Euro Złoty Bericht: Złoty unter Beschuss

Euro Złoty Report. Grafik: Polen.pl (JW)

Euro Złoty Report. Grafik: Polen.pl (JW)

(Warszawa, BD) Am Dienstag meldete sich das in Warschau ansässige Hauptamt für Statistik (GUS) wieder einmal mit aktuellen Marktdaten zu Wort. Eine der wichtigsten Informationen: Die Jahresinflation, gemessen im April 2012, stieg leicht von 3,9 Prozent im März auf 4,0 Prozent im Mai 2012.

Auch wenn der Anstieg nur geringfügig erscheint, wirkt die Richtung der Entwicklung doch etwas überraschend. Die breite Mehrheit der Analysten sagte ein Plus von 3,9 Prozent voraus. Man ging von einer leichten Beruhigung der Inflationslage aus, da die Erhöhung der Mehrwertsteuer von 2011, die im vergangenen Jahr als einer der Gründe für einen sprunghaften Anstieg der Preise angesehen worden war, in 2012 ja nicht mehr stattfand.

Zinserhöhung doch sinnvoll?

Vor diesem Hintergrund scheint die Entscheidung des Geldmarktgremiums (RPP) zur Zinserhöhung aus der vorigen Woche verständlicher. Marek Belka, Chef der polnischen Zentralbank (NBP) und des Geldmarkrates RPP, zeigte sich in einem Interview besorgt über das weiterhin hohe Inflationsniveau. 2,5 Prozent (+/1 1 Prozent) ist das Inflationsziel, dass die NBP anzusteuern hat.

Vor laufenden Fernsehkameras kritisierte dagegen der Wirtschaftsminister und Vizepremier Waldemar Pawlak die Zinsanhebung von 4,50 auf 4,75 Prozent. Der PSL-Politiker (Bauernpartei) bezeichnete diese Entscheidung, die Refinanzierung für die Banken zu verteuern, als einen Dolchstoß in den Rücken der schwächelnden Wirtschaft.

Laut Prognosen soll Polen, trotz der instabilen Wirtschaftslage weltweit, ein BIP-Wachstum von 2,5-3 Prozent in 2012 erfahren.

Tatsächlich zeigen aber die Konsumzahlen und einige andere Indikatoren für das Verbrauchervertrauen, dass die polnische Wirtschaft, die oft als stark konsum- und exportabhängig bezeichnet wird , zur Zeit kontinuierlich an Schwung verliert. Freuen muss daher das unerwartet stabile Wachstum der deutschen Wirtschaft – des wichtigsten Abnehmers polnischer Exporte – im ersten Quartal 2012: Dieses stieg um 0,5 Prozent gegenüber dem letzten Quartal 2011.

Polnische Währung bleibt unter Beschuss

Der Złoty befindet sich seit dem erneuten Entflammen der Krise in Griechenland Anfang Mai unter starkem Beschuss. Der Euro verteuerte sich sichtbar von 4,1550 auf 4,35 innerhalb von zwei Wochen. Auch der Wahlausgang in Frankreich beunruhigte die Investoren zunächst. Die Ankündigung des Finanzministerium, Hartwährungen direkt im Interbankenhandel zu veräußern, um dem Złoty unter die Arme zu greifen, half nur wenig. Das Scheitern der Regierungsbildung in Griechenland stimmte die Złoty-Investoren noch negativer und schwächte den Złoty zunehmend.

Markdaten (15.05.2012, 16h20)

Forex:  EUR kostete 4,354 Złoty,  USD kostete 3,405 Złoty, CHF stief auf 3,626 Złoty.

Zinsen: Wibor 1M 4,91%; 3M 5,06%; 6M 5,10% 12M 5,10% (% p.a., act/365Tage)

PL-Anleihen:5Y 5,06%, 10Y 5,50% (% p.a., act/365Tage)

 

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