Złoty-Kurs in Unruhe: Gründe und wirtschaftspolitische Reaktionen

Euro Złoty Report. Grafik: Polen.pl (JW)

Euro Złoty Report. Grafik: Polen.pl (JW)

(Warszawa, BDZ) Es war lange Zeit so schön, so gemütlich und so ruhig auf dem Währungsmarkt. Die Importeure waren glücklich, die Exporteure einigermaßen zufrieden. Höchstens eine Gruppe konnte klagen, und zwar die der Devisen-Spekulanten: Die Preisstabilität des Euro-Złoty Kurses konnte einen spekulativ eingestellten Devisenhändler fast zur Verzweiflung treiben. Doch nun wird alles anders, scheint es.

Das Kennzeichen für die lange Ruhe ist an Zahlen abzulesen. Es ist die enge Kursbandbreite zwischen 4.05 und 4.20, die der Euro-Złoty-Kurs die letzten sechs Monate nicht verlassen wollte. Monatelang tat sich also nicht viel am Zloty-Kurs.

Die Ruhe auf den Devisenmärkten ist wohl vorbei

Als Anfang Mai die Kursgrenze von 4,20 Złoty für einen Euro zum ersten Mal überschritten wurde, erschienen die ersten negativen Kommentare. „Ist die Bewertung des Złoty gerechtfertigt“, „Geht es der polnischen Wirtschaft wirklich so gut“: Das fragten die Autoren einiger Studien.

Vor allem die erlahmende Wirtschaftsleistung in Polen macht seit einiger Zeit Sorgen. Die verhältnismäßig hohe Arbeitslosigkeit von 14 Prozent, eine fallende Konsumbereitschaft und die anhaltende Pleitewelle in der Baubranche sind weitere Indizien für eine beginnende Krise. Polen ist aber nicht allein in der Wirtschaftswelt und ist auch von externen Faktoren stark abhängig. Vor allem ein deutlicher Aufschwung im Euroraum würde der polnischen Wirtschaft auf die Sprünge helfen, denn deren Exportabhängigkeit – unter anderem von der deutschen Nachfrage – bleibt enorm.

Bernanke löst Volatilität aus

Es reichte ein Satz vom amerikanischen FED-Chef Bernanke, um in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag einen lawinenartigen Rückzug der Investoren aus den Entwicklungsländern (Englisch: Emerging Markets) zurück zum US-Dollar hervorzurufen. Auch die Preise der Metalle wie Gold und Kupfer gerieten umgehend unter starken Preisdruck. Die Hoffnung auf höhere Zinsen im US-Dollar-Raum scheint die Oberhand zu gewinnen. Das schadete auch den Investitionen in Polen, das als sich entwickelnder Markt betrachtet wird.

Im Złoty-Bereich kommt ein weiterer bedeutender Faktor hinzu, nämlich die Zinsentwicklung und die Zinserwartung. Nicht nur die amerikanische FED und die europäische Zentralbank ECB versuchen der Wirtschaft mit billigem Geld auf die Sprünge zu helfen. Dies tut auch der polnische Rat für Geldpolitik RPP. Folge: der Złoty-Leitzins von 2,75 Prozent befindet sich auf dem niedrigstem Niveau in der Geschichte Polens.

Infolgedessen konnten die Halter polnischer Anleihen von deren Preisanstieg profitieren. Sie könnten jetzt gewillt sein, die Profite zu realisieren und den Złoty gegen US-Dollar oder Euro zurückzutauschen. Ein weiterer Wertverlust des Złoty wäre die Konsequenz. Diese Entwicklung scheint wohl bereits begonnen zu haben.

Woher soll Wirtschaftswachstum kommen?

Woher sollten also nun die Wachstumsimpulse kommen? Die Innovationskraft ist es wohl nicht; hier landet Polen laut einiger Studien weit abgeschlagen am unteren Ende. Daran werden die guten Ergebnisse polnischer Studenten bei Google-Wettbewerben oder die Ansiedlung zahlreicher Global-Service-Zentren bei Wrocław und Krakau auf die Schnelle nichts ändern.

Diese Entwicklung unterstrich kürzlich der ehemalige Wirtschaftsminister und gegenwärtiges Mitglied des geldpolitischen Rates RPP Jerzy Hausner. Beauftragt vom Präsidenten Komorowski bezeichnete Hausner in seiner Studie die Lage, in der sich Polen befinde, als besorgniserregend. Seine Begründung: Die Arbeitskosten steigen stetig, die Innovationskraft hält aber nicht mit.

Glaubwürdigkeit des Finanzministers auf dem Spiel?

Will die Wirtschaft nicht wachsen, so hat vor allem der Finanzminister mehr als ein Problem: Die Steuereinnahmen erreichen die im Budgetgesetz eingeplante Höhe nicht. Es geht vor allem um die Mehrwertsteuer VAT (weil der Konsum stagniert) und die Unternehmensteuer (weil die Firmen weniger Gewinne erzielen). Kann der Finanzminister die Budget-Ausgaben nicht zügig einschränken, so wird das Finanzloch immer größer.

Finanzminister J. Rostowski weiß scheinbar aber auch hier einen einen Ausweg. In einer von der  Regierung im Auftrag gegebenen Studie nahmen Experten die Wirkungsweise der privaten Rentenfonds (Polnisch: otwarty fundusz emerytalny OFE) unter die Lupe und fanden heraus, dass das ‚automatische‘ Sparen in den privaten Fonds OFE das Budegtloch noch vergrößere. Die Idee: Man müsse hier nur weniger in diesen Fonds sparen und das Geld staatlich einsetzen.

Als völlig unverständlich kritisiert diese Einstellung der ehemalige Finanzminister Leszek Balcerowicz. Die Pläne, diesen privatfinanzierten Teil der Rentenvorsorge aufzulösen, mit dem Ziel das staatliche System aufzumöbeln, komme einem Betrug gleich. Ein OFE-Konto mit echtem Geld gegen einen Buchgeldeintrag mit unbestimmten Zahlungsversprechen in der Zukunft bei der staatlichen Rentenanstalt ZUS einzutauschen, scheint jedoch aus Sicht der polnischen Regierung zumindest für eine Seite ein gutes Geschäft zu sein. Für den Finanzminister auf jeden Fall.

Was der ungarische Premier Viktor Orban mit Druck und  Erpressung geschafft hat, versucht die regierende Koalition in Polen scheinbar mit Samthandschuhen zu erreichen. Ein Verlust an Glaubwürdigkeit ist wohl bereits einkalkuliert und akzeptiert.

Glaubt man den Umfragen, verlieren auch die PO-treuen Wähler langsam die Geduld. Ihre Regierung kann sie in einigen Punkten nicht überzeugen, wie auch unsere Kooperationspartner von Polen-heute berichten. Das macht die nächste Parlamentswahl 2015 wieder spannend. Die PiS-Partei von Kaczyński, die Palikot-Bewegung und die Linke bekommen dann ihre nächste Chance. An deren Reformbereitschaft und dem Willen, die öffentliche Finanzen zu ordnen, kann man in Anbetracht deren Konzepte allerdings ebenfalls zweifeln.

...sind diese Artikel auch interessant für Sie?

Comments
  1. Konstantin Schubert

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*