Zeigt Platini Biedronka die rote Karte?

Promenade am Motlawa Fluss in Gdańsk (Danzig). Foto: Polen.pl (BD)

Auch Danzig, die Geburtsstadt der Solidarnosc, ist Austragungsort der Euro 2012. Foto: Polen.pl (BD)

(Bremen, JE) In der Affäre um nicht verlängerte Arbeitsverträge von Gewerkschaftsmitgliedern beim polnischen Discounter Biedronka (Polen.pl berichtete) könnte es ein Nachspiel für die seit längerem in der Kritik stehende Supermarktkette geben. Der Grund: Piotr Duda, Vorsitzender des Gewerkschaftsbundes Solidarność, wandte sich per Brief an keinen geringeren als UEFA-Präsident Michel Platini, um sich über die Praktiken des Konzerns zu beschweren. Sie würden ‚einen Schatten auf die Vorbereitungen der Euro 2012 werfen‘, zitiert gazeta.pl. Biedronka ist offizieller Sponsor des Polnischen Fussballverbandes, dem Mitausrichter der Europameisterschaft im kommenden Jahr. Platini hat den Gewerkschaftschef daraufhin zu einem Treffen am 9. März im UEFA-Hauptquartier im schweizerischen Nyon eingeladen.

Euro als Chance

Hat Biedronka nun ernste Konsequenzen zu befürchten? Eher nicht, wiegelt der Pressesprecher des Sportministeriums Jakub Kwiatkowski ab. Platini würde sich nicht für den polnischen Arbeitsmarkt interessieren, sondern lediglich seine Achtung vor der traditionsreichen Solidarność zum Ausdruck bringen wollen. Doch auch dieser geht es nicht ausschließlich um die ‚Sache Bierdronka’. Die Euro 2012 möchte man nutzen, um Werbung in eigener Sache zu machen. Die polnischen Gewerkschaften kämpfen gegen den Verlust von Mitgliedern und politischen Einfluss. Keine Frage: Die erhöhte Aufmerksamkeit rund um das Riesenevent Fussballeuropameisterschaft ist für sie eine große Chance. Eine – wenn auch nur symbolische – Unterstützung von Platini und der UEFA wäre dabei Gold wert. Duda wünscht sich beispielsweise, dass die historische Rolle der Solidarność in den von der UEFA zur Euro herausgegebenen Broschüren thematisiert wird. Die ‚gefeuerten’ Biedronkamitarbeiter dagegen sollten lieber nicht zu viel von der Audienz beim obersten europäischen Fussballfunktionär erwarten.

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