Diskussion – Verschwiegener Aggressor?

Datum/Zeit
Date(s) - 22/10/2019
19:30 - 22:00

Veranstaltungsort
Polnisches Institut

Kategorien


Der sowjetische Überfall auf Polen am 17. September 1939 und seine Folgen

Eintritt: frei
Ort: Polnisches Institut, Burgstr. 27, 10178 Berlin
Vortrag von Prof. Dr. Andrzej Nowak (Jagiellonen-Universität Kraków) mit einer Einführung von Prof. Dr. Igor Kąkolewski (Direktor des Zentrums für historische Forschungen der Polnischen Akademie der Wissenschaften in Berlin)
Moderation: Prof. Dr. Stephan Lehnstaedt (Historiker, Buchautor und Publizist, Touro College Berlin)
Der 1. September 1939 hat sich als Beginn des schrecklichsten Kriegs der Weltgeschichte ins Gedächtnis der Menschheit eingeschrieben. Der Überfall des Dritten Reichs auf Polen gilt als Beginn des Zweiten Weltkriegs. Fast sechs Jahre andauernde Kriegshandlungen forderten fast 80 Mio. Menschenleben und Menschen aus Ländern aller Kontinente waren an diesem Konflikt beteiligt.
Der September 1939 war für Polen eine doppelte Tragödie, denn am 17. September drangen auf Grundlage eines geheimen Zusatzprotokolls des Hitler-Stalin-Pakts sowjetische Truppen bewaffnet in die östlichen Gebiete Polens ein. Dabei brachen sie den polnisch-sowjetischen Nichtangriffspakt.
Mehr als 51 % des Gebiets der Republik Polen in der Zwischenkriegszeit befanden sich nun unter sowjetischer Besatzung. Bis zum deutschen Angriff auf die UdSSR im Juni 1941 befand sich der polnische Staat unter doppelter Besatzung. In der Geschichtsschreibung wird diese Tatsache vielfach als „vierte Teilung Polens“ bezeichnet.
Trotz des Sieges über NS-Deutschland blieben die Folgen des Überfalls der Roten Armee auf Polen noch über Jahrzehnte spürbar. Bei der Konferenz von Jalta 1945, auf der die Nachkriegsordnung Europas festgelegt wurde, fiel die Entscheidung, dass Polen sich „in der sowjetischen Einflusszone“ befinde. Damit blieb Polen bis 1989 als kommunistischer und nicht-souveräner Staat unter sowjetischer Dominanz.
Der Sowjetologe Prof. Dr. hab. Andrzej Nowak spricht in seinem Vortrag über Gemeinsamkeiten und Unterschiede der sowjetischen und deutschen Besatzung polnischer Gebiete und beleuchtet deren langfristigen Folgen für Polen. Nowak ist Historiker und Publizist, er leitet das Institut für Geschichte Osteuropas an der Jagiellonen-Universität Kraków. Zugleich ist er ordentlicher Professor am Institut für Geschichte der Polnischen Akademie der Wissenschaften. Er wurde u. a. mit dem Jerzy-Giedroyc-Preis sowie dem Silbernen Kreuz des Verdienstordens der Republik Polen ausgezeichnet.
Veranstalter: Zentrum für Historische Forschungen der Polnischen Akademie der Wissenschaften in Kooperation mit dem Polnischen Institut Berlin

Simon verbrachte im Rahmen seines Geschichtsstudiums zwei Semester an der Universität Warschau. Derzeit promoviert er zur preußisch-polnischen Geschichte an der Martin-Luther-Universität Halle/Saale. Seine Interessen gelten vor allem der aktuellen Politik und der Kultur in Polen.

Schreibe einen Kommentar