Fördermittel für das deutsch-polnische Miteinander

INTERREG-Fonds für kleine Projekte – Belebung für den kulturellen und sozialen Dialog

Szczecin/Löcknitz. (ASC) Die Beziehungen zwischen Deutschland und Polen sind abgesehen von politischen Differenzen beispielsweise bei der Steuer- oder Flüchtlingspolitik auf einem guten Weg. Für Bewohner der Grenzregion ist die Fahrt auf den „Polenmarkt“ oder zur Kur nach Kolobrzeg (Kolberg) mittlerweile ebenso zur Normalität geworden wie auch das Pendeln polnischer Arbeitnehmer, vornehmlich im Gesundheits- und Dienstleistungsgewerbe.

Auch entscheiden sich immer mehr Familien aus Polen ein Häuschen in den grenznahen Gebieten zwischen Frankfurt (Oder) in Brandenburg und Löcknitz in Mecklenburg-Vorpommern zu kaufen.

Nicht nur die EU-weite Arbeitnehmerfreizügigkeit und die zunehmende Offenheit unter den Nachbarn, sondern auch Fördermittelgeber wie die Euroregion Pomerania e.V. und das Deutsch-Polnische Jugendwerk (DPJW) haben großen Anteil daran, dass sich aus einem „zarten Pflänzchen“ etwas ganz Großes und Großartiges entwickelt.

Am Mittwoch (27.03.2019) hatten Pomerania und Jugendwerk zu einer Kooperationsbörse und Informationsveranstaltung in die Hafenmetropole Szczecin (Stettin) eingeladen. Es ging bei der Veranstaltung um Grundlagen für die Förderung von kleinen Projekten der deutsch-polnischen Begegnung im Rahmen der von der Europäischen Kommission (EK) genehmigten Kooperationsvereinbarung Interreg V A Mecklenburg-Vorpommern / Brandenburg / Polen in der mittlerweile fünften Förderperiode (Zeitraum 2014 – 2020).

Grafik: Pomerania e.V.

Es kamen interessierte Vertreter aus Kultur, Bildung, Politik und von Vereinen aus dem INTERREG-Fördergebiet, welches sich zwischen der Insel Rügen in Vorpommern und dem Landkreis Märkisch-Oderland in Brandenburg erstreckt und der angrenzenden polnischen Regierungsbezirke (siehe Infokarte). Und alle hatten ein gemeinsames Ziel: sich zu vernetzen, neue Kontakte zu knüpfen und sich auch über schon bestehende Erfolge in den zurückliegenden Förderperioden zu informieren.

Paweł Bartnik, seines Zeichen Pomerania-Geschäftsführer auf polnischer Oderseite, hatte Olaf Lejeune (Leiter der kommunalen Kita aus Löcknitz) und Agnieszka Krolikowska (Leiterin der staatlichen Kita Nr. 8 in Szczecin) eingeladen, um den rund 60 Anwesenden über die bereits im 11. Jahr bestehende Partnerschaft der rund 50 km Luftlinie entfernten Einrichtungen zu berichten.

So finden durch die finanzielle Unterstützung durch den INTERREG Fonds regelmäßige Begegnungstreffen statt, bei denen das spielerische Erlernen der jeweils anderen Sprache mit Theaterstücken, Besuchen von Freizeit- und Kulturangeboten oder Tanznachmittagen gefördert wird. „In unserer Kita sind fast die Hälfte der Kinder aus Polen und es gibt keine oder nur sehr geringe Probleme bei der Integration,“ sagt Olaf Lejeune voller Stolz. Ein Positivbeispiel also an dem sich manch Erwachsener ein Vorbild nehmen kann.

Es gab auch Rückschläge

Pomerania e.V. Geschäftsführer auf polnischer Seite; Paweł Bartnik. Foto: asc

Pomerania e.V. Geschäftsführer auf polnischer Seite; Paweł Bartnik. Foto: asc

„Die deutsch-polnische Oberschule in Gartz bei Gryfino (Greifenhagen) an der Oder wurde auf politischen Beschluss vor einigen Jahren dicht gemacht. Man glaubte leider nicht an steigende Schülerzahlen. Es war ein großer Fehler. Insbesondere deswegen da der Schüleraustausch zwischen beiden Ländern eines der ersten Projekte in der frühen Förderphase war“, so Paweł Bartnik.

Während man in Gartz im Bundesland Brandenburg die Zeichen der Zeit nicht erkannte, hat sich keine Autostunde von dort entfernt in Löcknitz ein deutsch-polnisches Europagymnasium samt Internat etabliert. Das doppelte Abitur kann abgelegt werden und so sind Eltern sogar bereit für eine Landesgrenzen übergreifende Privatbuslinie Geld aufzubringen oder es gezwungenermaßen zu tun.

