Gastbeitrag: Zu Ostern – Kirche in Polen, ein Überblick

Foto der Toruner Marienkirche. Foto: Andreas Schwarze

Unfrieden in Polens katholischer Kirche

Nachfolgend ein interessanter und aktueller Gastbeitrag, den Lukas Plewnia von Polen-heute.de verfasst hat. 

„Die Kirche wird immer mehr zum Zeichen des Widerstandes gegenüber verschiedenen Angriffen, Verleumdungen und Anschuldigungen“ sagte der Erzbischof von Danzig, Sławoj Leszek Głódź, laut Nachrichtenportal tvn24.pl, an einer Messe in Danzig am frühen Ostersonntag. Was aber verleitet Erzbischof Głódź zu einer solchen Einschätzung der Lage in Polen? Was ist geschehen?

Kampf der Kulturen

Seit vielen Jahren herrscht in Polen eine Art Kampf der Kulturen: Es stehen sich moderne, aufgeschlossene und oft säkulare Transformationsgewinner und konservative gläubige Transformationsverlierer gegenüber. Es geht um nichts anderes, als um die zukünftige Ausrichtung Polens. Dies spiegelt sich in der Parteienlandschaft wider; aufgrund des Konflikts kommt es im Sejm, dem polnischen Parlament, oft zu scharfen Wortgefechten. Erst kürzlich versuchte die rechtskonservative Partei Recht und Gerechtigkeit (PiS) durch ein konstruktives Misstrauensvotum die Regierung abzulösen (siehe auch Polen-heute.de). Komplizierter wird die Beziehung zwischen Kirche, Staat und Bevölkerung durch die Rolle der Kirche in der ehemaligen Volksrepublik Polen und mit der omnipräsenten Anbetung des „polnischen Papstes“ Johannes Paul II.

Bekämpfung der Kirche?

Dieser Kampf der Kulturen zeigt sich in den Nachrichten und im täglichen Leben. Besonders deutlich wird er im Vorfeld wichtiger Kirchenfeste, an denen die Kirche besonders viel mediale Aufmerksamkeit erhält. Dabei werden negative Nachrichten und Kritik  in der Regel von der Kirche als unberechtigte Angriffe angesehen, die darauf ausgerichtet sind, dem Ruf der Jahrhunderte alten Institution zu schaden.

So verhielt es sich Mitte März, als Erzbischof Glodz in eine Affäre verwickelt wurde. In einem Artikel des Wochenmagazins Wprost wurde behauptet, dass der Geistliche ihm untergebene Priester schlecht behandelt habe und einen recht lockeren Umgang mit dem Alkohol pflege. Laut Zeitungsartikel wurde Glodz von einigen anonym bleiben wollenden Priestern beschuldigt. Teile der Kirche wehrten sich gegen diese Anschuldigungen. Zum Beispiel wurde auf der Internetseite der Erzdiözese Danzig eine Erklärung veröffentlicht, in der die Anschuldigungen als „skandalös“ bezeichnet wurden und behauptet wurde, dass dabei „die Absicht zur Erniedrigung des Hierarchen ganz deutlich sichtbar“ werde.

Auch fühlt sich die Kirche beim Wechsel von analogem Antennenfernsehen zum Digitalfernsehen (wir berichteten) ungerecht behandelt. Das Medienimperium um den Redemptoristenpater Tadeusz Rydzyk fordert Zugriff auf die neue Technologie. Der zum Medienimperium gehörige Fernsehsender TV-Trwam soll weiterhin, wie bisher über die Antenne auf dem  Dach, von jedem Haushalt in Polen empfangen werden können. Hinter dieser Forderung stehen große Teile des polnischen Episkopats. Laut Aussagen der für die Lizenzvergabe zuständigen Institution, dem Landesrat für Radio und Fernsehen, erfüllt der Sender jedoch nicht die gesetzlichen Vorgaben für eine Lizenz. Das hindert den Redemptoristenpater jedoch nicht daran, eine bereits Monate dauernde Unterschriftenaktion sowie Proteste in vielen polnischen Städten zu organisieren.

Zukunftsaussichten

Diese zwei Beispiele veranschaulichen die komplizierten gesellschaftlichen Beziehungen zur Kirche, die nahezu täglich Gegenstand der in den Medien geführten Diskussionen sind – die Themenvielfalt ist dabei oft überwältigend. Wie werden sich nun die künftigen Beziehungen entwickeln?

Das ist schwer vorherzusehen und von vielen Faktoren abhängig, doch grundsätzlich wird es auf das Wohlstands- und das Bildungsniveau sowie die Wohlstandsverteilung in Polen ankommen. Der internationale Vergleich zeigt, dass mit dem Anstieg von Bildung und Wohlstand tendenziell die Religiosität in der Gesellschaft abnimmt. Das sieht man zum Beispiel bei einem Vergleich zwischen Afrika und Europa oder bei der Wählerstruktur von Republikanern und Demokraten in den USA. Wenn dementsprechend Polen ein hohes Wohlstandsniveau und eine gerechtere Einkommensverteilung erreicht und wenn das Bildungsniveau ansteigt, so sollte auch der Einfluss der Kirche zurückgehen. Andernfalls wird Polen seinem Ruf als erzkatholisches Land im Herzen Europas noch lange gerecht werden.

Quellen:

http://www.tvn24.pl/pomorze,42/…

http://www.wprost.pl/ar/392238/…

http://wyborcza.pl/…

http://www.rp.pl/…

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  1. Pole
  2. Krol ogorek

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