Krzysztof Zanussi-Filmreihe in Düsseldorf

Datum/Zeit
Date(s) - 08/05/2019 - 29/05/2019
19:00

Veranstaltungsort
Kino Black Box

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Hommage an Krzysztof Zanussi. Zum 80. Geburtstag des polnischen Regisseurs

Krzysztof Zanussi, Regisseur, Drehbuchautor und Produzent, studierte zunächst Physik und Philosophie an der Jagiellonen Universität Krakau und später absolvierte er Regiestudium an der Filmhochschule Lodz. Er hat über fünfzig Spiel- und Dokumentarfilme gedreht und sich mit ihnen in die polnische Filmgeschichte eingeschrieben. Seine ersten Werke gehören zur Avantgarde des polnischen Films der 1960er- und 1970er-Jahre. Er debütierte 1969 mit „Struktura kryształu”, danach folgten weitere Werke, die oftmals die Gegenwart kritisch analysieren und gesellschaftliche und individuelle Konflikte aufzeigen. Er ist neben Krzysztof Kieślowski, Agnieszka Holland und Andrzej Wajda der wichtigste Vertreter des „Kinos der moralischen Unruhe“. Heute ist Krzysztof Zanussi ein anerkannter Regiemeister des europäischen Autorenkinos par excellence. Die Retrospektive in der Black Box ist seinem Frühwerk gewidmet.

Krzysztof Zanussi wird am 11.05.2019 in der Black Box zu Gast sein.

 

MI 8.05.2019, 20.00 Uhr

Die Struktur des Kristalls / Struktura kryształu

PL 1969, Drama, 76 Min., OF mit deutschen Untertiteln

Einführung: Bernhard Hartmann, Polonist und Übersetzer

Zwei alte Freunde aus der Studienzeit, beides talentierte Physiker, treffen sich nach vielen Jahren wieder. Jan verlässt die Stadt, um auf dem Land als Meteorologe zu arbeiten. Marek etabliert sich in den akademischen Kreisen Warschaus und macht Karriere als Kristallograph. Marek kann Jans Entschluss nicht verstehen und versucht, ihn wieder für die Wissenschaft und das Leben in der Stadt zu begeistern. Der Film war ein Ausnahmewerk, als er Ende der 1960er Jahre in Polen im Kino gezeigt wurde, neuartig und für das Publikum überraschend: gedreht in schwarzweiß im Geiste der französischen Nouvelle Vague, reduziert in seinen filmischen Mitteln, ohne künstliche Beleuchtung, mit improvisierten Außenaufnahmen und Dialogen.

R: und B: Krzysztof Zanussi, K: Stefan Matyjaszkiewicz, M: Wojciech Kilar, D: Jan Mysłowicz, Andrzej Żarnecki, Barbara Wrzesińska, Władysław Jarema, Adam Dębski, Urszula Gałecka u.a.

 

SA 11.05.2019, 19.00 Uhr

Die Tarnfarben / Barwy ochronne

PL 1977, Drama, 103 Min., OF mit deutschen Untertiteln

Im Anschluss:

Publikumsgespräch mit Krzysztof Zanussi. Moderation: Dr. Dorothee Schröder-Krings, Rheinische Post

Zwei Wissenschaftler leiten eine Sommer-Akademie für Linguistik-Studenten. „Alle sind die gleichen Konformisten wie du und ich” – behauptet ein zynischer Dozent gegenüber seinem engagierten Assistenten. Einerseits erkennt der junge Idealist schnell, wie korrupt das universitäre Milieu ist, muss aber andererseits feststellen, dass er auch selbst nicht frei von Heuchelei ist. „Tarnfarben“ zählt zu den wichtigen Filmen des sogenannten „Kinos der moralischen Unruhe“ mit der großartigen Darbietung von Zbigniew Zapasiewicz in der Rolle eines zeitgenössischen Mephistopheles, dem Opportunismus und Konformismus als einziger Ausweg erscheinen. Der Film ist eine gedanklich scharfe, mit kühler Brillanz inszenierte Parabel nicht nur über die damalige sozialistische Gesellschaft.

