Wieder ein Flugzeug abgestürzt?

Hbf Warschau renoviert. Die Wartezeiten sind die gleichen. Photo: Polen.pl (BD)

Renovierter Warschauer Hauptbahnhof: Die Wartezeiten an den Kassen sind noch die gleichen.

(Warszawa, BD – Kommentar) Wenn man von der Opferzahl liest, könnte man fast meinen, es sei ein Flugzeug in Polen abgestürzt. Allerdings ist es das nicht. Es war ’nur‘ ein beinahe typisches langes Wochenende. Obwohl das durch den Feiertag in Polen verlängerte Wochenende noch nicht ganz zu Ende ist, haben schon 42 Menschen ihr Leben verloren. Dazu kommen noch 354 Verletzte. 354!

Der Grund: Polnische Autofahrer machten sich landesweit auf den Weg, um mit ihren Familien die Familiengräber zu besuchen.

Fußgänger am Straßenrand in Lebensgefahr

Viele der Opfer vom Wochenende waren Fußgänger, die fast unsichtbar am Straßenrand unterwegs waren, heißt es in den Zeitungsberichten. Bei der Betrachtung der Zahlen sollte man auch nicht die 1.439 Fahrer dieses Wochenendes vergessen, die sich trotz Alkoholgenusses auf den Weg gemacht haben, wie die Zeitung gazeta.pl berichtet. Demnach wäre der Volkssport Nummer zwei in Polen: Trinken und trotzdem fahren. Leider werden bis Dienstag noch einige weitere Opfer hinzukommen.

Zug ist weiterhin eine schlechtere Alternative

Der Ausbau der Bahn-Infrastruktur geht nur langsam voran, worüber wir mehrmals berichteteten. Aktuelles Beispiel: Die Renovierung des Hauptbahnhofs Warschau (Polnisch: Dworzec Warszawa centralna) kostete rund 100 Millionen Złoty (ca. 23,2 Millionen Euro) und dauert seit Monaten an. Die Wartezeiten an den 16 Kassen betragen unverändert 40 Minuten in den Spitzenzeiten.

Was muss eigentlich passieren, um den Entscheidungsträgern in der Politik klarzumachen, dass viele Menschenleben zum Beispiel auch durch schnellere und günstige Züge gerettet werden können? Nach der letzten Flugzeugkatastrophe trauerte das Land eine Woche lang, der Staat zahlte Millionen an Abfindungen an Hinterbliebene. Warum geht man bei den Verkehrsopfern anders vor?  Sind diese Menschen und der Schmerz deren Familien weniger wichtig?

Ich kenne keine Antwort. Die Lösung ist weder schnell noch kostengünstig herbeizuführen. Sicherlich sind die Autofahrer oft zu schnell oder nicht ganz nüchtern unterwegs. Eine weitere Einsicht ist aber auch noch lange nicht da: Autoverkehr bringt nicht nur Lärmbelastung, Luftverschmutzung, und Staus. Er bringt auch imm Straßenverkehrsopfer. Leider wissen wir schon heute: Das nächste lange Wochenende wird kommen.

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  1. Gerold
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