Zeugen des Alltags: ‚Naive Kunst‘ aus Polen

Koketter Hahn. Photo: Polen.pl (MST)

Koketter Hahn. Die Sammlung Hans-Joachim und Christina Orth.

(Köln, MST) ‚Die naive Kunst aus Polen‘ ist zu Gast bei den Lindernern Kulturwochen, die vom 18. Juni bis zum 31. Juli 2011 stattfinden. Holzskulpturen, Gemälde und Stickarbeiten gewähren dem Publikum einen Einblick in den Alltag unseres östlichen Nachbarlands im 20. Jahrhundert. Im Rahmen der Ratspräsidentschaft Polens in der Europäischen Union im Juli 2011 ermöglicht die ‚Stiftung Preußischer Kulturbesitz‘ die Leihgabe des ‚Museum Europäischer Kulturen‘ in Berlin an die ‚Galerie Lindern‘.

Die Sammlung polnischer Volkskunst umfasst 300 Objekte, die vom Ehepaar Orth zwischen 1960 und 1980 zusammengetragen wurden. Einen Teil der Plastiken und Gemälde kaufte das ‚Museum Europäischer Kulturen‘ den Sammlern ab, während die restlichen Ausstellungsstücke in Berlin als Dauerleihgabe der Museen der Stadt Nürnburg aufbewahrt werden. Die Hauptstadt verfügt somit über die wohl größte Sammlung polnischer Volkskunst außerhalb Polens selbst. Die Arbeiten stammen von insgesamt 65 Künstlern aus dem ganzen Land und bestechen durch ihre Kreativität, Ausdrucksstärke und Vielfältigkeit. Die Plastiken und die Malerei sind direkte Zeugen der damaligen Bilderwelt der ländlichen Bevölkerung. Das Arbeiten mit Holz war traditioneller Zeitvertreib während der kalten Monate. Die Laienkünstler, die selten eine klassische künstlerische Ausbildung erhalten haben, bildeten ihre Empfindungen, ihre Sehnsüchte und religiöse Schlüsselszenen in einer eigenen Interpretation ab.

Sehnsucht nach dem Paradies

Blumenmädchen, alte Weiber, musizierende Engel, Tiere, Pflanzen und Christus sind typische Motive. In den Abbildungen der prächtigen Natur ist die Sehnsucht nach dem Paradies zu lesen. Vögel sind als Sinnbilder für die Verbundenheit zwischen Mensch und Gott zu verstehen. Neben Holzfiguren, die den polnischen Alltag auf dem Land abbilden, gibt es auch Plastiken, die zum Beispiel Frédéric Chopin oder Nikolaus Kopernikus darstellen. Andere Themen, die von den ’naiven Künstlern‘ behandelt wurden, sind das Elend des 2. Weltkriegs und das Zusammenleben mit den jüdischen Nachbarn.

Die Eröffnung der Ausstellung findet am 17. Juni, um 18.30 statt. Die Galerie Lindern präsentiert dann eine Auswahl von 130 Objekten der polnischen Volkskunst aus Berlin und zeigt Plastiken aus Holz von Adam Zegadlo und Stanislaw Denkiewicz. Weiterhin sind Gemälde von Wladyslav Rybkowski ausgestellt und Stickbilder von Lucja Mieckiewitz, die mit Nadel und Faden ihren eigenen Weg in der ’naiven Kunst‘ gefunden hat.

Mehr Informationen auf der Internetseite der Galerie Lindern

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