Wird ‚Amber Gold‘ oder ‚Parabank‘ zum Unwort des Jahres?

Gdańsk (Dt: Danzig) ist die Stadt des Bernsteins (Amber) und Sitz von Amber Gold. Photo: Polen.pl (BD)

Gdańsk (Dt: Danzig) ist die Stadt des Bernsteins (Amber) und Sitz von Amber Gold. Photo: Polen.pl (BD)

(Warszawa, BD) Die Polen tun sich manchmal schwer mit dem Kapitalismus – und vor allem mit seinen Verlockungen und Tücken. Dies beschrieben wir bereits beispielhaft in unserem Artikel ‚Der Kapitalismusschnellkurs dauert an. Ein weiterer Fall in Polen schlägt nun in die gleiche Kerbe. Unter anderem ist die Firma Amber Gold aus Danzig, verwickelt auch in die wenig hervorzeigbaren Geschehnisse um die Fluglinie OLT Express (siehe unser Beitrag), auf dem besten Weg, ein schlechtes Beispiel abzugeben. Aber auch die Kontrollsysteme stehen in der Kritik.

Es ist nicht alles Gold, was glänzt

‚Es ist nicht alles Gold, was glänzt‘ ist wohl die Lehre für die Kunden des Danziger Unternehmens Amber Gold Sp. z o.o. (Deutsch: Amber Gold GmbH), das bis vor kurzem sagenhafte Zinssätze von 14 Prozent p.a. angeboten hatte. Die ‚gierigen‘ Banken wollen zur selben Zeit nur magere 6-7 Prozent zahlen, dachten sich scheinbar viele Anleger. Und sie legten in in Scharen bei Amber Gold Geld an. Einen Schaden von mindestes 130 Millionen Złoty beziffert die Staatsanwaltschaft Gdańsk (Danzig), glaubt man den Anzeigen der unzufriedenen Kunden, die sich vom Geschäftsführer Marcin Plichta geschädigt fühlen und bis heute auf die Rückzahlung der Geldmittel warten.

Selbst schuld?

Selbst schuld – könnte man fast sagen. Wer einer GmbH einen Kredit gewährt oder Geld anvertraut, das in Gold und Platin investiert werden sollte, verzichtet doch freiwillig auf die Garantie des Bankgarantiefonds, der private Geldanlagen der Banken bis zu 100.000 Euro absichert.

Das allerdings ist nur die halbe Wahrheit. Die bankähnlichen Aktivitäten, darunter ‚die Annahme von Kundengeldern‘ beziehungsweise ‚Geldanlagen‘ ist in Polen nur den ‚echten’Banken vorbehalten. Die Kreditinsitute unterliegen der Finanzaufsicht, die zur Zeit in Form der Finanzaufsichtkommision (Polnisch: Komisja Nadzoru Finansowego, KNF) funktioniert. Etliche Vorschriften regeln detailliert die Qualität und die Quantität der Eigenkapitalausstattung der Banken. Die Kreditvergabepolitik wird ebenfalls durch so genannte Empfehlungen der KNF an die Banken (Polnisch: rekomendacje) beeinflusst. Verschiedenen kleinere Aufgaben, inbesondere bei der Qualitätsicherung des Zahlungsverkehrs und den Mindestreservevorgaben, nimmt auch die polnische Nationalbank NBP wahr. Somit werden also auch so genannte ‚Parabanken‘ neben dem eigentlichen Bankwesen in gewisser Weise kontrolliert.

Die Rechtslage ist damit klar – oder?

Gerade bei der Einstufung des Deliktes und den allgemeinen Sorgfaltspflichten der Kontrollorgane zeigte das polnische System erhebliche Schwächen.

Homepage des Finanzdienstleisters Amber Gold aus Danzig. Quelle: ambergold.pl

Homepage des Finanzdienstleisters Amber Gold aus Danzig. Quelle: ambergold.pl

Marcin Plichta, der 29 Jahre alte Geschäftsführer von Amber Gold, wurde bereits neun Mal gerichtlich verurteilt (Vollzug aufgeschoben) und war drei mal inhaftiert, schreibt die Gazeta Wyborcza. Mit dieser Vergangenheit hätte er gar keine GmbH gründen dürfen und eine der Strafen hätte vollzogen werden müssen. Das Problem: Die Gerichte in Polen haben dazu nicht miteinander kommuniziert.

Eine Ursache für das ökonomische Desaster nicht nur für die Anleger, sondern auch für Beschäftigte und Betroffene des Falles Amber Gold ist daher, dass die polnischen Gerichte weder bei der Registrierung einer GmbH noch nachträglich ein polizeiliches Führungszeugnis oder Führungsnachweise anderer Art verlangen.

KNF war schon 2009 aktiv

Bereits in 2009 stufte die polnische Finanzaufsicht KNF die Aktivitäten von Amber Gold als bankähnliche Geschäfte ein und zeigte dies bei der Staatsanwaltschaft Gdańsk (Danzig) an. Die von jeder Bank gefürchtete KNF wirkte bei dieser Aktion allerdings eher harmlos. Außer der Anzeige an die Staatsanwaltschaft wurde der Name von Amber Gold auf eine ’schwarze Warnliste der KNF‘ gesetzt. Das bekommen aber nur Anleger mit, die aktiv im Internet nachsehen.

Staatsanwaltschaft tatenlos

Was machte die Staatsanwaltschaft mir der Anzeige der KNF, stellt sich zu guter Letzt die Frage. Diese lehnte es zunächst ab, ein Verfahren einzuleiten. Auf ein erneutes Ersuchen der KNF leitete es ein solches ein und tat dann aber nichts mehr.

Der Oberstaatsanwalt Seremet stellte am Montag einen Antrag, den Bezirksstaatsanwalt aus Danzig zu suspendieren, heisst es in der Presse. Mehrere Ermittlungen gegen Amber Gold laufen zur Zeit. Ein Vermögen von ca. 40 mio. Złoty sei sichergestellt worden. Die Aktion scheint allerdings ziemlich verspätet zu sein. Der finanzielle Schaden wird bleiben. Und die Frage: Welche ‚Parabank‘ zieht die Kunden als nächste an?

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  1. Hauke
  2. Bartek
  3. Dr. hc. Michael Eidel

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