Wie tief werden die Zinsen in Polen noch fallen?

 

Der Referenzzinssatz der polnischen Nationalbank NBP betrug im Oktober noch 4,75%. (Quelle: www.nbp.pl)

Der Referenzzinssatz der polnischen Nationalbank NBP betrug im Oktober noch 4,75%. (Quelle: www.nbp.pl)

(Warszawa, BD) Die Entscheidung des geldpolitischen Rates in Polen (RPP), den Schlüsselzins um 0,25 Prozentpunkte auf 4,25 Prozent zu senken, überraschte kaum. Die Bekanntgabe des neuen, niedrigeren Zinssatzes erfolgte wie immer nach einer zweitägigen Sitzung, die wie üblich am ersten Mittwoch des Monats zu Ende ging. Sie sollte auf jeden Fall zum Nachdenken anregen.

Achtung, wir bremsen

Fakt ist: Allen Marktteilnehmern ist klar, dass die Wirtschaft Polens sich deutlich auf Bremskurs befindet. Eine wichtige Kennzahl, die den Zustand der Wirtschaftsdynamik bezeugt, wurde genau vor einer Woche bekannt: Das Bruttoinlandsprodukt im dritten Quartal 2012 wuchs nur noch um 1,4 Prozent. Ähnlich sieht mit den Zahlen für den Privatkonsum aus: Dieser stieg im November nur noch um 3,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Die Hauptfragen der aktuellen Diskussion in den Medien lauten deshalb: Wie stark wird die Wirtschaftsdynamik in 2013 fallen und wie wird sich die Höhe der Steuereinnahmen entwickeln? Außerdem fragen viele, ob denn nicht jetzt der Zeitpunkt gekommen sei, die Eckdaten der Budgetplanung 2013 zu korrigieren.

Doch eine Rezession?

NBP– und RPP-Chef Marek Belka sagte allerdings während der abschliessenden Pressekonferenz nach der RPP-Sitzung, er erwarte keine Rezession für Polen in 2013. Gleichzeitig gab er aber zu, der RPP wolle im Januar die Zinsen noch mal senken, wahrscheinlich wieder um 25 Basispunkte. Natürlich muss Belkas Zweitstimme bei der Entscheidung des RPP nicht entscheidend sein. Man geht aber davon aus, dass er die Stimmung des gesamten Gremiums korrekt wiedergegeben habe: Eine Senkung auf 4,00 Prozent im Januar gilt daher als sicher.

Bedeuten tiefe Zinsen gleich mehr Wachstum?

Es gibt aber auch Experten, die den Sinn weiterer Zinssenkungen bezweifeln. Billigeres Geld muss nicht zwingend die Bereitschaft zum Konsum oder zum Investieren mit sich bringen, argumentieren die Gegner billiger Kredite. „Wer Angst hat, seinen Arbeitsplatz zu verlieren, nimmt keine Baufinanzierung auf und kauf sich kein neues Auto auf Kredit…oder:  Ein Unternehmer wird kaum neue Arbeitsplätze schaffen, wenn er weiterhin stabile Wirtschaftperspektiven vermißt„, hört man von den Skeptikern der weiteren Lockerung der Geldpolitik.

RPP bleibt ein Gremium

Ein anderes RPP-Mitglied, Dariusz Filar, schliesst dagegen weitere Senkungen aus.  Er gehört zu dem Typ von RPP-Mitgliedern, die immer wieder unterstreichen, die Aufgabe des RPP sei es vor allem, die Inflationsrisken zu bekämpfen – und eben nicht nur Rahmenbedingungen für ein Wirtschaftswachstum zu schaffen.

Raum für Senkungen ist da

Schaut man sich die tatsächlich gemessene Inflation an, die die Konsumenten spüren, hat der RPP durchaus Raum für Zinssenkungen. Die entsprechende Zahl betrug im Oktober 3,4 Prozent, im November werden 2,9 Prozent erwartet (jeweils gegenüber dem gleichen Zeitraum in 2011).

Die Eigentümer der Złoty-Hypothekenkredite freuen sich auf jeden Fall: Die Höhe der künftigen Kreditraten wird sinken, denn die Benchmark-Zinsmarken WIBOR (Warsaw Interbank Offered Rate) reagierten bereits. Die Fixierung der Zinssätze bei privaten Baufinanzierungskrediten bleibt in Polen weiterhin ein unbekannter Begriff.

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