Zusammenarbeit im Bahn-Regionalverkehr: Kleine Revolutionen

PESA-Zug im Einsatz. Foto: Polen.pl (BDZ)

Bewegung im Bahnbereich? Ein PESA-Zug.

(Berlin, JW) Am vergangenen Sonntag, dem 15. Dezember 2013 startet die Deutsche Bahn mit Zügen im polnischen Regionalverkehr, und zwar in Kujawsko-Pomorskie. Dort hat das Unternehmen mit seiner Tochtergesellschaft für den Auslandsverkehr, das den schönen Namen DB Arriva trägt, eine Ausschreibung gewonnen. Diese kleine Meldung ist eine von mehreren aus dem Bahn-Business, der man in der sonst eher wenig beweglichen Szene fast eine kleine Revolution zuschreiben kann. Dass ein ausländischer Wettbewerber im anderen Land den Betrieb einer Strecke übernimmt, ist immer auch ein Politikum.

Ein kleiner Vertrag mit (vielleicht) großer Außenwirkung

Zuerst noch einmal zu diesem Kontrakt: Nach eigenen Angaben läuft der Vertrag bis Dezember 2015 (Pressemitteilung der DB) und wird der Deutschen Bahn 22 Millionen Euro einbringen. Damit verdoppelt der Anbieter DB Arriva seinen Aktivitäten in Polen im Regionalverkehr. Konkret geht es in dem Vertrag um die Strecken Toruń (Thorn)-Włocławek/Kutno sowie Toruń- Jabłonowo Pomorskie/Iława und die Verbindung Bydgoszcz (Bromberg)-Laskowice Pomorskie/Tczew sowie Bydgoszcz Główna – Wyrzysk Osiek/Piła. Dass es sich dabei um ein zartes Pflänzchen handelt, erkennt man am Umfang: Es geht um insgesamt gerade mal zwölf Züge auf vier Strecken.

Aber immerhin: Es gibt damit eine weitere Regionalverkehrs-Aktivität der Deutschen Bahn in Polen. Dass Kujawien-Pommern diesen Beförderungsvertrag mit der Arriva RP unterschrieben hat, ist alles andere als eine Selbstverständlichkeit. Als im Juni/Juli 2013 darüber offiziell informiert wurde, schrieb beispielsweise die polnische Presse über die „schwierige Situation“ der örtlichen Regionalgesellschaft der Polnischen Bahn Przewozy Regionalne (PR). Diese muss aufgrund dieser Entscheidung, die sich auch die örtlichen Entscheidet nicht leicht gemacht haben dürften, mit Personalabbau und Einflussverlust rechnen. Bei vielen anderen Ausschreibungen ist die PR einziger Bewerber und muss sich daher auch wenig anstrengen, meinen kritische Beobachter. Bisher hatte sich DB Arriva nur bei dieselbetriebenen Strecken eingebracht, bei dieser Verbindung bot der Anbieter überraschend auch für elektrifizierte Strecken mit einem Preisvorteil von über 5 Millionen Zloty gegenüber der PR an. Natürlich hat DB Arriva nun vor Ort Personal einstellen müssen, aber dennoch: Es bleibt ein Politikum. Auch deswegen, weil die PR mitsamt all ihren Schulden im Rahmen der Privatisierung den Woiwodschaften (ähnlich Bundesländer) übertragen wurden, nachdem sie vorher im Staatsbesitz war. Ihre Lage ist schwierig: Die PR gilt als ineffektiv, ist stark verschuldet und bereitet den Regionalpolitikern noch das Problem, dass sie einerseits wirtschaftlichere Anbieter wie DB Arriva einsetzen möchten, mit solchen Entscheidungen aber ihre eigene Gesellschaft, die PR, in eine noch engere Lage manövrieren. Dass man hier dennoch einen Wettbewerber beauftragt hat, wirft ein Licht auf die wohl als dramatisch zu bezeichnende Lage.

Zartes Markt-Pflänzchen

Die Hoffnung, die hinter solchen Vergaben an unerwartete Betreiber steht, ist, dass sich der polnische und der deutsche Bahnverkehr auch über solche gegenseitigen Ausschreibungsteilnahmen und kleinere Einstiege annähern. Denn nach wie vor krankt die Zusammenarbeit an für Außenstehende nach Lappalien aussehenden Dingen: Etwa die Einigung auf zu verwendende Systeme, die Freigaben der Züge und Strecken durch die Behörden oder schlichtweg die Abstimmung der Fahrpläne.

Auch bei der Technik steigt die Offenheit gegenüber dem jeweils anderen Partner. So vermeldete die Deutsche Bahn im November 2013 den Kauf von 36 dieselbetriebenen Zügen bei einem polnischen Hersteller, der Firma PESA. Diese Züge sollen in Nordrhein-Westfalen fahren und kosten immerhin 120 Millionen Euro. Insgesamt wurde mit dem Hersteller aus dem Nachbarland ein Rahmenvertrag über 450 Züge geschlossen (siehe etwa DMM-Travel). Es geht also auch andersherum.

 

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  1. Bartek

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