Złoty-Zinsen im freien Fall

NBP Zinskurve Januar 2012. Graphik polen-pl.eu (BDZ)

NBP Zinskurve Januar 2012. Graphik polen-pl.eu (BDZ)

(Warszawa, BDZ) Die nach der heutigen Sitzung des geldpolitischen Rates (Polnisch: RPP) bekanntgegebene Entscheidung, den Schlüsselzins um 25 Basispunkte auf 4,00 Prozent p.a. zu senken, überraschte kaum einen, der das Wirtschaftsgeschehen in Polen verfolgt: Eine Zinssenkung war auf der RPP-Pressekonferenz im Dezember 2012 bereits angekündigt worden.

Geldmarktrat RPP unter Beschuss

Es scheint so, dass der RPP kaum eine Wahl hatte: die (fehlende) Produktions- und Konsumdynamik zeigt seit Monaten, dass die Wirtschaft an der Weichsel schrumpft. Die auf über 13 Prozent gestiegene Arbeitslosigkeit ist einer der Indikatoren, der die Wirkung der Krise auf die Bevölkerung deutlich macht. Marek Belka, NBP-Chef und RPP-Vorsitzender, beschrieb dies in einem Satz: „Die Lage ist ernst, aber bei weitem nicht dramatisch„. Dies war wohl als Antwort auf die Kritik von Finanzminister Rostowski zu verstehen, der Fehler in der Geldopolitik (sprich: zu hohe Zinsen) für das sehr geringe Wachstum des Bruttosozialprodukts, welches nur 1,4 Prozent im 3. Quartal 2012 erreichte, verantwortlich machte.

Heilt das billige (geliehene) Geld die Welt?

Die Kritiken sind geteilt: Wird eine Firma deshalb investieren, weil sie einen Kredit um beispielsweise ein Prozent billiger bekommt? Und wenn ja: Gilt das auch, wenn die Konjunkturaussichten weiter trübe bleiben? Für die Konsumenten scheint die Erklärung einleuchtend: die gesparten Zinsausgaben können direkt deren Konsumbereitschaft stärken. Dies gilt vor allem für Baufinanzierungskredite, die in Polen nicht auf 5 oder 10 Jahre festgeschrieben werden, sondern an die Marktzinssätze im Interbankenhandel (WIBOR für Złoty) gekoppelt sind und von tieferen WIBOR-Sätzen fast direkt profitieren.

RPP kann – aber muss nicht

Rein theoretisch muss der RPP gar nicht mehr handeln. Denn der Rat ist dem Statut nach ’nur‘ für die Inflationsbekämpfung verantwortlich. Deren Höhe befand sich mit 2,8 Prozent im November 2012 bereits im angepeilten Zielkorridor von 2,5 Prozent + / – 1 Prozent.

NBP-Chef Marek Belka und seine RPP-Kollegen wissen aber, dass anhaltend hohe Złoty-Zinsen auf lange Sicht den polnischen Export schwächen und eine hohe Arbeitslosigkeit begünstigen. Ob der Zins auf 3,50 Prozent oder gar auf die historisch niedrige Höhe von 3,00 Prozent gesenkt wird? Reine Spekulation – das bleibt abzuwarten.

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