Die kulturelle Neuerfindung der Hauptstadt des oberschlesischen Industriereviers beleuchtet die Historikern Dr. Juliane Tomann (Jena) in ihrer Studie „Geschichtskultur im Strukturwandel. Öffentliche Geschichte in Katowice nach 1989“.

Oberschlesien und seine Geschichte

Datum/Zeit
Date(s) - 22/11/2018
19:00 - 20:30

Veranstaltungsort
Martin-Opitz-Bibliothek

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Festvortrag anlässlich des 70. Jubiläums der Bücherei des deutschen Ostens, der Vorläuferin der MOB (anschließend Umtrunk)

Die kulturelle Neuerfindung der Hauptstadt des oberschlesischen Industriereviers beleuchtet die Historikern Dr. Juliane Tomann (Jena) in ihrer Studie „Geschichtskultur im Strukturwandel. Öffentliche Geschichte in Katowice nach 1989“ (De Gruyter Oldenbourg 2017). Die ehemalige sozialistische Musterstadt, das industrielle Rückgrat Polens durchläuft seit der politischen Wende 1989/1990 einen tiefgreifenden ökonomischen und gesellschaftlichen Transformationsprozess. Im Mittelpunkt der Veranstaltung steht die Frage, wie in Zeiten des dynamischen Wandels Geschichte erzählt wird und welche Wirkungen bzw. Funktionen diese im öffentlichen Raum einnimmt?

Referenten: Dr. Juliane Tomann leitet den Projektbereich „Geschichte und Öffentlichkeit“ am Imre Kertész Kolleg in Jena. Als ausgebildete Kulturwissenschaftlerin beschäftigt sie sich mit den vielfältigen Produktionsweisen historischen Wissens sowie der Schnittstelle zwischen Geschichtswissenschaft und Öffentlichkeit in verschiedenen Konstellationen. Ihre Dissertation wurde mit dem Wissenschaftlichen Förderpreis des Polnischen Botschafters ausgezeichnet.

Seit Generationen bleiben nur die Polen wirklich an dem Thema Oberschlesien dran. In Deutschland sind wir dagegen immer weniger in der Lage, mit ihnen einen Kulturdialog über Oberschlesien von gestern und von heute zu führen. Heute erfahren wir von den Polen, wer die deutschen Kohle-Barone, die modernen Industriellen, Architekten und Musiker aus Oberschlesien waren, weil wir sie bereits vergessen haben.
Das ist schade, denn so kann keine Annäherung gelingen. Um dialogfähig zu bleiben, muss Wissen über Oberschlesien auch in Deutschland vermittelt, rezipiert und kritisch reflektiert werden. Der vorliegende Essayband will nicht zulassen, dass das deutsche Wissen und das so nötige Verständnis für diese komplizierte Region „vom Winde verweht“ wird. Nomen est omen: Wiatr heißt Wind. Damit unser Wissen über Oberschlesien nicht „vom Winde verweht“ wird, gibt es Marcin Wiatr. Alle hier gesammelten Beiträge sind kenntnisreich und beständig, alle zeugen von einer sorgfältigen Kultur des Wortes. Wiatr nimmt seine Leser ernst und das macht Appetit auf mehr!

Referent: Dr. Marcin Wiatr, ist Schulbuchforscher, Literaturwissenschaftler und Übersetzer. Er ist wissenschaftlicher Mitarbeiter des Georg-Eckert-Instituts – Leibniz-Instituts für internationale Schulbuchforschung in Brauschweig, wo er das deutsch-polnische Geschichtsbuchprojekt „Europa. Unsere Geschichte“ koordiniert und auf deutscher Seite die Gemeinsame Deutsch-Polnische Schulbuchkommission betreut.

Dr. Vasco Kretschmann ist Kulturreferent für Oberschlesien bei der Stiftung Haus Oberschlesien in Ratingen.

Eine gemeinsame Veranstaltung der Martin-Opitz-Bibliothek und des Kulturreferats für Oberschlesien

Jutta verbrachte zwei Semester ihres Politikstudiums in Warschau. Vier Jahre lang koordinierte sie außerdem im Museum des Warschauer Aufstands internationale Begegnungsprojekte. Dabei schaute sie den Kollegen im Stefan Starzynski Institut über die Schulter, die kulturelle Projekte rund um die dynamische Entwicklung Warschaus organisieren, um den Warschauern zu zeigen, in was für einer interessanten Stadt sie leben. Kein Wunder also, dass sie Warschau für die spannendste europäische Metropole hält! Nach einem weiteren kommunikationswissenschaftlichen Studium ist sie nun im Bereich Öffentlichkeitsarbeit tätig. Für Polen.pl schreibt sie seit 2012, natürlich am liebsten über die polnische Hauptstadt, außerdem über Erinnerungskultur in Deutschland und Polen und die Herausforderungen, die sich daraus ergeben. Mit Anna zusammen erstellt sie den Kalender „Co się dzieje“.

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