R: und B: Krzysztof Zanussi, K: Edward Kłosiński, M: Wojciech Kilar, D: Zbigniew Zapasiewicz, Piotr Garlicki, Christine Paul-Podlasky, Mariusz Dmochowski, Magdalena Zawadzka u.a.

 

FR 17.05.2019, 19.00 Uhr

Zwischenbilanz / Bilans kwartalny

PL 1975, Drama, 94 Min., OF mit deutschen Untertiteln

Die 40-jährige Buchhalterin Marta ist verheiratet und hat ein Kind. Sie führt ein monotones Leben ohne Leidenschaft und äußere Aufregung. Eines Tages trifft sie eher zufällig ihren ehemaligen Studienkollegen Jacek. Die erneute Begegnung verwandelt sich mit der Zeit in eine euphorische Liaison, die Marta aus ihrer existenziellen Lethargie herausholt. Niederschmetternd ehrliches, psychologisch schmerzhaft genaues und überwältigend intensiv gespieltes Charakterdrama um eine ganz gewöhnliche Frau in der gewöhnlichsten aller Krisen – das Leben, dessen Mitte, und irgendwo darin die Chance auf Liebe. Ein kompromissloser, engagierter Film, der von den Zuschauer*innen entschlüsselt werden will.

R: und B: Krzysztof Zanussi, K: Sławomir Idziak, M: Wojciech Kilar, D: Maja Komorowska, Piotr Fronczewski, Marek Piwowski, Halina Mikołajska, Zofia Mrozowska u.a.

 

MI 29.05.2019, 19.00 Uhr

Familienleben / Życie rodzinne

PL 1970, Drama, 92 Min., OF mit deutschen Untertiteln

Der junge Ingenieur Wit erfährt, dass sein Vater sehr krank ist. Er beschließt, ihn und seine Familie wieder zu besuchen, obwohl er sich längst von seinem Zuhause und vom Erbe der Vergangenheit gelöst hatte. Der Vater, früher ein erfolgreicher Industrieller, lebt in einer heruntergekommenen Villa mit der Schwester seiner Frau, die ihn verlassen hat, und seiner extravaganten Tochter Bella. Aus dem Besuch ergeben sich viele unvermeidliche Spannungen. Der exzellent gespielte Film mit Daniel Olbrychski, Maja Komorowska und Jan Kreczmar in den Hauptrollen, ist eine ebenso leidenschaftliche wie bittere Beschreibung zweier Welten und Generationen, die eine unüberbrückbare Kluft trennt. Seine filmisch visuelle Kraft wird oft mit Viscontis Werk verglichen.

R: und B: Krzysztof Zanussi, K: Witold Sobociński, M: Wojciech Kilar, D: Daniel Olbrychski, Maja Komorowska, Jan Nowicki, Halina Mikołajska, Jan Kreczmar u.a.

 

Kino Black Box, Schulstr. 4, Düsseldorf, T.: 0211 8992232

Eintritt: 7 € / 5 €, mit Black-Box-Pass 4 €

In Kooperation mit der Black Box Kino im Filmmuseum der Landeshauptstadt Düsseldorf

 

 

Das Land an der Weichsel hat das Interesse des in der Schweiz lebenden Agraringenieurs und Eisenbahnplaners vor über zehn Jahren geweckt und ihn seitdem nicht mehr losgelassen. In Berlin aufgewachsen, fand er es unpassend, sich in Afrika und im Nahen Osten besser auszukennen, als in seinem Nachbarland. Nachdem sich die Polnische Sprache vehement gegen das Lernen lassen gesträubt hat, hat er diese Herausforderung angenommen und ringt noch immer mit ihr. Er reist jährlich nach Polen und entdeckt ein spannendes und kulturell reiches Land mit sehr angenehmen Menschen. Wenn er Zeit findet, befasst er sich als Genealoge mit der Erforschung der Geschichte seiner aus dem damaligen Hinterpommern und Ostpreussen stammenden Vorfahren.

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