Polen 1968 und die Protestbewegung in Europa

Datum/Zeit
Date(s) - 08/06/2018
18:00 - 20:00

Veranstaltungsort
Polnisches Institut Leipzig

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1968 betrat eine Generation die kulturelle und politische Bühne, die in der Volksrepublik Polen sozialisiert war. Für sie waren „Gleichheit“ und „Freiheit“ keine leeren Phrasen – sie nahmen die sozialistische Ideologie beim Wort. Daher waren sie schockiert über das Verhalten „ihres“ Staates. Denn die Zeit hatte ihre dunklen Seiten: den Einmarsch der Truppen des Warschauer Pakts in die Tschechoslowakei, Zensur und staatlich angestachelte antisemitische Hetze in Polen und die terroristischen Anschläge der Roten Brigaden und der RAF. Die gesellschaftlichen und politischen Veränderungen lösten bei den Gruppen, gegen die sie gerichtet waren, Unruhe und Angst aus.
Das Ende der 1960er-Jahre – das waren nicht nur fröhliche Gegenkultur, Protestsongs und Schlaghosen, sondern auch die Erfahrung handfester Gewalt. Zugleich gab es starke ideologische Unterschiede und divergierende Erfahrungen zwischen der „Generation 1968“ im östlichen und westlichen Europa, die fortwirken und zum Teil bis heute unterschiedliche Sichtweisen bedingen.
Zum Film:
Anfang März 1968 sollen Schüler in Lublin einen Zug aus der Tschechoslowakei begrüßen. Doch der Zug hält nicht an. Tomek soll für die Wandzeitung der Schule darüber schreiben, wie die Gäste begrüßt wurden und wie ihr Besuch verlief. Doch er weigert sich, ein Lügenmärchen zu verfassen. Nach einer Party bei Tomeks Freund Marcyś erscheint in der Zeitung ein Artikel über Orgien in dessen Haus. Radio Free Europe berichtet dagegen davon, dass in Warschau die Miliz Studenten verprügelt, weil sie Adam Mickiewiczs romantisches Drama „Die Ahnenfeier“ weiterhin im Theater sehen wollen. Nach einem Skandal soll Tomek von der Schule fliegen. Doch Marcyś nimmt die ganze Schuld auf sich und rettet seinen Freund, denn Marcyś hat nichts mehr in Polen zu verlieren. Er wird wegen seiner jüdischen Herkunft ausgewiesen.
Der Film zeichnet in seinem dicht erzählten Plot ein Bild der komplexen, grausamen Realität des Jahres 1968 in Polen, das geprägt ist von staatlicher Propaganda und Gewalt, aber auch einem Erwachen der Gesellschaft, die nicht mehr bereit ist, staatliches Unrecht zu dulden.
Veranstalter: Polnisches Institut Berlin – Filiale Leipzig in Kooperation mit der Societas Jablonoviana

Jutta verbrachte zwei Semester ihres Politikstudiums in Warschau. Vier Jahre lang koordinierte sie außerdem im Museum des Warschauer Aufstands internationale Begegnungsprojekte. Dabei schaute sie den Kollegen im Stefan Starzynski Institut über die Schulter, die kulturelle Projekte rund um die dynamische Entwicklung Warschaus organisieren, um den Warschauern zu zeigen, in was für einer interessanten Stadt sie leben. Kein Wunder also, dass sie Warschau für die spannendste europäische Metropole hält! Nach einem weiteren kommunikationswissenschaftlichen Studium ist sie nun im Bereich Öffentlichkeitsarbeit tätig. Für Polen.pl schreibt sie seit 2012, natürlich am liebsten über die polnische Hauptstadt, außerdem über Erinnerungskultur in Deutschland und Polen und die Herausforderungen, die sich daraus ergeben. Mit Anna zusammen erstellt sie den Kalender „Co się dzieje“.

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