Zwei Auszeichnungen für den Dialog

Preisverleihung Dialog-Preis 2013. Foto: Polen.pl

Preisverleihung Dialog-Preis 2013

(Berlin, JW) Kultur und Politik: Das sind gewissermaßen die beiden Kategorien des diesjährigen DIALOG-Preises der Deutsch-Polnischen Gesellschaft Bundesverband. Offiziell gibt es diese Kategorien zwar nicht, aber die Prämierten stehen deutlichst für Kultur und Politik. Den begehrten Preis erhielten in einer feierlichen Veranstaltung am 25.10.2013 die Initiatorin der bekannten Veranstaltungsreihe ‚Filmland Polen‘, Grazyna Slomka sowie Adam Krzemiński, der in der ‚deutsch-polnischen Szene‘ weithin bekannte Publizist und Journalist. Den beiden für ihr Engagement bei der deutsch-polnischen Begegnung Ausgezeichneten gratulieren wir von Polen.pl herzlich.

Den Rahmen für die Preisverleihung gab eine Veranstaltung unter dem Titel ‚Nachbarschaft in der Mitte Europas‘, die gleichzeitig auch die 22. Jahrestagung der Deutsch-Polnischen Gesellschaft Bundesverband (DPG BV) darstellte. Rund 150 Teilnehmer waren am ersten Abend an der Preisverleihung anwesend und verfolgten die anschliessenden Ansprachen hochkarätiger Vertreter des ‚deutsch-polnischen Clubs‘. Am Samstag (26.10.2013) findet eine Konferenz zu verschiedenen Themen aus dem deutsch-polnischen Umfeld statt. Am Samstagabend wird ein Konzert der Fri Stejdz Band im Club der polnischen Versager organisiert, das sich besonders an junge, am deutsch-polnischen Dialog Interessierte richtet.

Deutsch-Polnisches und Europäisches

Broschüre Dialog-Preis

Broschüre Dialog-Preis

Bereits während der Begrüßung stand Europa im Fokus, obwohl doch bei den deutsch-polnischen Gesellschaften eigentlich die deutsch-polnischen Beziehungen den Schwerpunkt bilden. Was bei manchem zunächst Stirnrunzeln auslöste, wurde dann aber mehrfach begründet: Beide Länder, Polen wie Deutschland, werden als wesentliche Treiber für ein dialogorientiertes Europa gesehen. Vor allem aufgrund Lage, Größe und Situation, besonders jedoch aufgrund der Erfahrungen beider Länder in der nicht immer einfachen Kooperation.

Nach der Begrüßung durch Christian Schröter von der Deutsch-Polnischen Gesellschaft Berlin führte der Gastgeber Hans-Gert Pöttering von der Konrad-Adenauer-Stiftung ein. Er gab zu Protokoll, insbesondere für die deutsch-polnischen Beziehungen ’noch Feuer zu haben‘. Besonderes Gewicht gab er der der Begegnung junger Menschen. Die Förderung, Erhaltung sowie Schaffung neuer polenbezogener Studiengänge stellt ein Beispiel für seinen Ansatz dar. „Wir sind zu unserem Glück vereint“, zitierte er, und bewertete die gegenwärtigen deutsch-polnischen Beziehungen aus seiner Sicht als „hervorragend“. Diese betonte in seiner Rede auch Dietmar Nietan, Vorsitzender der Deutsch-Polnischen Gesellschaft Bundesverband. Junge Menschen für den Dialog zu gewinnen stelle auch aus seiner Sicht eine Herausforderung dar. Die Arbeit der Deutsch-Polnischen Gesellschaften würdigte er deutlich, wies aber auch darauf hin, dass diese Gesellschaften neue Formen der Zusammenarbeit in der Zivilgesellschaft teilweise noch lernen und üben müssten – gerade, um auf junge Leute attraktiv zu wirken.

Jerzy Marganski bei der Dialog-Preis-Verleihung. Foto:Polen.pl

Jerzy Marganski bei der Dialog-Preis-Verleihung

Auch der Botschafter der Republik Polen in Deutschland, Jerzy Marganski, betonte die in Polen wie in Deutschland vorhandene Fähigkeit, gemeinsame Kompromisse zu finden. Man verstehe einander, man höre aufeinander und es gäbe eine Harmonie des Dialogs und nicht der gleichen Meinung. Aus seiner Sicht ist für den Austausch der Eliten beider Länder besonders das Dialog-Magazin in den deutsch-polnischen Beziehungen eine Instanz. Die Arbeit der deutsch-polnischen Gesellschaft bezeichnete er als unersetzlich.

