Blick vom Piastenturm auf das Stadtzentrum, Foto: Katharina Schuchardt

Opole – die kleine oberschlesische Hauptstadt an der Oder

Zweisprachiges Ortsschild in Schlesien, Foto: Katharina Schuchardt

(Kiel, KS) Das Studium der Europäischen Ethnologie ermöglicht es, seine Studienzeit mit Aufenthalten in verschiedenen Ländern Europas zu verbinden und viele nette Menschen kennenzulernen. Ich entschied mich am Ende meiner Studien, den Schwerpunkt auf Polen zu setzen. Mittlerweile schreibe ich meine Dissertation zu einem Thema, das eng mit Polen verbunden ist. Im Rahmen meiner Forschung lebte und arbeitete ich daher die letzten Monate im oberschlesischen Opole.

Die Stadt befindet sich im Süden Polens in der gleichnamigen hauptsächlich von Agrarwirtschaft geprägten Region. Sie liegt zwischen der Woiwodschaft Schlesien mit dem oberschlesischen Industrierevier rund um Kattowitz und der Woiwodschaft Niederschlesien mit der Hauptstadt Wrocław (Breslau), von der aus man in einer dreiviertel Stunde Opole mit dem Zug erreicht. Die Stadt Opole gehört mit ihren ca. 122.000 Einwohnern zu den vergleichsweise kleineren Städten, bildet aber als größte Stadt der Woiwodschaft das Zentrum der gesamten Region.

Das Oppelner Schlesien und die deutsche Minderheit

Der Grund für meinen Aufenthalt in Opole war meine Forschung über die deutsche Minderheit in dieser Region. Der Besonderheit der Minderheit und der damit einhergehenden Zweisprachigkeit in der Region begegnet man bei einer Fahrt durch das Oppelner Land, wie es die Einwohner auch nennen, besonders südlich und östlich von der Hauptstadt Opole. Dort lassen sich zweisprachige Ortsschilder finden, die die Ortsnamen sowohl auf Polnisch als

„Schlesische“ Gehwegplatte, Foto: Katharina Schuchardt

auch auf Deutsch anzeigen. Sie stehen in Dörfern, in denen mindestens zwanzig Prozent der Einwohner der deutschen Minderheit angehören und dieses Recht für sich proklamieren. Das Oppelner Land ist die Heimat der meisten Mitglieder der deutschen Minderheit in Polen und wird auch als „deutsche Insel im polnischen Meer“ bezeichnet.

Die Stadt Opole wird bis heute vom Miteinander der deutschen, schlesischen und polnischen Kultur geprägt. Dort lassen sich Denkmäler und Architektur aus allen Kulturen finden. Auch die schlesische Sprache spielt eine große Rolle. In vielen Familien in der Region lernen die Kinder zuerst Schlesisch, da dies die Sprache in der Familie ist, bevor sie später das offizielle Polnisch lernen. Schlesisch vereint Wörter aus dem Deutschen und Polnischen, aber mir wurde gesagt, dass in jedem Dorf eine eigene Variante des Schlesischen existiert. Trotzdem kommt es oft vor, dass auf der Straße von „Opa“ und „Oma“ und nicht von „dziadek“ und „babcia“ die Rede ist.

Vielleicht lässt sich der eine oder andere Leser dieses Artikels zu einer Reise nach Opole inspirieren und findet die im Bild gezeigte „schlesische“ Gehwegplatte am Rande der Innenstadt?

Sehenswertes in und um die Stadt

Das Stadtbild Opoles wird von der Oder geprägt, die in mehreren Kanälen durch die Innenstadt fließt. Die Stadt liegt beidseitig des Flusses. Während sich auf der westlichen Oderseite neben dem Campus der Polytechnika vor allem Wohnbauten befinden, liegt das Zentrum auf der östlichen Flussseite. An den fünf Universitäten studieren ca. 32.000 Studenten, sodass es für sie auch ein reichhaltiges studentisches Freizeitangebot gibt.

