der Vergangenheit atmet. Diesen Geist wollen wir vertreiben.

Die ersten Renovierungsarbeiten (Foto: R. Sternberg)

Die ersten Renovierungsarbeiten (Foto: R. Sternberg)

Dazu haben wir vor, die Empore der Trauerhalle in eine Bibliothek und einen Begegnungsort zu verwandeln. Die Fläche des Raumes beträgt 70qm², weshalb er beide Funktionen bieten kann. Neben der Bibliothek werden wir den Raum für verschiedenste kulturelle Veranstaltungen und Projekte nutzten. Denkbar wären Filmabende, Lesungen, Seminar, Spieleabende, aber auch Veranstaltungen des Vereins wie Mitgliederversammlungen oder unsere Jubiläumsveranstaltung im nächsten Jahr.

Daneben entwickelt Frau Królikowska das Gelände fleißig weiter. Schon jetzt sind Künstler und Bands vor Ort und es finden regelmäßig Workcamps statt, um die Umgestaltung voran zu treiben.

Wer setzt sich bereits für die Einrichtung der deutsch-polnischen Bibliothek und für die Umgestaltung der Empore sowie der ehemaligen Trauerhalle aus der Zeit des Nationalsozialismus ein?

GFPS besteht aus vielen Stadtgruppen, die in Deutschland, Polen und Tschechien verstreut sind. Dieses Projekt wird primär getragen von der Berliner Stadtgruppe, da die Bibliothek ja auch dort entstehen soll. Bisher haben wir mit ca. 15 Personen an mehreren Wochenenden den großen Raum entrümpelt, gesäubert, ausgemessen und drei Mal gestrichen. Außerdem haben wir geplant, was wir noch brauchen, Angebote eingeholt und wie es weiter geht.

Unterstützt werden wir von Frau Królikowska und dem Vorstand von GFPS e.V. In Zukunft planen wir ein historisches Seminar, um die Geschichte des Ortes aufzuarbeiten. Dabei ist eine Kooperation mit Wissenschaftlern geplant. Die Entwicklung der Trauerhalle ist nicht einfach. Dies ist eine riesige Halle, in der dir der Größenwahn entgegen schlägt. Wir hoffen, dass wir aus der Perspektive der Jugend Anregungen geben können, um einen Weg zu gehen, bei dem die Geschichte nicht vergessen wird, aber einer Nutzung durch die Bevölkerung möglich ist.

Warum habt Ihr Euch für Crowdfunding entschieden, um Gelder zu akquirieren?

Es ist nicht so einfach, Fördergelder bei den üblichen Programmen für solche Infrastrukturmaßnahmen zu bekommen. Deshalb haben wir uns dieses Mal entschieden, einen anderen Weg auszuprobieren. Wir hoffen, dass möglichst viele Menschen honorieren, dass junge Menschen ein Stück Vergangenheit aufarbeiten und der Gesellschaft etwas bieten wollen. Bürger spenden ein wenig Geld und wir geben den Bürgern eine Bibliothek und ein Begegnungsort zurück. Dies ist unser Ziel.

Wie können Euch Interessierte weiterhelfen, wenn Sie kein Geld spenden können oder wollen?

Da gibt es zwei Möglichkeiten: Erstens suchen wir Bücher, die sich mit Polen oder den deutsch-polnischen Beziehungen beschäftigen. Zweitens können Ideen zur weiteren Nutzung des Raumes eingebracht werden. Wir sind immer offen für Kooperationen und gemeinsame Projekte.

Ist die Umgestaltung der Halle und die Einrichtung der Bibliothek die einzige Aktion, an der die GFPS derzeit arbeitet oder können Neugierige auch im Rahmen von anderen Projekten mit Euch in Kontakt kommen?

GFPS Logo

Die GFPS arbeitet an zahlreichen Projekten im deutsch-polnisch-tschechisch-belarussischen Kontext. Wir organisieren Städtetage, Tandemsprachkurse, Ausflüge, vergeben Stipendien und haben auch eine Vereinszeitschrift. Überall sind immer helfende Hände und neue Ideen gefragt. Eine Übersicht der Projekte befindet sich auf unserer Homepage: www.gfps.org.

Übrigens am 3.10. findet ab 17.00 Uhr ein kleines Herbstfest von GFPS im Lilienkulturgarten statt. Zu dieser Gelegenheit können sich Interessierte gerne anschauen, was wir im Lilienkulturgarten vorhaben und wie das Leben des Vereins aussieht.

Lieber René, vielen Dank für deine Antworten und weiterhin viel Erfolg mit dem Projekt!

Ihr könnt die GFPS bei der fälligen Erneuerung der Elektrik in der künftigen Bibliothek mit einer kleinen Geldspende unterstützen. Auf Wunsch erhaltet Ihr auch eine Spendenquittung. Alles weitere findet Ihr auf der Kampagnen-Seite auf betterplace.org.

René Sternberg ist Soziologe und Doktorand an der Universität von Magdeburg. Er engagiert sich im Rahmen seiner Aktivität bei der GFPS für die Gestaltung des Lilienkulturgartens und die Einrichtung der GFPS-Bibliothek.

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