Auch Cornelia Pieper, noch zuständig für die deutsch-polnische grenznahe Zusammenarbeit, drückte ihren Dank aus und fand lobende Worte für die DPG. In Anerkennung ihres Wirkens im deutsch-polnischen Bereich übergab ihr Christian Schröter eine Tasche mit einer polnischsprachigen Version des Berliner U- und S-Bahnnetzplans. Besonders freute sie sich allerdings darüber, dass die Tasche in ihrer Parteifarbe gehalten ist. Aber Cornelia Pieper wäre nicht Cornelia Pieper, wenn sie nicht noch auf ihre Vision des ‚Voneinander-Lernens‘ hingewiesen hätte. Besonders betonte sie den Begriff der Freiheit, bei dem Polen wertvolle Impulse gäbe. Für sie ist das politische Klima zwischen beiden Ländern wichtig, noch wichtiger ist ihr aber die gegenseitige Akzeptanz und das Interesse der Zivilgesellschaften beider Länder aneinander. Dass sich dies auf einem guten Weg befindet, sei auch Verdienst der DPG. Dabei repräsentiere der DIALOG-Preis diese Erfolge. Das von ihr gezogene Fazit lautete: Man dürfe nicht aufhören, denn die deutsch-polnischen Beziehungen müssten eine „ganz besonders Liebesbeziehung sein und bleiben“.

Zuletzt beschrieb die Vertreterin des Berliner Senats, Hella Dunger-Löper, die wichtige Rolle der polnischen Kultur in der Hauptstadt. Mit 45.000 Personen stellen Menschen polnischer Nationalität die zweitgrößte ausländische Bevölkerungsgruppe in der Stadt dar. Auch die durch Städtepartnerschaften und die Oder-Partnerschaft eng gewordenen Beziehungen von Berlin nach Polen wurden von ihr erwähnt.  Auf die Herausforderungen in den Bereichen Verkehr, Wirtschaft und Tourismus wurde von ihr kurz hingewiesen.

Süssmuth und der DIALOG-Preis

Verleihung Dialog-Preis 2013. Foto: Polen.pl

Verleihung Dialog-Preis 2013

Es blieb wieder Rita Süssmuth vorbehalten, den DIALOG-Preis an die beiden Preisträger zu überreichen. Sie ließ es sich nicht nehmen, einen Hinweis auf die finanziellen Kürzungen beim Deutschen Polen Institut deutlich kritisch zu benennen. Und das war für sie das Beispiel, die so guten Beziehungen nicht als Grund zum Ausruhen zu sehen. Es bliebe viel zu tun, so Süssmuth, und der Geist der Leidenschaft müsse gegen den Geist der Skepsis angehen – sowohl in Sachen Deutschland-Polen wie auch in Bezug auf die europäische Idee. Ein Plädoyer für Europa folgte, was sie geschickt zu einer Überleitung zur Förderung auch wissenschaftlicher Einrichtungen im deutsch-polnischen Bereich brachte. Ihre Warnung: Es stehe mehr auf dem Spiel, als gegenwärtig bei den guten deutsch-polnischen Beziehungen zu vermuten wäre; besonders aufgrund der wichtigen Rolle der beiden Länder in Europa.

Die emotionale Laudatio für die Preisträgerin der Filmland Polen-Initiatorin Grazyna Slomka hielt der Regisseur Krzystof Zanussi. Wie er das ‚monumentale Unterfangen‘ Slomkas beschrieb und deutlich machte, in welcher Falle der polnische Film aufgrund der deutschen Gleichgültigkeit gegenüber dem Nachbarn stecke, wurde deutlich, dass die guten Beziehungen tatsächlich mit Vorsicht zu betrachten sind. Denn offensichtlich war das sozialistische Polen für viele Deutsche zumindest in cineastischer Hinsicht spektakulärer als ein politisch-gesellschaftlich relativ ähnliches Nachbarland. Was Zanussi plausibel machte: Es war nicht die schlechtere Qualität des polnischen Films, der das nachlassende Interesse verursachte. Slomka ergänzte, dass das deutsche Publikum sich vielleicht nicht um den polnischen Film reiße. Doch mit ihrem Angebot ‚Filmland Polen‘ gäbe sie zumindest die Möglichkeit der Auseinandersetzung mit dem polnischen Film. Feststellen kann sie auch, dass die Möglichkeit immer mehr genutzt wird.

Adam Krzemiński wurde in einer Laudatio von seinem früheren Kollegen bei DER ZEIT geehrt. Diese bezog sich auf sein Lebenswerk, das darauf abzielt, zwei eigentlich nahe Nachbarn zueinander zu bringen, die vergessen haben, wie nahe sie sich sind. Krzemińskis Hartnäckigkeit beim Hinweisen auf die Ungleichheiten, sein ‚Zusammendenken dessen, was zusammen gehört‘ habe mit den Weg geebnet, dass  eine Annäherung tatsächlich stattfand. Adam Krzemiński selbst bedankte sich mit einer ironisch-analytischen kurzen Rede – und lenkte ebenfalls den Fokus auf Europa. Auch er kritisierte die unreflektierte Akzeptanz mancher Menschen, die in der positiven Situation von Frieden und guten politischen sowie gesellschaftlichen Beziehungen aufgewachsen sind und diese als selbstverständlich und nicht pflegebedürftig sehen.

Der erste Abend der Jahresversammlung der Deutsch-Polnischen Gesellschaften war nicht nur kurzweilig, interessant und von gut gewählten Preisträgern geprägt, sondern auch wieder sehr gut organisiert. Wir sind gespannt, wie es auf der Konferenz weitergeht.

...sind diese Artikel auch interessant für Sie?

No Responses

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*