Złoty-Kurzbericht: Im Osten wenig Neues

euro zloty fixingkurs nbp

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(Warszawa, BDZ) Die polnische Währung notiert seit mehreren Monaten innerhalb einer relativ engen Bandbreite zwischen 4,10 und 4,35 Złoty für einen Euro.

Dem gegenüber schwankte während der letzten 12 Monate der Preis des US-Dollars mit Werten zwischen 3,05 und 3,40 Złoty deutlich stärker.

Makrodaten leicht positiv

Dabei zeigen letzte Veröffentlichungen der Wirtschaftsdaten Polens  eine leicht positive Tendenz: das Hauptamt für Statistik (GUS) vermeldete am Dienstag im Jahresvergleich einen Anstieg der im Juli verkauften Industrieproduktion um 6,3 Prozent. Gegenüber dem Vormonat Juni 2013 stieg dieser Wert immerhin um 1,5 Prozent.

Finanzminister Rostowski unter Beschuss

Über eine deutliche Verbesserung der wirtschaftlichen Lage würde sich mit Sicherheit auch der polnische Finanzminister freuen. Anders als in Deutschland fehlen der Staatskasse Polens Mittel, die für 2013 bereits eingeplant waren.

Der Hauptgrund dafür sind fehlende Einnahmen, vor allem aufgrund des verminderten Konsums aus der Mehrwert-, aber auch aus der Unternehmensteuer. Der Staatshaushalt musste deshalb neu geordnet werden – was einer kleinen Niederlage für den allseits geachteten Finanzminister gleichkommt.

Minister Rostowski schaffte sich kürzlich auch unter seinen liberalen Stammwählern Gegner; seine Pläne, den Staatshaushalt mit einer Verstaatlichung des privaten Teils der Rentenversicherung (OFE) zu sanieren, kritisierten viele seiner früheren Befürworter scharf, darunter Leszek Balcerowicz. Sie halten den Plan für einen Betrug an den privaten Sparern.

Von mehreren Zeitungen wurde Rostowski daraufhin so stark als Rücktrittskandidat gehandelt, dass sich Ministerpräsident Donald Tusk gezwungen sah, per Twitter eigenhändig eine Entlassung Rostowskis zu dementieren.

Opposition will die sich verschlechternde Lage nutzen

Die Opposition erkennt ihre Chance und will die schlechte Stimmung unter den Wählern nutzen. Schon für den September planen mehrere Gewerkschaften, darunter die durch die oppositionelle Partei PiS (Recht und Gerechtigkeit) unterstützte Solidarność-Bewegung, eine breit angelegte Demonstration in Warschau.

Ohne eine grössere Chance darauf, im polnischen Parlament Mehrheiten zu gewinnen, übte sich PiS vor einem Monat im „lokalen Widerstand“. Während einer Unterschriftenaktion waren bereits über 100.000 Warschauer bereit, über die politische Zukunft der Warschauer Stadtpräsidentin Hanna Gronkiewicz-Waltz in einer Volksabstimmung zu entscheiden. Die Stadtpräsidentin wird als stellvertretende Vorsitzende der Bürgerplattform (Platforma Obywatelska) als enge Vertraute von Ministerpräsident Tusk angesehen (PiS nennt sie ‚Tusk im Rock‘).

Im September nächste Sitzung des Rates für Geldpolitik

Diese politischen Spiele scheinen die Złoty-Investoren kaum zu interessieren. Die Renditen der polnischen Anleihen sind zwar leicht gestiegen: die liquideste Złoty-Anleihe mit einer Laufzeit von zehn Jahren bringt zur Zeit jährlich etwa 4,4 Prozent Zinseinkünfte. Der polnische Finanzminister hat aber weiterhin keine Probleme, neue Kaufwillige für seine Schuldverschreibungen zu finden.

Neue Signale könnte man eher von der Septembersitzung des Rates für Geldpolitik (RPP) erwarten, der nach der Urlaubspause im August wieder zusammentrifft. Aber auch der RPP sowie der Nationalbankchef (NBP) Marek Belka besitzen dabei nur wenig Spielraum, um die polnischen Unternehmen mit geldpolitischen Instrumenten zu unterstützen. Die Zinsen befinden sich bereits auf einem historischem Tiefstand von 2,50 Prozent.

 

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