175 Jahre Eisenbahn Berlin – Szczecin (Stettin)

Sonderzugfahrt endete mit einer Havarie

Szczecin/Tantow. (ASC) Obwohl das Jubiläum der altehrwürdigen und einstigen Haupteisenbahnlinie zwischen den Metropolen Berlin und Szczecin (Stettin) schon schätzungsweise 2018 stattfand: Erst am 15. März 2019 ist es Vertretern aus der Lokalpolitik des Amtsbereiches Gartz (Oder) – allen voran Amtsdirektor Frank Gotzmann – mit finanzieller Unterstützung der Euroregion Pomerania e.V. gelungen, das Streckenjubiläum mit einer Sonderzugfahrt zu würdigen.

Von Berlin-Lichtenberg über Bernau bei Berlin, den Knotenbahnhof Angermünde und den Grenzbahnhof Tantow ging es in die polnische Hafenmetropole und die „Vorstadt“ Police (Pölitz). 500 Fahrkarten wurden kostenfrei an Bahninteressierte abgegeben, es dürfte inklusive Stehplätze noch manch „blinder Passagier“ an Bord gewesen sein. Es verkehrte eine Dampflok der Baureihe 03 (Baujahr ca. 1930) mit Wagons der Deutschen Reichsbahn (DR).

Im Jahr 2019 ist man zwischen Berlin und Szczecin fast immer noch so lange unterwegs wie zu Dampflokzeiten. Das einstige zweite Gleis wurde nach dem 2. Weltkrieg abgebaut. Bislang gab es seitdem kaum nennenswerte Investitionen in den Unterbau und den Gleiskörper. Immerhin, nun ist im aktuellen Bundesverkehrswegeplan ein zweigleisiger, elektrifizierter Ausbau auf Tempo 160 bis allerspätestens 2025 in Planung. Nach Abschluss des Ausbaus soll man schätzungsweise nur noch rund eine anstatt zwei Stunden für die Strecke brauchen. Auch beispielsweise die Verbindungen nach Kolobrzeg (Kolberg) oder Świnoujście (Swinemünde) werden davon profitieren.

Bis dahin heißt es für die täglich tausenden Pendler und Touristen zumeist in Angermünde umsteigen und darauf hoffen, dass der Anschlusszug wartet oder es nicht an einem der unbeschrankten Bahnübergänge auf polnischer Seite „mal wieder“ zu Unfällen kommt.

Vermutlicher Reglerschaden beendet Sonderzugfahrt

Die Zugfahrt, welche von strahlenden Kinderaugen, guter Laune und viel Nostalgie geprägt war, fand auf ihrer Rückfahrt am Grenzbahnhof Tantow ein unglückliches Ende. Ersten Vermutungen nach hatte die Lok in Police zu wenig Wasser getankt. Es kam zu einer Überhitzung und einem darauf folgenden Reglerschaden was einen Totalschaden am Fahrwerk nach sich zog. Anstatt gegen 14.30 Uhr mussten die Fahrgäste bis 20 Uhr am Abend verharren und auf eine Notlok aus Berlin warten die den Sonderzug abschleppte. Immerhin war es wohlig warm in den Wagons und auch Getränke und Bockwurst waren noch reichlich vorrätig. Die Feuerwehr und die Bundespolizei sowie der Rettungsdienst waren begleitend anwesend.

Die Fahrgäste müssen den Sonderzug in Tantow (Landkreis Uckermark) gezwungener Maßen verlassen. Foto: Andreas Schwarze (asc)

Die Fahrgäste müssen den Sonderzug in Tantow (Landkreis Uckermark) gezwungener Maßen verlassen. Foto: Andreas Schwarze (asc)

Update: Erst gegen 20 Uhr am Abend gelang es, eine Ersatzlokomotive nach Tantow zu holen. Mit knapp fünf Stunden Verspätung wurde der Heimatbahnhof Berlin-Lichtenberg erreicht. Die Ursache für den Ausfall der Lok soll eingehend untersucht werden. Es gibt Gerüchte und Spekulationen, diese möchte Polen.pl zunächst nicht vertiefen.