Fairerweise muss erwähnt werden, der Gartzer Amtsdirektor Frank Gotzmann und eine Elterninitiative bemühen sich nach Kräften um die Wiederbelebung am Standort, welcher aktuell nur noch die Grundschule von 1. bis 6. Klassenstufe beherbergt. Immerhin wird Polnisch als Fremdsprache angeboten.

Bleiben wir beim Thema Schule

Ludger Melters ist Schulleiter des Christa-und-Peter Scherpf Gymnasiums in der Uckermark-Kreisstadt Prenzlau. Er nutzte die Veranstaltung, um eine Partnerschaft seines aus rund 50 Jugendlichen bestehenden Schulchores zu einer polnischen Schule in Szczecin aufzubauen. Gemeinsame Probelager, Auftritte und Ausflüge schweben ihm vor. Beim Geldgeber Pomerania und dem Jugendwerk ist man begeistert von der Vision, die nun mit derer finanzieller Hilfe – so eine Partnerschule gefunden wird – zur Realität werden soll (Polen.pl wird die Anbahnung verfolgen).

Deutsch-Polnisches Miteinander gibt es auch in der Kita Randow-Spatzen, gelegen im Landkreis Vorpommern-Greifswald. Dort ist die aus Szczecin stammende Erzieherin Joanna Markowska pädagogische Sprachmittlerin. „Seit drei Jahren arbeite ich in Deutschland, wir betreuen in der Einrichtung 150 Kinder. Durch den Zuzug von Polen sind auch bei uns die Hälfte der Kids anfangs noch nicht in der Lage die deutsche Sprache zu sprechen. Ich unterstütze dabei,“ erzählt sie. Nur beim Anerkennungsverfahren ihrer Erzieherausbildung in der BRD wünscht sie sich noch mehr Unterstützung und weniger Bürokratie. Langwierig und kostspielig sei das Verfahren (Polen.pl berichtete in der Vergangenheit schon darüber; https://www.polen-pl.eu/polnische-lehrer-in-deutschland-beruflicher-aufstieg-nur-mit-hindernissen/).

Auch ein polnischer Polizeiverein sucht deutsche Partner

„BRAMA“ nennt sich die polnische Stiftung der berenteten Polizeisenioren. Ein Vertreter der Organisation fand zwar auf der Dialogveranstaltung (noch) keinen Partner, auch die Service- und Beratungscentren der Pomerania wollen bei der Suche unterstützen und natürlich vermittelt auch die Polen.pl Redaktion auf Anfrage gerne den Kontakt!

Die Vorstellungen bei der Kooperation zu deutschen Polizeibeamten im Ruhestand oder einer Polizeigewerkschaft gehen in die Richtung vom Treffen zum Erfahrungsaustausch und  kulturellen Unternehmungen. Sicherlich eine eher „exotische“ polnisch-deutsche Partnerschaft dürfte es – so man die Fördermittelgeber-Kommission überzeugen kann – werden.

Doch auch Polen.pl und sein Jugendmagazin „Grenzenlos“ (www.grenzenlos.polen.pl) waren im plötzlichen Fokus der Kontaktveranstaltung. Das IX Liceum hat in den Klassenstufen acht bis zehn ein Schulzeitungsprojekt mit dem Schwerpunkt auf der deutschen Sprache. Es gibt eine erste Überlegung eine geförderte Zusammenarbeit aufzubauen. Ob es, insbesondere aus zeitlichen und logistischen Gegebenheiten heraus gelingt, dass steht noch nicht fest. Ein Wille ist da. Und wo ein Wille – da auch ein Weg!

Kontakt zur Pomerania-Geschäftsstelle für an Förderungen und Kontakten interessierte „Institutionen“ im Pomerania-Einzugsbereich:

Ansprechpartnerin

Anna Dymniacka

Ernst-Thälmann-Straße 4 Löcknitz 17321
Fon +49 39754 529-0
Fax +49 39754 529-29

 

Abschließend noch die „Bilder des Tages“ von der Szczeciner Veranstaltung:

) In einer „World-Café-Runde“ kamen deutsche und polnische Teilnehmer der Veranstaltung ins Gespräch. Foto(s): Andreas Schwarze (asc) – Fotostrecke öffnet mit einem „KLICK“ aufs Bild. (

 

 

Andreas stammt gebürtig aus Berlin-Pankow. Er lebt seit seiner Kindheit im Amtsbereich Gartz (Oder) - unmittelbar an der deutsch-polnischen Staatsgrenze. Er ist lange Zeit verantwortlicher Redakteur der Lokalausgabe Uckemark einer Wochenzeitung gewesen. Betreibt einen regionalen News-Blog, ist Fotoartist und kennt Szczecin und das polnische Umland wie seine Hosentasche. Seine Tochter Patrycja wächst zweisprachig auf.

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