Zur Rolle des Films im deutsch-polnischen Bereich: Ein Interview zu filmPOLSKA

Mariusz Grzegorzek und Sebastian Jasnoch am Set (c) Mariusz Grzegorzek

Am Set. (c) M. Grzegorzek

(Berlin, JW) Kasia Lorenc organisiert seit vier Jahren einen Workshop für Filmschaffende im Rahmen des filmPOLSKA-Festivals. Wir sprachen mit ihr unter anderem darüber, wie sie die Rolle des Films für die deutsch-polnischen Beziehungen bewertet und fragten Sie, was Ihr ein Festival wie filmPOLSKA bedeutet.

Kasia, Du organisierst seit einigen Jahren den filmPOLSKA-Workshop für junge Filmemacher. Warum?

Der erste filmPOLSKA-Workshop fand 2012 statt. Der Referent war der Künstler Hubert Czerepok – ich kannte Czerepok aus dem Kunstkontext und habe ihn das erste Mal in der neuen Rolle gesehen – als Filmemacher. Das Thema Film hat schon damals meine Neugierde geweckt. 2012 habe ich auch das Team hinter dem Festival kennengelernt. Ich war, und bin es immer noch, fasziniert von dem Enthusiasmus dieser Truppe. Als der Kurator und Initiator Kornel Miglus mich gefragt hat, ob ich die Koordination für das Seminar mit Stanislaw Mucha im Jahr 2013 übernehmen möchte, habe ich nicht gezögert. Danach folgten die Workshops mit Jacek Petrycki und Robert Thalheim. Mit Kornel Miglus waren wir uns beide sehr sicher, dass zu jedem guten Projekt ein Bildungseinsatz gehört. Nicht zuletzt ist es auch der Verdienst der Teilnehmerinnen und Teilnehmer, dass ich schon seit vier Jahren dabei bin. Die Evaluationsrunden sind stets positiv und ich sehe von Beginn an immer wieder ein paar bekannte, freundliche Gesichter, die sich Jahr für Jahr die Zeit für den Workshop nehmen und mit vollem Einsatz und Engagement die intensive Woche mitprägen.

Das polnische Filmfestival in Deutschland findet ein recht großes Echo. Wie schätzt Du dessen Wirkung auf das Zusammenleben und das Interesse für Polen ein?

Kasia Lorenc

Im Interview: Kasia Lorenc

Nach zehn erfolgreichen Jahren (2016 erscheint die 11. Edition des Festivals) ist das gesamte Team sehr zufrieden mit der Resonanz des Festivals. Es ist das größte polnische Festival außerhalb Polens. Das Festival wird von Polen und Nicht-Polen sehr gut aufgenommen und auch über das Jahr verteilt finden Screenings polnischer Filme in Kinos in Berlin-Brandenburg statt. Es gibt natürlich die polnischen „Blockbuster“, die überall gezeigt werden, aber auch die kleinen Filme, die man außerhalb von Polen nur bei filmPOLSKA sehen kann. Global kann ich die Auswirkung schwer einschätzen, ich habe keine Zahl parat – ich weiß nur, dass die Kinos gut besucht werden und dass das Festival eine starke Marke ist. Aus persönlicher Erfahrung kann ich nur sagen, dass ich dank des Festivals viele von meinen Freunden dazu motiviert habe, das polnische Kino kennenzulernen. Für viele ist diese eine Aprilwoche zu einem festen Termin im Kalender geworden.

In diesem Jahr wird der Workshop vom 21.-26.4.2016 von Mariusz Grzegorzek,  Professor und Rektor der renommierten Filmhochschule in Łódź durchgeführt. Was lernt man dort, was muss man tun, um dabei zu sein?

Mariusz Grzegorzek hat den Workshop in drei Teile aufgeteilt; er wird mit einer intensiven Analyse ausgewählter Filme anfangen und mit einer visuellen Einführung (mit Farbe und bunten Stiften) die Teilnehmer plastisch auf das Filmemachen vorbereiten; darauf folgt ein praxisorientierter Teil zur Produktion eines Kurzfilms (Ideenfindung, Durchführung, Postproduktion und evaluierende Abschlussdiskussion). Grzegorzek möchte mit jungen kreativen und weltoffenen Personen im Alter zwischen 18 und 30 Jahren arbeiten. Er lädt Menschen mit und ohne Vorkenntnisse ein und definiert Film in einem breiten Kontext – eingeladen sind also junge Menschen, die mit Digital Art, Videokunst und bewegten Bildern jeglicher Art arbeiten. Für den Workshop kann man sich noch bis zum 21. März bewerben. Zu den Bewerbungsunterlagen gehört die Vorstellung visueller Arbeiten, die die bisherige Erfahrung und künstlerische Richtung des Teilnehmers wiedergeben oder auch (bei Neulingen) eine Skizze des geplanten Vorhabens und ein aussagekräftiges Motivationschreiben. Übrigens wird der Workshop von der Stiftung für deutsch-polnische Zusammenarbeit gefördert.

Für diejenigen die lieber schreiben statt filmen, empfehle ich den zweiten Workshop des Festivals für Filmkritikerinnen und Filmkritiker sowie für Journalisten und Journalistinnen unter dem Titel: „Über Filme schreiben ist über die Welt schreiben“.

Was kann der Film in Bezug auf die deutsch-polnische Verständigung leisten? Vor allem im Zeitalter von Social Media und der allzeitigen Online-Präsenz?

Filme sind da, um Geschichten zu erzählen und in jeder auch so fiktiven Geschichte findet sich auch ein Körnchen Wahrheit. Diese Geschichten bringen uns näher zusammen, vielleicht helfen sie auch ein wenig, die Mentalität und die Sichtweise der Anderen zu verstehen. Und ganz konkret: Es gibt noch kein Social Medium, das eine intensive Arbeitswoche mit einem erfahrenen Referenten ersetzen kann. Bei filmPOLSKA sind länderübergreifende Freundschaften entstanden und es wurden neue Filmideen geboren.

 

Weitere Informationen zu beiden Workshops:

http://www.filmpolska.de/aktuell/-auf-der-kehrseite-des-spiegels-auschreibung-zum-film-workshop-kinoedukacja-2016-Ca0nHe

http://www.filmpolska.de/aktuell/-uber-filme-schreiben-ist-uber-die-welt-schreiben-ausschreibung-gestartet-1FW5Wj

Bei Facebook: https://www.facebook.com/events/1135563193123596/

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