Polen.pl Fotostrecke mit den „Bildern des Tages“ – Galerie öffnet mit einem „KLICK“ aufs Bild:

Bilder: © Andreas Schwarze (ASC)/Polen.pl

Bilder: © Andreas Schwarze (ASC)/Polen.pl – Fotostrecke öffnet mit einem „KLICK“ aufs Bild.

Andreas stammt gebürtig aus Berlin-Pankow. Er lebt seit seiner Kindheit im Amtsbereich Gartz (Oder) - unmittelbar an der deutsch-polnischen Staatsgrenze. Er ist lange Zeit verantwortlicher Redakteur der Lokalausgabe Uckemark einer Wochenzeitung gewesen. Betreibt einen regionalen News-Blog, ist Fotoartist und kennt Szczecin und das polnische Umland wie seine Hosentasche. Seine Tochter Patrycja wächst zweisprachig auf.

6 Kommentare

  • Uli Es

    19. März 2019 bei 0:37

    Der einzige mit Totalschaden ist der Schreiber, er hätte vor Ort fragen können, aber nein man saugt sich irgendwelchen Mist aus den Fingern ! Die Lok hatte lediglich einen Reglerschaden, der nicht sofort repariert werden konnte. Niemand war hier mit zu wenig Vorräten unterwegs und die Zugleitung hat ihren Job perfekt gemacht !!

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    • REDAKTION

      19. März 2019 bei 9:07

      Sehr geehrter Leser mit dem Pseudonym „Uli Es stecher7669“, zunächst möchten wir Sie um eine gewisse Netiquette bitten! Wie Sie dem Beitrag entnehmen können, es gab vor Ort verschiedene Informationen. Dahingehend ist im Text auch geschrieben, die Redaktion wird Spekulationen und Gerüchte nicht vertiefen.
      Gerne nutzen Sie die Kommentarfunktion und können als augenscheinlicher Fachmann über einen Reglerschaden an der Lok bestimmt konstruktives für die interessierte Leserschaft beisteuern.

    • Steffen

      19. März 2019 bei 10:43

      Ich war auf der Sonderzugfahrt dabei und als wir in Tantow eingefahren sind ist ein Mann vom Zugteam nach hinten aufgeregt gerannt und hat gerufen „Platz, ich muss durch.. es brennt, es brennt“ und dann in Tantow worde den Leuten gesagt alle müssen aussteigen weil es einen Lokschaden gibt und dann kam auch gleich die Feuerwehr und hat der Dame Wasser zugeführt.
      Aber so etwas passiert doch und ich finde den Bericht schön und auch die Bilder.

  • Anonymus

    15. März 2019 bei 23:44

    In Polen will die Regierung keinen Ausbau der Strecke. Da gehen zu viel Arbeitsplätze im Sammeltaxigewerbe flöten.
    Was hat die Feuerwehr der Lok da getankt in PöLitz? Schmutzwasser?
    Sauerei!!!!

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    • Michael Bruchholz

      25. März 2019 bei 16:43

      An alle Besserwisser.
      In Polen wurden 14 Kubikliter sauberes Wasser gefasst, mehr ging in den Tennter nicht rein. Wenn voll,dann voll. Und in Tantow war die Feuerwehr vom Veranstalter schon viele Tage vorher bestellt, um die Wasservorräte zu ergänzen. In Normalfall hätten wir mit den Wasservorräten bis Berlin fahren können. Da aber die bestellte Feuerwehr nun da war, haben wir sechs Kubik Wasser in den Tennter füllen lassen.
      Daher ist es mir unerklärlich wie Steffen betäubten kann das einer vom Lokpersonal durch den Zug gerannt sein und es brennt gerufen haben soll. Zumal der Vorsitzende vom LDC an der Lok stand und keiner vom Lokpersonal die Lok verlassen hat.
      Zu Schaden. Es ist,wie vermutet,ein Splint am Reglergestänge im Kessel abgescherrt. Damit ist dann der Bolzen abgefallen und somit war der Regler nicht mehr bedienbare. Die Materialkosten beliefen sich auf ca 15€. Ich hoffe damit alle Spekulationen ausgeräumt zu haben.
      Michael Bruchholz Lokführer und an den Tag Heizer auf der 03.

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