Pan Tadeusz / Herr Thaddäus – Stummfilm mit Live-Übersetzung

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Datum/Zeit
Date(s) - 14/11/2018
20:00 - 22:00

Veranstaltungsort
Polnisches Institut Leipzig

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Vor 100 Jahren – am 11. November 1918 – erlangte Polen nach 123 Jahren Besatzung und Teilung seine staatliche Unabhängigkeit zurück. Diese politische Zäsur ebnete auch den Weg für ein reiches Kulturleben, das in der Zwischenkriegszeit eine Blütezeit erlebte. Insbesondere das relativ junge Medium des Kinofilms eroberte die Herzen der Massen.
Wie überall in Europa produzierte man in den Zwanzigerjahren nicht nur exotische Stoffe und Gegenwartsgeschichten, sondern griff auch auf Literaturklassiker zurück. Dabei durfte natürlich das Hauptwerk der polnischen Romantik, Adam Mickiewiczs „Pan Tadeusz“ (Herr Thaddäus) nicht fehlen. Dem Stoff und seiner Bedeutung entsprechend ist es ein Monumentalwerk geworden, mit großem Etat und riesigem Aufwand gedreht. Für seinen Etat hätte man damals 200.000 Autos kaufen können.
Doch der Meilenstein des polnischen Stummfilmkinos ging gemeinsam mit unzähligen anderen Filmschätzen in den Wirren des Zweiten Weltkriegs verloren – glaubte man bis vor kurzem. Doch dann kam die sensationelle Nachricht: 2006 wurden in Wrocław Filmrollen entdeckt, welche eine fast vollständige Rekonstruktion der über zweistündigen Originalfassung erlaubten. Experten der Warschauer Firma Nitrofilm restaurierten daraufhin jahrelang das Material in liebevoller Kleinarbeit und schufen eine digitale Fassung.
Jetzt können wir – vergleichbar mit der sensationellen Wiederherstellung von „Metropolis“ im Jahr 2010 – wie die Premierengäste im November 1928 miterleben, wie sich der Dichter Adam Mickiewicz im Pariser Exil an seine Heimat erinnert, die napoleonischen Truppen und mit ihnen die Hoffnung auf Freiheit und Unabhängigkeit aufziehen sieht und im Mikrokosmos Soplicowo eine Reihe von tragischen und komischen Figuren aufmarschieren lässt, die jede Menge Zeitkolorit transportieren.

„Der Film-Tadeusz ist nicht für Professoren bestimmt, sondern für die breite Masse, der das Kino zum täglich Brot geworden ist.“ (Gazeta Warszawska, 1928)

Jutta verbrachte zwei Semester ihres Politikstudiums in Warschau. Vier Jahre lang koordinierte sie außerdem im Museum des Warschauer Aufstands internationale Begegnungsprojekte. Dabei schaute sie den Kollegen im Stefan Starzynski Institut über die Schulter, die kulturelle Projekte rund um die dynamische Entwicklung Warschaus organisieren, um den Warschauern zu zeigen, in was für einer interessanten Stadt sie leben. Kein Wunder also, dass sie Warschau für die spannendste europäische Metropole hält! Nach einem weiteren kommunikationswissenschaftlichen Studium ist sie nun im Bereich Öffentlichkeitsarbeit tätig. Für Polen.pl schreibt sie seit 2012, natürlich am liebsten über die polnische Hauptstadt, außerdem über Erinnerungskultur in Deutschland und Polen und die Herausforderungen, die sich daraus ergeben. Mit Anna zusammen erstellt sie den Kalender „Co się dzieje“.

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