Inflation steigt, Złoty verliert

Euro Zloty Report. Grafik: Polen.pl (JW)

Euro Złoty Report. Grafik: Polen.pl (JW)

(Warszawa, BD) Die Höhe der Jahresinflation überraschte einige Marktteilnehmer, die in einer Umfrage ein Niveau von 4 Prozent prognostiziert hatten. Die Größe, gemessen im Oktober vom Hauptamt für Statistik GUS, betrug 4,3 Prozent. Das ist deutlich über der vom Rat für Geldpolitik RPP  angestrebten Zielgrösse von 2,5 Prozent +/- 1 Prozent .

Zinsdifferenz unverändert gross

Diese Messung dämpft deutlich die Hoffnung, dass der Schlüsselzins bald gesenkt werden könnte (aktuelle Höhe 4,5%) . Die stabile Zinsdifferenz zugunsten des Złoty müsste, von der klassischen Theorie her, die Attraktivität der polnischen Währung verstärken.

Złoty trotzdem unter Druck

Die aktuelle Situation auf dem polnischen Währungsmarkt spricht aber momentan eine andere Sprache. Der Złoty befindet sich unter leichtem Druck und verlor am Mittwoch etwa 2 Groschen gegenüber dem Euro und bis zu 4 Groschen gegenüber dem US-Dollar. Nicht viel geholfen hat die leichte Entspannung in Italien, wo die Rendite der 10-jährigen Anleihen sich wieder der 7% p.a.- Marke angenähert hatte und Machtübernahme durch die neue Regierung Montis nur eine Frage von Stunden zu sein scheint.

Polnische Banken haben zwar kaum griechische noch italienische Anleihen in ihrem Besitz und lieferten zudem gerade beste Quartalsergebnisse in ihrer Geschichte (bspw. PKO BP ). Dies half nicht viel: Gestern senkte die Ratingagentur Moody’s die Aussichten des polnischen Bankensektors auf ’negativ‘. Die meisten Analysten reagierten mit Unverständnis für diese Zensur.

Tusks Exposé am Freitag richtungsweisend?

Sicherlich wird der Spielraum der neuen Regierung bei nur leichtem Zuwachs des  Bruttosozialproduktes Polens in 2012 deutlich enger und Donald Tusk wird nach neuen Möglichkeiten suchen müssen, um Geld in dem neuen Haushaltsbudget zu sparen.

Mehr zu den neuen Ideen von Donald Tusk werden wir am Freitag erfahren: in seinem Exposé wird der alte und neue Regierungschef die Grundpfeiler der Politik seiner neuen Regierung für die nächsten vier Jahre darstellen. Die ersten seiner Ideen klingen nicht ganz so optimistisch: Es soll breit gespart werden. Allerdings nicht an dem Staatsapparat, sondern bei der Bürgern alleine. Die Abschaffung der Möglichkeit einer gemeinsamen Steuerabrechnung bei Eheleuten sowie die Aufhebung des Kindergeldes für das erste und zweite Kind wird in den heutigen Zeitungsberichten als möglich bezeichnet. In einem ironischen Wort: Verstärkte Familienpolitik pur.

Wachstum des Bruttosoziaprodukts – oder Rezession?

Schaut man sich die Entwicklung der Verschuldung europäischer Staaten wie Griechenland, Portugal, Irland oder Italien an, so sind die Perspektiven für 2012 nicht ganz rosig. Durch die enge Verflechtung innerhalb der EU könnte auch die deutsche Wirtschaft darunter leiden.

Die polnische, durch die Verfassung geschützt politisch unabhängige Nationalbank NBP erwartet immerhin einen Zuwachs des Bruttosozialproduktes Polens in 2012 auf dem Niveau von 3,1% . Andere Prognosen reichen aber von 4% (rein staatliche Bank BGK) bis zu 2,3% (französische Bank BNP Paribas). Sollte die ökonomische Lage Deutschlands, des größten Abnehmers polnischer Waren, eine deutliche Verschlechterung in 2012 erfahren, so wird das sicherlich nicht ohne Einfluss auch auf die Lage polnischer Exporteure bleiben.

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