Blick vom Piastenturm auf das Stadtzentrum, Foto: Katharina Schuchardt

Wie jede größere polnische Stadt besitzt auch Opole einen zentralen Marktplatz, der zum Besuch der Restaurants und zu einem Aufenthalt einlädt. An der nordöstlichen Seite des Markplatzes sind Sterne in den Boden eingelassen, die an den Walk of Fame in Los Angeles erinnern und beim Promenieren die Stars des polnischen Liedes in Erinnerung zurückrufen sollen. Opole ist Heimat des größten Musikfestivals Polens, dem Landesfestival des Polnischen Liedes. Diese immer im Juni stattfindende Veranstaltung lockt jährlich tausende Besucher in die Stadt und gilt als einer der bekanntesten Events in Polen.

Das eigentliche Stadtzentrum und die umliegenden Stadtteile lassen sich problemlos zu Fuß erkunden, da das Zentrum kompakt gebaut ist. Bei einem Spaziergang durch die Stadt trifft man auf die Oderinseln. Auf einer befindet sich in der ul. Piastowska 14 der Piastenturm aus dem 13. Jahrhundert – der einzig erhaltene Teil des ehemaligen Oppelner Schlosses. Mit einer Führung ist es möglich, bis auf die Aussichtsplattform des Turmes zu gelangen. Die Führung ist zwar eher für Kinder geeignet, aber man wird am Ende mit einem tollen Ausblick über die Stadt belohnt.

 

Opole charmant

Wie in jeder polnischen Stadt hält sich das Angebot an Fahrradwegen in Grenzen. Außerhalb des Stadtzentrums gibt es aber einige ältere Fahrradwege. Besonders charmant fand ich die alten Trittstützen an den Ampeln, auf denen sich Fahrradfahrer abstützen können, ohne vom Fahrrad steigen zu müssen. Eine schöne Idee!

Wer nach einem langen Spaziergang oder einer Fahrradtour durch die Stadt hungrig geworden ist oder Hinweise für Unternehmungen bei schlechtem Wetter sucht, der wird in meinem nächsten Artikel zu Opole weitere Informationen finden.

Trittsteig in Opole, Foto: Katharina Schuchardt

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Marcel
fucmarfuchs@web.de
109.45.1.215
Toller Artikel und als Radfahrer fand ich besonders den Hinweis zu den Trittstützen interessant. Mit Verallgemeinerungen, wie „Wie in jeder polnischen Stadt hält sich das Angebot an Fahrradwegen in Grenzen.“, wäre ich jedoch vorsichtig, denn entlang der Ostsee gibt sehr großartige Radwege, oder auch in Warschau, Wroclaw,… (vor allem in neueren Infrastrukturen).
Matthias
metropolen.de
kontakt@metropolen.de
87.159.82.107
Ein schöner Zufall, dass ich hier gerade jetzt einen Artikel über Oppeln finde. Ich fahre am Sonntag wieder hin, zum zweiten Mal in diesem Jahr. Obwohl ich schon oft da war, sind mir die Stützen für Fahrradfahrer noch gar nicht aufgefallen.
Jens Hansel
polen-pl.eu/redaktionsteam
jens@polen.pl
37.120.22.64
Das ist ja sehr spannend: Wann wird die Entscheidung fallen?
hagen
mahloair@yahoo.de
31.61.138.41
hallo miteinander, ein schöner Artikel 🙂
auch ich habe großes Interesse an diesem land gefunden. nun erst habe ich entdeckt, dass mein Großvater aus Breslau stammt. und seit 3 Jahren trage ich mich mit dem Gedanken (bevor ich das wusste) meinen Lebensabend in Breslau zu verleben.
to jest dobcze.
dowizenia

 

 

 

Katharina studierte in Kiel und Valencia Europäische Ethnologie, Klassische Archäologie und Volkswirtschaftslehre. Am Ende ihres Studiums fing sie an, sich für Polen zu interessieren und Polnisch zu lernen. Nach dem Studium nahm sie für einige Monate eine Stelle an der Universität Posen an und verliebte sich endgültig in das Land. Sie schrieb sogar ihre Dissertation über die deutsche Minderheit in Polen und darf daher immer wieder nach Polen zurückkehren. Somit ist sie mit Polen mittlerweile fest verbunden und möchte diese Leidenschaft mit anderen teilen.

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