Zur ökonomischen Situation Polens – eine Einordnung des Aufschwungs

Jerozolimskie Rondo de Gaulle Nowy Świat Strassenverkehr Warszawa Warschau Photo: Polen.pl (BD) 20111025(054)

Am Rondo de Gaulle in Warschau ist die staatliche Bank BGK zu Hause.

(Toruń, JE) Polen hat in der Europäischen Union längst politisches und wirtschaftliches Gewicht. Während der politische Einfluss nur schwer zu messen ist, geben über die ökonomische Stärke jede Menge Kennzahlen Auskunft. Eine ausführliche Analyse dieser Werte lieferte kürzlich wyborcza.biz. Die Zahlen helfen – jenseits aller ‚grüne-Wachstumsinsel‘-Geschichten – die wirtschaftliche Situation Polens im europäischen Vergleich richtig einzuordnen.

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) Polens liegt beispielsweise 2010 laut Eurostat bei 63 Prozent des EU-Durchschnitts. Aussagekräftiger sind Größen wie das Durchschnittsgehalt und das Preisniveau. Hier stellt der Autor einen interessanten Vergleich Polens mit den südeuropäischen ‚Krisenstaaten‘ Griechenland, Italien, Spanien und Portugal an. Das durchschnittliche Nettomonatsgehalt lag demnach 2010 in Polen bei etwa 450 Euro – in Portugal betrug es 905, in Griechenland 935 (jeweils mehr als doppelt so viel), in Spanien 1321 Euro (etwa das Dreifache) und in Italien 1531 Euro (dreieinhalb mal so viel wie in Polen). Die Unterschiede sind also weiterhin enorm.

Sie werden etwas relativiert, wenn man sich das Preisniveau in diesen Staaten anschaut. In Polen liegt es bei knapp 62 Prozent des EU-Durchschnitts – in Portugal bei 88, in Griechenland bei 95, in Spanien bei 97 und in Italien bei 103,5 Prozent (alles Eurostat-Zahlen). Im Vergleich zu Italien sind die Preise in Polen demnach um 40 Prozent geringer. Der Unterschied beim Gehalt ist jedoch wesentlich größer, so dass man insgesamt folgern muss: Die Kaufkraft ist in Polen nach wie vor durchschnittlich deutlich schwächer als in den Mittelmeerstaaten.

Auch in Sachen staatlicher Leistungen für Bedürftige gibt es in Polen weiterhin Nachholbedarf. Arbeitslose erhalten nach drei Monaten unabhängig vom vorherigen Gehalt lediglich 598 Złoty monatlich, schreibt wyborcza.biz. In anderen europäischen Staaten ist die Unterstützung in der Regel an das letzte Gehalt geknüpft und liegt in jedem Fall deutlich höher. Beispiel: In Spanien für eine erwachsene Person ohne Kinder bei mindestens 426 Euro (ca. 1900 Złoty)! Die gesetzliche Mindestrente betrug in Polen 2010 728 Złoty (also ca. 164 Euro). Zum Vergleich: Portugal 419 Euro, Griechenland 496 Euro, Italien 506 Euro und Spanien 601 Euro.

Fazit: Polen hat wirtschaftlich enorme Perspektiven, der Weg der Angleichung an das ökonomische EU-Durchschnittsniveau ist allerdings noch lang.

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  1. Bartek

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