Zawieszona kawa – „Aufgeschobene“ Kaffees auch in Polen

Zawieszona kawa - Aufgeschobener Kaffee

Zawieszona kawa – Aufgeschobener Kaffee

(Bottmingen, HF) Ein Kunde kommt ins Café und bestellt zwei Kaffee, zahlt, trinkt einen und den zweiten lässt er „aufschieben“. Worum geht es? Unter dem Motto „Gebe, wenn du kannst, nimm, wenn du willst“ („Podaruj jeśli możesz, weź jeśli chcesz“) verbreitet sich in Warschau und in anderen Städten der Brauch, Kaffees „aufzuschieben“. Die Kunden im Café zahlen im Voraus für einen zusätzlichen Kaffee (zawieszona kawa), den sie nicht zu trinken beabsichtigen. Es ist für jene gedacht, die sich einen Kaffee für 8, 10 oder 12 Zloty nicht leisten können.

Diese Tradition, die in Italien unter dem Namen „caffè sospeso“ bekannt ist, stammt ursprünglich aus Neapel. Sie wurde dort viele Jahre gepflegt; allerdings nahm die Bereitschaft dazu in letzter Zeit etwas ab. Seitdem aber im Jahr 2008 der Schriftsteller Luciano De Crescenzo unter dem Titel „Il caffè sospeso“ eine Serie von Zeitungsartikeln mit Anekdoten zum Thema verfasste, lebt die Tradition langsam wieder auf. Der Brauch eines caffè sospeso wird auch in Bulgarien, Kiev, Melbourne, Québec, Russland, Spanien und Argentinien gepflegt.; er wird häufig als Symbol für eine soziale Solidarität von unten verstanden.

Verbreitung in Polen

Als die Aktion vergangenes Jahr anfing, waren die polnischen Kaffeehausbesitzer überaus skeptisch. Nach anfänglichem Zögern finden sich jetzt aber zunehmend gastronomische Betriebe, die mitmachen. Wie die Gazeta Wyborcza berichtet, funktioniert das System in Polen gut. In 50 polnischen Städten kann man bereits in 128 Cafés einen kawa zwieszona trinken. In Warschau sind es 14, in Krakau und Lublin je fünf Cafés, die mitmachen. Und die Zahlen steigen weiter. Dabei ist auch ein qualitativer „Ausbau“ mit Tee und Sandwichs möglich.

Angabe der verfügbaren Gratiskaffees (zawieszona kawa) auf einem Fest

Angabe der verfügbaren Gratiskaffees (zawieszona kawa) auf einem Fest

Die Aktion nimmt Fahrt auf

Viele sind davon begeistert, dass sie mit einer so kleinen Summe jemandem eine Freude machen können. In Lublin haben die Besitzer einer Pizzeria lange in Rom gewohnt und den caffè sospeso mit zu sich nach Ostpolen genommen. Auch hinter der Grenze, in der Ukraine ist der „aufgeschobene Kaffee“ weit verbreitet. Er war es sogar schon, bevor die Idee Polen eroberte; dort sind es nicht nur Cafés oder Restaurants, wo „aufgeschoben“ wird, sondern auch Buchhandlungen und Apotheken. Wer interessiert sich für einen „aufgeschobenen“ Kaffee? Häufig melden sich Kunden, denen gerade Geld fehlt. Viele von ihnen sind Studenten.

Der „verschobene” Kaffee hat bereits seine polnische Internetseite: www.zawieszonakawa.eu und ein Facebook-Profil, wo die die Aktion schon fast 13 ooo Leute geliked haben.

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