Wie solidarisch ist Europa wirklich?

Brücke an der Grenze Görlitz - Zgorzelec. Foto: Polen.pl (JW)

Brücke an der Grenze Görlitz - Zgorzelec

(Warszawa, BD – Kommentar) Ein Thema schönreden: Viele Menschen meinen, dass Politiker genau das am Besten können. In Polen vertreten zurzeit auch viele Bürger diese Meinung, vor allem wenn es um das Thema ‚Euro-Einführung‘ geht. Oder um das Thema ‚Energiepreise‘. Wie sieht also die Wirklichkeit aus?

Euro, die Lösung?

‚Eine Währung- ein Europa‘ hieß es bei der Einführung der gemeinsamen Währung vor Jahren. Irgendjemand hat in der Zwischenzeit wohl vergessen, dass die Griechen fast zehn Jahre früher in die Rente marschieren dürfen, als der durchschnittliche Deutsche. Man fragt uns heute, wie solidarisch wir mit den Griechen noch sind. Aber viele stellen sich die Frage: Sind denn die Griechen überhaupt solidarisch mit uns Europäern?

Nordstream eröffnet

‚Die neue Gaspipeline Nordstream eröffnet..‘: Diese Schlagzeilen kann man in diesen Tage kaum übersehen. Merkel, Medvedew, Gazprom, BASF, GDF Suez of France, Gasunie… alle dabei.  Zufall, dass der große Freund von Frau Merkel, Herr Donald Tusk nicht dabei ist? Man baut doch immer zahlreiche Brücken über die Oder, immer lächelnd umarmend und Sonntagsreden schwingend? Einerseits freuen sich doch die Müllers und die Kowalskis, dass die Freundschaft so intensiv ist und die schwierige Geschichte längst vergessen scheint. Andererseits ist beim Projekt ‚Pipeline‘ von Zusammenarbeit keine Rede.

Energiepreise schwanken erheblich

Überraschenderweise („Ironiemodus„) erfahren wir heute über die polnische Presse, dass Anfang 2012 eine erneute Preiserhöhung beim Erdgas für polnische Haushalte ansteht. Weiter im Artikel der wyborcza.pl lesen wir konkrete und sehr interessante Zahlen: Deutschland zahlt durchschnittlich für einen Kubikmeter Gas aus Russland 271 USD, Polen dagegen 336 USD. Grossbritanien im Sonderangebot sogar 191 USD. Natürlich haben wir eine Marktwirtschaft und die Preise können schwanken. Aber wie erklärt sich das? Mit der Entfernung und den Transportkosten wohl kaum?

Gemeinsam einkaufen ?

Wenn kein böser Wille unterstellt wird, bleibt nur vorzuschlagen: Vielleicht könnte man beim Erdgaseinkauf gemeinsam einkaufen. Ein bisschen wie Loriot im Supermarkt: „Mein Name ist Europa, und ich kaufe hier ein.“ Die amerikanischen Meister des ‚gemeinsamen Einkaufens‘, die Firma Groupon – gerade erfolgreich an der Börse eingeführt – wird sicherlich ein paar heiße Tips für unsere Politiker bereit haben, wie man bessere Preise erreichen kann. Wenn man gemeinsam vorgeht. Wenn man will. Oder was darf Europa, und was nicht?

Wenn man etwas weniger gut von den Menschen denkt, könnte man auch auf diesen Gedanken kommen: Vielleicht geht es bei diesen Preisverhandlungen um etwas anderes als Geld, und keiner will darüber reden? Fast sarkastisch erscheint mir bei solchen Ereignissen die zurzeit vielbeschworene europäische Solidarität mancher Politiker. Aber ich gebe die Hoffnung nicht auf: Ich persönlich erwarte etwas mehr von den ‚Leadern‘ der EU-Staaten. Mehr als nur Schulterklopfen und Lächeln. Mehr ehrliche Solidarität. Nur das.

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Comments
  1. Gerold
  2. frank

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